Dienstag, 17. September 2019

Wie man mal eben 13,5% an Wählerstimmen verjubeln kann

(Deutsche) Politiker sind wirklich erbärmlich. Wenn ihnen nichts mehr einfällt, um ihre Hilflosigkeit, fehlende Perspektiven und Verlogenheit zu kaschieren, greifen sie auf das zurück, was sie gut können: Polemik und Verbote.

Da tötet ein Autofahrer in einem SUV in Berlin vier Menschen und schon ist diese Lappalie Weltpolitik. Man möge mich nicht falsch verstehen: vier getötete Menschen sind bedauernswert. Aber allein in Deutschland starben 2018 3.265 Menschen - die hat kein Politiker beweint oder zum Anlaß genommen über das Verbot von Autos laut zu reden.

Rein statistisch gesehen sind die meisten davon von Klein- und Mittelwagen getötet worden, denn die stellen die Mehrheit zugelassener Fahrzeuge dar. Also alle unsicheren Klein- und Mittelwagen verbieten, denn von denen geht die meiste Gefahr aus? Sicher nicht. Aber auf SUVs kann man gut rumhacken. Paßt auch prima zur derzeit verlogenen Umweltpolitikdebatte, denn SUVs sind stinker und unnütz.

Ja. SUVs sind unnütz und stinker. Sie sind groß, schwer und bieten kein bißchen mehr Platz als richtig große Autos wie des deutschen Lieblingskind bei Firmenfahrzeugen der Passat oder ein Auto mit wirklich viel Platz bei gleichem Raumbedarf wie ein SUV: Busse und Transporter (Großraum-Vans oder "Utilities", wie sie beim KBA heißen). SUVs sind reine Protzkarren und Schwanzverlängerungen, denn kein einziger ihrer Besitzer benötigt Allrad oder sonstige Geländefahreigenschaften - niemals. Aber man sitzt toll und es ist cool.

Aber zurück zu den Wählern: Irgendwer sülzt was davon, daß man SUVs in Innenstädten verbieten soll. OK, gute Idee. Dann müssen wir aber auch Lieferwagen, LKW, und Linienbusse verbieten, denn die sind ebenfalls groß und in der Stadt ist es egal, ob du 100 PS oder 300 hast und den Menschen mit 2,5 t oder 30 t totgefahren hast: er ist tot.

Na gut, das wird natürlich keiner fordern - nicht einmal Politiker. Nein, die schließen sich lieber der Diskussion an und wundern sich dann, wenn sie bei der nächsten Wahl so viele Stimmen an Naziparteien wie die AFD verlieren und das Volk die Volksparteien abstraft, weil sie einfach keine andere Wahl mehr haben. Denn eins ist klar: sobald ein Politiker den Mund aufgemacht hat und sich dem Gedankenspiel auch nur ein wenig anschloß, hat seine Partei schlagartig 13,5% Wählerstimmer verjubelt.

Anfang 2019 waren in Deutschland 3.144.333 SUVs und 2.400.305 Geländewagen zugelassen (Excel-Datei). Davon ausgehend, daß zu jedem Fahrzeug 1,5 Wähler gehören (Besitzer Plus Familienangehörige), sind das 8.316.957 Wähler. 2019 waren zur Europawahl 61.600.263 Wähler in Deutschland zugelassen (PDF). Die acht Millionen Wahlberechtigte werden ganz bestimmt so schnell nicht wieder die Partei wählen, die ihr Auto entwerten und ihren Lebenststil angreifen will. Das sind 13,5% Stimmenanteil - verloren! Oh Wunder, welch Überraschung.

Es geht mir gar nicht um SUVs, sondern um die Kurzsichtigkeit und den Frust als Wähler. Wenn Politiker immer nur alles verbieten, was Spaß macht (Fleisch essen, Auto fahren, in den Urlaub fliegen) oder uns belehren und Schulmeistern wollen, dann hat man keine Lust, diese Spaßbremsen zu wählen - egal, wie sehr man auch die Sache an sich unterstützt. Dabei könnten Politiker auch ohne den Bürger ständig als Schuldigen und Unbelehrbaren zu gängeln, gutes bewirken - wenn sie es denn tatsächlich wollen täten und es sich nicht nur um Lippenbekenntnisse handeln würde. Statt Verbote wären Anreize vielleicht der bessere Weg:
  • Ihr wollt mehr Elektroautos (völliger Schwachsinn aber das lassen wir Mal): schafft Steuererleichterungen für Kauf und Unterhalt. 
  • Weniger große Stinker auf den Straßen? Fahrt selber Kleinwagen und ändert die Steuererleichterungen für Firmenfahrzeuge.
  • Weniger Kurzstrecken- und Urlaubsflüge? Schon Mal versucht ein Bahnticket von Deutschland nach Spanien zu kaufen? Vereinheitlicht Tarifsysteme und senkt die Preise. Die Bahn ist ein Staatsunternehmen!
  • Weniger Feinstaub in Innenstädten? Steckt Geld in den ÖPNV und nicht in den Bau von Großflughafen-Bauruinen.
  • "Überfremdung", problematische Asylpolitik? Zeigt Menschlichkeit, Investiert in den Problemländern und nicht in erpresserische Diktaturen. Investiert in hervorragende (nicht in gerade einmal ausreichende) Bildung hierzulande.
Ich weiß: es wird sich nichts ändern. Verbote und Gesetze werden weiterhin erlassen, anstatt Probleme zu lösen. Aber ich wundere mich auch nicht über die Wahlergebnisse - mal sehen, wen ich denn demnächst wähle. Eine "Volkspartei" sicher nicht.



Samstag, 13. Juli 2019

An alle Schnäppchenjäger, die nicht zählen können: ganze ZWEI Tage!

Amazons "Prime Day" 2019 startet demnächst. Das ist eigentlich nur ein Verkauf von Kram zu vielleicht günstigeren Preisen. Als Geiz-ist-Geil-Menschen, die wir alle sind, finden wir das toll. Seit Tagen nervt die Werbung von Amazon dazu. Und weil ein Tag viel zu kurz ist, wird aus dem DAY (Singular) ein zweitägiges Event (Plural wäre dann "dayS"). Weil das aber wohl keiner versteht, bleibt es beim "Day" und dem lächerlichen Zusatz "das sind ganze zwei Tage".

Werbespot

Ach ja: Wer dabei sein will, muß Prime-Mitglied sein. Das kostet derzeit im Jahr 69 Euro!

Traurig ist, daß unsere Presse das "Event" nutzt, um auf den Zug aufzuspringen und lauter Infoseiten - zum Wohle der Leser und Verbraucher - generiert, die nicht nur kostenlos (?) Werbung für Amazon machen, sondern auch noch lauter Angebote herauspicken und vergleichen.

Werbung für Prime Day als "News" verkauft, Quelle: https://www.google.com/ 



Werbung mit der spionierenden Alexa für ebay anläßlich der "Prime Days"





Dienstag, 12. Februar 2019

Abzocke bei der Deutschen Post

Zum Jahresanfang hat die Deutsche Post nicht nur ihr Portfolio verschlechtert, sie erhöht auch noch die Preise drastisch - und keinem scheint es aufzufallen. Nur die Preiserhöhung beim Standard-Brief wird diskutiert. Dabei gibt es schon jetzt eine erhebliche Verschlechterung, denn in einem normalen Brief darf auf einmal keine Ware mehr verschickt werden. Angeblich folgt die Post damit einem Beschluß des Weltpostvereins - welcher das sein soll, verrät die Post auch auf Nachfrage nicht. Bisher war es erlaubt, in einem Brief zu verschicken, was man wollte. Dazu gehörte auch Ware, solange sie in die vorgegebenen Verpackungen paßte. Und auch wenn den meisten Postlern und Hilfskräften das nicht klar war, so konnte - wie bereits geschrieben - auch eine Kiste als Brief frankiert werden. Das war praktisch, um als Kleinunternehmen Ware von geringem Gewicht, Ausmaß und Wert kostengünstig zu verschicken. Kombinierte man das mit einem Einschreiben, wie es für jeden Brief möglich ist (und nicht das wie sauer Bier beworbene und nutzlose "Prio"), dann war die Sendung auch versichert und der Verbleib nachweisbar. Jetzt ist das auf einmal nicht mehr erlaubt. Vermutlich, weil vor allem die Chinesen das exorbitant und mit staatlicher Subvention ausgenutzt haben, um Billigware zu exportieren. In einem Brief dürfen laut Post seit dem 1.1.19 keinerlei Ware mehr verschickt werden - nur noch schriftliche Mitteilungen. Laut Presseabteilung der Post liegt das u. a. daran, daß
"internationale Dokumenten- und Warensendungen getrennt bearbeitet werden müssen, und zum anderen Anforderungen von immer mehr Ländern, die bei allen Sendungen mit Wareninhalt eine elektronische Datenvoranmeldung aus Zoll- und Sicherheitsgründen verlangen."
Was natürlich Schwachsinn ist, denn wieso sollte eine Sendung innerhalb der EU zollrechtlich bearbeitet werden und was sind "Sicherheitsgründe" außer nichts weiter als eine Ausrede im Zuge der allgemeinen Panikmache um angeblich gestiegene Terrorgefahren? Natürlich muß eine Sendung in ein Drittland zolltechnisch bearbeitet werden. Das ist aber ein Problem des Zolls und nicht der Post. Selbst wenn die Post jetzt auf einmal Sendungen auf Sprengstoff oder was weiß ich kontrolliert, so muß sie das doch mit allen Sendungen machen - auch mit nationalen, denn ein Terrorist wird sich wohl einen Dreck darum scheren, ob er in einem Brief keine Bombe verschicken darf, sondern dazu jetzt Warenpost nutzen muß. Und ein wenig Anthrax bekommt jeder locker in einem Standard-Brief unter. Natürlich müssen internationale Sendungen - gleich welcher Art - getrennt bearbeitet werden: sie sollen ja ins Ausland gehen, aber das war schon immer so.

Was wird jetzt anders? Es gibt die neue Warenpost. Das ist ganz genau das gleiche wie bisher: ein Groß- oder Maxi-Brief mit den gleichen Gewichten und der gleichen Dienstleistung aber er kostet mehr Geld und er bedeutet mehr Aufwand. Und außerdem gibt es ihn nicht mehr für Privatleute. Wer privat also etwas verschicken will, wird gezwungen, ein Päckchen (unversichert!) oder ein teures DHL Paket zu kaufen - oder geht am Besten zur Konkurrenz, die billiger ist und mehr bietet. Es ist anzunehmen, daß der Briefzusteller auch nicht von der neuen Regelung profitiert. Ich kann verstehen, daß es keinen Spaß macht, große Briefe durch die Gegend zu tragen und zuzustellen bzw. eben nicht, weil die Teile nicht in den Briefkasten passen. Aber genau das wird weiterhin der Fall sein, denn Warenpost ist weiterhin ein Briefprodukt. 
Damit ein Gewerbetreibender Warenpost verschicken kann, muß er sich bei der Post registrieren und mindestens fünf Sendungen pro Quartal ins Ausland verschicken (was bei Nichterfüllung dieser Auflage passiert ist nicht heraus zu bekommen). Nicht nur, daß man sich registrieren muß, die Post also Daten bekommt, die sie eigentlich nichts angehen, es ist auch ein erheblicher Aufwand und man muß die Sendung teilweise auch noch bei der Post einzeln erfassen. Ob das tatsächlich notwendig ist oder in den Infobroschüren nur so verkauft wird (weil es ja - aus Sicht der Post - sooo toll und praktisch ist), ist mir unklar.
Mein Tip für Privatversender: einfach bei der Post registrieren und als Rechtsform "freie Berufe" auswählen. In jedem steckt ein freier Künstler, also entspricht es der Wahrheit und keinen geht es etwas an, ob ich damit Geld verdiene oder sonst etwas. Bei der Registrierung steht auch nirgends etwas davon, wieviele Sendungen man verschicken muß.

Die Bundesnetzagentur teilt auf Anfrage, warum es Warenpost nicht für private Kunden gibt, mit:
"Da es sich bei den in Deutschland tätigen Postdienstleistern um private Unternehmen handelt, sind diese zunächst unmittelbarer Ansprechpartner im Hinblick auf ihre Produktgestaltung. Wie zuvor erwähnt, können diese Änderungen ohne vorherige Genehmigung durch die Bundesnetzagentur vorgenommen werden. Der Sachverhalt wird derzeit anhand der regulierungsrechtlichen Vorgaben untersucht."
Die ganze Sendung wird auch noch teurer wenn man Pech hat. Wie immer verschleiert die Post, daß sie nutzlose Dienstleistungen anbietet, die sich toll anhören aber keinen echten Mehrwert bringen. Warenpost "untracked" nennt sich das, was bisher einfach ein Brief war. "Warenpost International S" kostet € 3,70 und sieht auf den ersten Blick aus, wie der Preis bisher für einen Groß-Brief (für "M" und "L" gilt das folgende analog). Wäre da nicht die kleine versteckte hochgestellte "1" und das kleingedruckte
 "Preise zzgl. gesetzlicher Umsatzsteuer für Versand in Länder der EU"
Quelle: https://www.deutschepost.de/de/b/briefe-ins-ausland/warenpost-international.html
So einen Schmu dürfen die nur machen, weil sich das Angebot ausschließlich an Gewerbetreibende richtet - andernfalls wäre das abmahnfähig, weil Preise für Verbraucher inkl. Mehrwertsteuer anzugeben sind. Der Brief kostet also 19% (70 Cent) mehr als bisher: € 4,40 - bei gleicher Leistung und mehr Arbeit. Für einen Gewerbetreibenden, der nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, eine saftige Preiserhöhung, zu der die Bundesnetzagentur mitteilt:
"Die Umsatzsteuerbefreiung gilt für Produkte im Rahmen des Universaldienstes. Für Fragen der steuerrechtlichen Beurteilung ist das Bundeszentralamt für Steuern der richtige Ansprechpartner."
Als besonderes "Plus" hat sich die Post nun den Brief "tracked" ausgedacht. Das Ding ist genauso nutzlos wie "Prio", denn es wird lediglich der Transportweg über die Sortieranlagen registriert und es erfolgt weder eine echte Zustellbestätigung noch ist die Sendung zuverlässig versichert:
"Für Warenpost International Tracked in bestimmte Länder gewähren wir eine Haftung für Verlust und Beschädigung für den nachgewiesenen Schaden bis max. 20,00 € des nachgewiesenen Schadens. Bis zu einer Gesamthöhe von 20,00 € werden Warenwert und Porto erstattet."1
Mehr als 20 Euro bekommt man also nicht und davon muß man das Porto abziehen. Bei Warenpost L bleiben also gerade einmal 3 Euro für den Warenwert. Und vorher muß man genau nachschauen, in welchen Ländern denn überhaupt eine Haftung übernommen wird.

Also bleibt nur der neue Service "mit Unterschrift" und der kostet (und bietet) - man staune - genau das gleiche, wie bisher ein Brief (€ 3,70/7,00/17,00) mit der Zusatzleistung Einschreiben (€ 2,50). Allerdings eben wieder 19% mehr, wenn man nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist. 

Die Post bietet also faktisch eigentlich gar nichts neues, verschlechtert aber das Angebot, erfordert mehr Aufwand und kassiert auch noch mehr Geld. Zu all den damit aufkommenden Fragen antwortete die Presseabteilung der Deutschen Post nur mit abgedroschenen Phrasen ohne neuen Inhalt:
"Es ist korrekt, dass Privatkunden seit 1.1.2019 keine Waren mehr international per Brief versenden können. Gründe sind zum einen eine vom Weltpostverein beschlossene Regelung, wonach internationale Dokumenten- und Warensendungen getrennt bearbeitet werden müssen, und zum anderen Anforderungen von immer mehr Ländern, die bei allen Sendungen mit Wareninhalt eine elektronische Datenvoranmeldung aus Zoll- und Sicherheitsgründen verlangen. Dies führt bei der Deutschen Post zu höheren Kosten."
Wobei man natürlich sagen muß: nicht die Post profitiert, sondern der Staat, denn der bekommt nun die Mehrwertsteuer geschenkt - bisher waren die Sendungen von der Steuer befreit. Ob sich Bundesbehörden vielleicht deshalb so zurückhalten, bei der kritischen Hinterfragung der neuen Angebotsgestaltung? Wenn aber doch die Post nach ihrer eigenen Aussage höhere Kosten hat, wieso ist dann der einzige Profiteur von der versteckten Preiserhöhung und der Ausdünnung der Angebote sowie des erhöhten Aufwandes das Bundesfinanzministerium?

Auf die Frage, was mit Sendungen aus dem Ausland passiert, die wie bisher als Brief verschickt werden aber offensichtlich Waren enthalten, schweigt sich die Pressestelle der Post ebenfalls aus. Immerhin richtet sich das ganze Prozedere wohl primär gegen diese Transportrichtung. Sendungen aus Drittländern müssen mit einer Zollinhaltserklärung versehen sein, so daß die Erkennung von Waren einfach ist. Eine mögliche Folge könnte sein, daß solche Sendungen von der Post zurückgewiesen werden und der Käufer dann seine Ware nicht erhält und aufgrund der langen Transportwege das erst nach acht Wochen auffällt.

Mein Fazit: Einfach weiter Waren innerhalb der EU in einem Brief verschicken. Die Mitarbeiter bei der Post (die ja eigentlich gar keine sind, sondern Angestellte der Postbank und nur Hiwidienste für die Post nebenbei verrichten), meckern zwar und lassen dumme Bemerkungen fallen, in denen sie den Kunden als Betrüger abstempeln ("sie dürfen gar keine Waren mehr per Brief verschicken; ich nehme das nur auf ihr Risiko an, ihr Problem, wenn es dann zurückkommt") aber sie haben eigentlich gar keine Handhabe, denn woher wollen sie wissen, was in dem Brief steckt? Dank Briefgeheimnis dürfen sie gar nicht reinschauen und es ist mir als Firma erlaubt, den Umschlag für meine Briefe selbst zu wählen. Und wenn der aussieht, wie ein Paket, dann ist das halt so aber das gibt dem Postler nicht das Recht, mir Betrug zu unterstellen.

Sonntag, 11. November 2018

Die Groteske um Angst und Panik vor dem Terror

Flughafenkontrollen sind ein schönes Beispiel dafür, wie krank die Geisteshaltung von Regierungen und Sicherheitskräften ist, wenn es um die Panikmache im Bezug auf Sicherheit geht. In Hannover gibt es Körperscanner und dermaßen kleinkariert-pingelige Hilfskräfte, daß man die Lust verlieren kann. In Berlin-Schönefeld ist der Sicherheitscheck ein deutlich geringeres Ärgernis. In Portugal fast schon Südländsich lässig. Und dennoch versinken wir nicht jeden Tag in Terroranschlägen.

Aber auch die Handgepäckregeln sind lächerlich. Keine Flüssigkeiten in großen Flaschen. Aber leere Flaschen kann ich in jeder beliebigen Größe mitnehmen (ebenso Snacks). Also einfach anschließend auf dem Klo auffüllen, statt überteuertes Wasser im Flugzeug zu kaufen. Meine Terrorfreunde bringen dann ganz legal in 100 ml Rationen die flüssigen Sprengstoffe und ich mixe es in meiner Gallone zur Bombe. Aber es ist natürlich ein riesiger Gewinn an Sicherheit, wenn ich in der 1,5 Literflasche auch nicht die kleinste Menge Flüssigkeit durch den "Sicherheitscheck" bringe. Nicht einmal 100 ml sind darin erlaubt. Liebe Fanatiker, die ihr Angst schürt, um eure Sicherheit zu verkaufen: 1500 ml Luft + 100 ml Irgendwas teuflisches sind 100 ml in einer 1,5 l Flasche!

Wenn ich wirklich böses im Sinn hätte, würde ich vielleicht die Stangen der Haltegriffe eines gewöhnlichen Rollkoffers benutzen. Diese schön anspitzen und wieder in den Trolley schieben - alles ganz legal. Aber bloß keine winzigen Taschenmesser zulassen.

Noch effektiver sind Lithium-Polymer-Akkus. Die sind in jedem Smartphone - und noch viel fetter und gefährlicher in jeder Powerbank. Ein paar davon auf ein paar Mittäter verteilen und dann einen Kugelschreiber oder o. g. Handgriff, eine Haarnadel oder sonst etwas metallisches hineinrammen - viel wirksamer als manch anders. Und völlig legal mit an Board zu nehmen.

Wozu die noch immer anhaltende Hysterie um mögliche Terrorangriffe 2018 führen kann? Wagen Sie es bloß nicht französische Sicherheitshiwis (lediglich Angestellte des Hafens und keine staatlichen Kräfte) auf die Lächerlichkeit ihrer Tätigkeit hinzuweisen. Beim Einschiffen vom Festland nach Korsika werden um die 200 vollgepackte Fahrzeuge ohne Probleme auf die Fähre durchgewunken. Kommt man als Einzelperson zu seinem Auto, weil man das Gelände beim Warten legal verlassen hat, wird man gefilzt, als würde man in seiner sommerlichen Shorts und dem T-Shirt sonst was schmuggeln können. Weist man nun darauf hin, daß man, wollte man denn ein Attentat begehen, das ganze Bombenbaumaterial in seinem Auto, das nicht kontrolliert wurde und bereits auf die Fähre wartet, viel leichter unterbringen kann, geht der Trubel los: Auf einmal wollen sie ein Exempel statuieren und durchsuchen jede Kleinigkeit aus dem Fahrzeug - natürlich erfolglos. Und die Polizei kommt mit einem Großaufgebot.
So viel Panik und kein Verständnis dafür, wie hirnverbrannt die pseudo Sicherheitsvorkehrungen doch sind. Nein, ich lasse mir das Maul nicht verbieten oder mich durch verfallene Tickets (160€) oder 18h fragwürdige U-Haft einschüchtern. Euer Glaube an eine nicht mehr als schon seit 2000 Jahren vorhandene Terrorgefahr ist lächerlich und unbegründet und man sollte das immer wieder deutlich machen.

Ach ja: ich mußte die Bilder vor euren Augen löschen (warum? Ist es Euch peinlich, so überzuregieren?). Habe ich getan. Vielleicht solltet ihr lernen, das Löschen nicht heißt, etwas ist aus der Welt. Die NSA und andere kriminelle Nachrichtenagenturen und Schergen praktizieren das jeden Tag und terrorisieren damit die Welt viel mehr. Löschen heißt auch nicht, ich darf es nicht wiederherstellen. Und auch nicht, ich darf es nicht veröffentlichen.

Nachtrag:
Wie blödsinnig es ist, Ganzkörperscanner, noch mehr Kontrolle, rundum Überwachung und Aushebelung von Datenschutz und Privatsphäre zu propagieren, wird gerade deutlich: Für Technik im Wert von vielleicht 200€ legt ein einzelner mit einer Drohne in Gatwick eine Millionenstadt lahm und verursacht einen enormen wirtschaftlichen Schaden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis an der Drohne auch noch Sprengstoff und ein Fernauslöser hängt. Silvester gibt es Schwarzpulver frei verkäuflich in unbegrenzter Menge und ein Datenkanal ist an einer Drohnen-Fernbedienung bestimmt auch noch frei.

Wie Hotels mit wenigen Cents die Welt zu einem besseren Ort machen könnten

Ich verstehe es nicht: wieso gibt es in Hotels immer keine Haken und Ablagen? Es kostet doch nun wirklich kein Geld und würde den Aufenthalt so viel schöner machen. Im Bad gibt es freie Flächen en masse aber keine Kleiderhaken. Handtücher und eigene Utensilien wollen aufgehangen werden. Vielleicht will man auch Mal Klamotten trocknen? Auch im Eingangsbereich: wo soll ich mit meiner nassen Regenjacke hin? Einfach ein paar Haken an der Wand!
Und Ablagen? Was ist so verkehrt daran, ein schmales Brett über dem Waschbecken anzubringen? Riesige Spiegelflächen aber kein Platz für meinen Rasierer usw.
Für den Preis eines Aufenthaltes (40€) kann ich das ganze Hotel damit ausstatten. Lieber Hoteliers: nutzt Eure eigenen Zimmer einfach Mal selber! Zu Hause hat man doch auch Haken und Ablagen.

Samstag, 1. September 2018

Werden Erzeuger bei Netto Marken-Discount nur bezahlt, wenn der Kunde hilft?

Kochhinterschinken Spitzenqualität für 1 Euro kaufen, essen und auch noch was Gutes tun:

Verpackung von Westfleisch/Netto

Wenn ich diese Packung kaufe, bekommt ein heimischer Erzeuger 10 Cent garantiert. Laut Pressemeldung: "Pro verkauftem Produkt gehen 10 Cent direkt an heimische Erzeuger".

Fangen wir mit Punkt 1 an: Die zehn Cent gehen nicht an den Erzeuger dieses Produktes. Die Pressemeldung betont es immer wieder: "[...] direkt an Landwirte aus der Heimat". Wo diese Heimat liegt und wer diese Landwirte sind, wird nirgends gesagt. Der Landwirt kann also auch ein Discounter-Naher Unternehmer sein, der Massentierhaltung betreibt und minderwertige, genveränderte Lebensmittel aus überzüchteten Tieren produziert. Klar: Auf dem Foto sieht man ein sympathisches Fotomodel mit glücklichem Ferkel. Aber das ist ein Werbefoto und wohl kaum einer der profitierenden Erzeuger. 


Verpackung von Westfleisch/Netto
Schauen wir auf die Rückseite. Dort befindet sich das (alte) Identitätskennzeichen des Herstellers/Erzeugers: DE EV 42 EG (neue ID: NW 86001: die Westfleisch Erkenschwick GmbH. Mit einem Bilanzgewinn von rund 20 Millionen Euro 2017 ist Westfleisch ein Erzeuger, der sicher keine weitere finanzielle Unterstützung durch den Kunden benötigt - aber dank Netto bekommen könnte: Erzeuger und heimisch.
In wie weit damit ein "wichtiger Beitrag für den Erhalt und das Wohlergehen der heimischen Landwirtschaft" geleistet wird, erschließt sich mir nicht. Aber eins steht fest: kein Landwirt, Erzeuger oder gar Groß-Fleichverarbeiter wird je zugeben, daß er nicht das Wohlergehen der heimischen Landwirtschaft und deren Erhalt eintreten wird oder gar diese schädigt.

Auch wenn ich blauäugig glauben sollte, daß Netto wirklich was Gutes tun will und wirklich die 2014 eingenommenen 3,3 Mio. Euro an echte Landwirte auszahlt - immerhin wird das in der Pressemeldung behauptet - auch wenn diese vier Jahre alt ist und nichts mit der o. g. Verpackung aus 2018 zu tun haben muß. Die Frage ist doch: warum ist das notwendig? Bekommen Landwirte von Netto (und dessen Produzenten Westfleisch) andernfalls gar kein Geld für Ihre Produkte? Nur wenn ich diese +10-Cent-Verpackung kaufe, wird der Landwirt für seine Arbeit bezahlt? Und sind die Einkäufer bei Netto so knallharte Verhandler, daß sie die Landwirte derart ausbeuten, daß sie keine fairen Preise zahlen? Also wenn ich ein anderes Produkt bei Netto kaufe, bin ich Teil der Unterjochung von Bauern, die sich gegen das Preisdumping nicht wehren können? Das Preisdumping gibt es. Ich glaube, Netto ist Teil der Machenschaften.
Aber ich denke auch: keiner wird gezwungen, sein Produkt an irgendwen zu einem Preis zu verkaufen, der ihm nicht gefällt. Andernfalls hätten wir mafiöse Verhältnisse. Lieber Bauern: wenn ihr Tiere überzüchtet, Äcker ausbeutet und das alles, um immer mehr immer billiger zu produzieren, müßt ihr euch nicht wundern, wenn das Überangebot zu einem Preisverfall führt. Das nennt sich Marktwirtschaft.

Freitag, 29. Juni 2018

Ich kann gar nicht so viele King Boxen (nicht) kaufen, wie ich kotzen möchte.

Bei Burger King gibt's das Wunsch-Essen nur für diejenigen, die sich Werbung aufzwingen lassen und Daten preisgeben.
Letztens gab's die "King Box" bei der Fast-Food-Kette. Heute bekam ich sie nicht mehr. Nur wenn ich mir die App auf dem Smartphone installiere und den Code der Kassenkraft zeigen, wäre das möglich. Wohlgemerkt, ich will keinen Rabatt, ich will einfach essen. Ich sagte, ich hätte mein Handy nicht dabei - hilft nicht. Ich bräuchte doch nur zu googeln. Oder mein Kollege soll sie sich installieren.Wieso soll ich mir eine App installieren, nur damit ich vor der Kasse stehend mir den Code anzeigen lasse, den ich dann vorzeige? Das kostet mich nicht nur Speicher und Datenvolumen, es ist auch ein eklatanter Eingriff in meine Privatsphäre. Ich kann gar nicht überprüfen, was da gesammelt wird und ich will es auch gar nicht - warum soll ich meine Freizeit damit verbringen, deren AGB durchzulesen und Zugriffsrechte der App abzunicken oder einzustellen? Ich will anonym was essen. Burger King will meine Daten, ein Nutzerprofil anlegen oder noch schlimmeres - und das gebe ich ihnen nicht. Es gibt schließlich keinerlei Grund für so eine Frechheit und dreiste Gängelei außer der Anbieter hat seinen Vorteil davon - ich habe keinen! Nein, ich will keine tollen Angebote bekommen, um nichts zu verpassen. So etwas ist kein Vorteil, das ist Werbung! Ich frage mich, ob eine derartige Zwangsdatensammlung um ein Produkt zu erwerben überhaupt mit der Datenschutz-Grundverordnung vereinbar ist. Die App sammelt personenbezogene Daten und über den Code können sie mich identifizieren. Oder über meine MAC-Adresse, die der App bekannt ist und dem WLAN im "Restaurant".
Artikel 5: "Personenbezogene Daten...
...müssen für festgelegte, eindeutige und legitime Zwecke erhoben werden
...dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Maß beschränkt sein („Datenminimierung“);"
Nach Artikel 7 ist ein Zwang zur Einwilligung nicht zulässig, wenn der Vertrag auch ohne eine solche erfüllbar ist: "ob unter anderem die Erfüllung eines Vertrags, einschließlich der Erbringung einer Dienstleistung, von der Einwilligung zu einer Verarbeitung von personenbezogenen Daten abhängig ist, die für die Erfüllung des Vertrags nicht erforderlich sind." Der Kauf eines Burgers stellt einen Vertrag dar. Burger King zwingt mich, die App zu installieren und der Datenerhebung zuzustimmen, nur damit ich diesen Vertrag eingehen kann. Ich sehe da einen Verstoß. Aber egal: so gewinnt man keine Kunden, so verliert man welche. Aber es gibt bestimmt genügend Lemminge, die wieder einmal nicht reflektieren und einfach mitmachen - "wird schon alles nicht so schlimm sein, ich habe ja nichts zu verbergen".

Ganze 62 MB belegt die Werbe-App von Burger King und will Rechte abgenickt haben, die für eine schlichte Essensbestellung an Unverschämtheit kaum zu übertreffen sind. Warum wohl?

Mittwoch, 1. November 2017

Katholiken-Bevorzugung bei Pro Sieben

Pro Sieben bevorzugt eindeutig Katholiken als Zuschauer. Gestern war Reformationstag. Luther hat vor 500 Jahren die Welt verändert und den Katholiken Rechte abgesprochen, was zur Gründung der evangelischen Kirche führte. Normalerweise gedenken die katholisch dominierten Bundesländer nicht dieses Tages. Eher die östlichen Bundesländer haben dann frei. Weil nach 500 Jahren auch die Bayern,
Baden-Württemberger und andere Erzkatholische gottesfürchtige Mal frei haben wollten, und weil 500 auch so eine schöne Zahl ist und irgendwann muß man ja auch Mal sagen, daß der Luther doch ganz gut war, haben diese Bundesländer dieses Jahr einen weiteren Feiertag (zu den eh schon mehr vorhandenen) per Dekret geschenkt bekommen.

Normalerweise merkt man, daß Feiertag ist, daran, daß die TV-Sender massig (alte) Spielfilme zeigen. Gestern: Fehlanzeige. Mehr oder weniger Alltagsprogramm. Bei Pro 7 gibt es gerade einmal drei Spielfilme im Abendprogramm.

Heute: Allerheiligen. Feiertag in Bayern und bei den anderen Katholiken. Pro Sieben bringt den ganzen Tag 12 Spielfilme. Wenn also evangelische Bundesländer (und ausnahmsweise die katholischen auch) frei haben, ändert das nichts am Programm. Haben aber die Katholiken frei, dann wird auf Spaß umgeschaltet.

Objektiv ist die Betrachtung aber zugegeben auch nicht: Zu Pro Sieben gehört auch Sat 1 und die haben es umgekehrt gemacht (10:0). Aber auffällig ist es trotzdem.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Die Deutsche Post setzt prioritäten

Die Warteschlange in der Postfiliale ist teilweise schon unerträglich lang. In letzter Zeit wird sie noch länger. Jeder Kunde, der nicht genau weiß, was er will und eigentlich nur einen Brief frankiert und loswerden will, wird in ein Verkaufsgespräch verwickelt. Natürlich hat man dabei nur die Absicht, dem Kunden das optimale Produkt anzudrehen. Das kostet mehr und bringt so gut wie nichts. Außer, das die Warteschlange länger wird, weil kein Kunde kapiert, was ihm da aufgequatscht wird. Weil die Kunden, die eine einzelne Marke am Schalter holen sowieso eher etwas planlos sind (sonst würden sie die Marke am Automaten holen oder hätten ein paar auf Vorrat), denken sie, ihnen wird was sinnvolles angeboten: Zusatzleistung PRIO.

Das kostet 90 Cent extra und bringt rein gar nichts.

Angeblich wird der Brief priorisiert transportiert. Nachprüfen kann das keiner und eigentlich ist es doch egal. Ob ein Brief am nächsten oder übernächsten Tag ankommt, ist egal. Sollte es anders sein, muß man ein entsprechendes Produkt kaufen, was ungleich teurer ist. Dabei erreichen schon heute 95 Prozent aller Briefe den Empfänger am nächsten Werktag. Nach Aussage der Post und so muß es auch sein und der Kunde darf sich darauf verlassen. Auch wenn diese angezweifelt wird. Auch bei Prio kocht die Post nur mit Wasser. Wenn sie die Sendung abgeben, nachdem der letzte Abhol-Fahrer die Filiale aufsuchte, druckt sie dieses peinliche Eingeständnis jetzt auch auf die Belege: "Versandschlusszeit überschritten. Der Transport der Sendung beginnt am nächsten Werktag".

Eine rechtsverbindliche Zustellung sichert der Service nicht zu! Hierfür ist einzig ein Einschreiben der richtige Weg. Die Sendung ist über die Sendungsnummer zwar (kompliziert) verfolgbar, aber genau der letzte Schritt wird gar nicht dokumentiert. Die Sendung wird das letzte Mal in der Großbriefsortieranlagen des Ziel-Briefzentrums gescannt. Anschließend wird sie eventuell zugestellt, geht verloren, landet beim Nachbarn oder wird weggeschmissen. Keiner weiß es. Abends werden lediglich die Briefe wieder gescannt, die nicht zugestellt wurden. Der Rest wird als zugestellt angesehen.

Die Post bietet keine Haftung bei Verlust - wie auch, denn es existiert keine Information darüber, wo die Sendung geblieben ist.

Der Kunde soll also für etwas bezahlen, was ihm eh schon zusteht (Zustellung am nächsten Werktag) und etwas, was ihm nichts bringt (Teil-Tracking). Und weil das ein gutes Geschäftsmodell ist - schließlich wird ein Brief auf seinem Weg sowieso mehrmals vollautomatisch gescannt, verkaufen die Postillione das Produkt wie sauer Bier am Schalter. Und alle anderen Kunden müssen warten, bis die Verkäufer ihren Spruch aufgesagt haben, die Kunden überlegten, leicht bedrängt wurden ("Sendung kann verfolgt werden" - hört sich toll an) und dann zögerlich zustimmen. Heute wurde ich dann auch noch Zeuge, wie der Verkaufsmitarbeiter dem Kunden in radebrecherischen Denglisch einreden wollte, das sei toll für die Steuererklärung, weil er dann belegen kann, eine Sendung verschickt zu haben. Das ist natürlich blödsinn, denn dafür reicht die normale Quittung aus.


Samstag, 10. September 2016

Fakeprofile - oder: Tinder ohne 50 Facebook-Freunde

Letztens hat mir einer beim Kneipenbesuch von seinem Tindergarten erzählt. Da ich selbst von den Singlebörsen eher enttäuscht bin, wurde ich hellhörig. Angeblich sei es ganz einfach, da neue Kontakte zu finden und auch IRL zu treffen. Geschätzte 800 potentielle weibliche Fotos gab es allein für die derzeitige Mini-Metropolen-Region. Einfach wisch und weg, um zwischen hop und flop zu entscheiden.
Also auch mal testen: Nach ein paar Minuten war klar: das hatte ich schon. Und dann endete der Versuch, weil man sich nur mit einem Facebook.Account anmelden kann. Und den habe ich nicht - zumindest keinen mit echten Daten über mich. Also einen neuen Account anlegen. Facebook und Twitter & Co. wollen das natürlich nicht und nerven einen mit Bestätigungscodes, die sie am liebsten per SMS versenden wollen. Klar, ich gebe denen einfach meine Handynummer. Dummerweise gehen die meisten virtuellen SMS-Dienste nicht mehr. Die Anbieter haben die Nummern gesperrt. Aber mit ein wenig Geduld und zwei weiteren Fake-Email-Accounts, die man bei Gmail und Yahoo sehr einfach einrichten kann, klappt es dann irgendwann, sich einen Code per Email zusenden zu lassen. Als nächstes will Tinder aber dann auch noch eine SMS versenden. Und die sind hartnäckig und akzeptieren keine Email. Aber selbst, wenn man dann eine echte Handynummer angibt, klappt es nicht und man erfährt nur, daß es einen Fehler beim generieren des Codes gab. Eine Websuche fördert dann zu Tage, daß man bei Facebook 50 Freunde haben muß.
Kein Problem. Ich kapiere ja Facebook eh nicht. Was soll das? Ich klicke wild rum und markiere irgendeinen dummen Quatsch mit einem Like und Teile das dann ggf. noch öffentlich, so daß der Kram in meinem Profil auftaucht. So kann man schnell ein aktives Profil vorgaukeln. Einfach bei Facebook nach Freunden suchen und dann wahllos die angezeigten Leute als Freunde hinzufügen ist auch ganz einfach.

Quelle: https://www.facebook.com/

Das macht man bei etwa 50 beliebigen Leuten. Keine Ahnung wer das ist, was die wollen, wie die politisch ticken - ist mir doch egal, ich will ja nur einen Fake-Account. Wenige Minuten später trudeln dann auch die ersten angenommenen Anfragen ein. Jetzt braucht man nur noch auf Bestätigen zu klicken und schon hat man neue Freunde. Anscheinend sind die ausgewählten Pseudo-Freunde alle so geil auf eigene Freunde, daß die wahllos die Anfragen annehmen. Innerhalb von 20 Minuten hatte ich so über 300 eigene Freunde.
Wundert sich da noch jemand, wenn sich alle über die schlechten Umgangsformen bei Twitter, in Foren und bei Facebook beschweren, wenn die Authentifizierung von Angeboten immer auf die gleichen anderen Angeboten basieren und man sich im Grunde im Kreis herum eigenständig als interessante, real existierende Persönlichkeit bestätigen kann? Ich wundere mich nur, wie viele Leute da ihre echten Daten angeben und halbnackte Fotos frei Verfügbar machen, die ich dann auch noch weiter verteilen kann und sogar soll.






Donnerstag, 24. März 2016

Der Verlust von Glaubwürdigkeit, Nutzen und Qualität

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;
und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
Und Gott sah, daß das Licht gut war.
Da schied Gott das Licht von der Finsternis
und nannte das Licht Google und die Finsternis Nacht.[frei nach 1.Mose 1]

Google ward plain und smart;
und lieferte das, was man suchte
Und Larry Page sprach: Lasset den Mensch uns abhängig machen.
Und der Mensch wurde Abhängig.
Und dem Gott Kommerz gefiel das.

Seit dem sind die Zeiten vorbei, in denen Google einfach das lieferte, was man suchte und auch das, was man gar nicht wußte, daß man es sucht. Inzwischen beherrscht Werbung die Suchergebnisse. Von dezent am Rand sind sie immer mehr in den Vordergrund gerückt. Sei es für bezahlende Anbieter, sei es für Google-Dienste. So sehr, daß man inzwischen teilweise nur noch Werbung sieht.
Aber soll es nicht um das Böse per se gehen.

Mich ärgert Amazon. Schon lange predige ich, dort nicht zu kaufen. Bzw. nur dann, wenn es wirklich einen Vorteil bringt. Bücher gehörten noch nie dazu, denn die bekommt man überall zum gleichen Preis und kostenlos nach Hause. Bisher war aber einer der großen Vorteile von Amazon, daß sich dort viele Hobby-Rezensenten tummeln. Ist eine kritische Masse an Meinungen pro Artikel erreicht, kann man sich ein ganz brauchbares Bild schaffen. Bei Gebrauchsgegenständen ist dies aber zweifelsfrei praktisch. Bei Büchern ist da sicher viel persönlicher Geschmack dabei. Und ob es wirklich sinnvoll ist, die 958. Bewertung abzugeben, schiebe ich eher auf die heutige Profilneurose der inhaltsleeren Selbstdarstellung. Schon immer mußte man dann auch noch diejenigen ausfiltern, die einfach nicht den Unterschied zwischen einer Anbieterbewertung und einer Produktbewertung kapieren und als Produktbewertung schreiben "schnelle Lieferung, gute Verpackung" oder durch mit einem Sternchen versehene Kommentare à la "falsche Lieferung" die Durchschnittswertung herabziehen.

Quelle: http://www.amazon.de

Trotzdem können auch Berichte bei Büchern hilfreich sein. Wenn zum Beispiel die Papierqualität, das Schriftbild, die Bindung oder auch die Übersetzung reflektiert werden. "Schaue bei Amazon, kaufe bei buch.de", lautete mein Motto. Dort liegt die Zahl der Bewertungen leider im Promillebereich, obwohl sie vor ein paar Jahren sogar noch honoriert wurden.
Quelle: http://www.buch.de
Amazon (aber auch Buch.de) sind aber inzwischen dazu übergegangen, einfach alle Bewertungen wild durcheinander zu würfeln. Solange der Titel halbwegs übereinstimmt, wird einfach eine Auswahl an Beiträgen angezeigt.
Eine Suche nach "Moby Dick" fördert die tollsten Resultate hervor:
  • Auf der Artikelseite häufen sich die englischen Kommentare von 1999 und früher. Interessant, wo es sich doch um eine eindeutig deutschsprachige Ausgabe handelt, die vor allem erst 2016 erschien. Damit die Bewertungen noch wertvoller erscheinen und die Glaubwürdigkeit steigt, hat Amazon die Funktion "Verifizierter Verkauf" eingeführt (wieviele Kunden das lateinische Wort überhaupt kennen mögen?). Glücklich der Kunde, der Zeitreisen entdeckt haben muß und die Ausgabe von 2016 schon Mitte 2015 gebraucht kaufen konnte. 
Quelle: http://www.amazon.de
  • Aber auch Buch.de schafft es, Bewertungen für genau die gleiche Ausgabe so zuzuordnen, daß man schon sehr genau lesen muß: Was denn nun? Keine Bewertungen, Bewertung für gebundene Ausgabe, Manga?
Quelle: http://www.buch.de

  • Schwierig wird es bei diesem Angebot: Es gibt ein Taschenbuch und eine gebundene Ausgabe. Eine Bewertung schreibt:
  • Quelle: http://www.amazon.de
    Das ist hilfreich, die Ausgabe will ich nicht. Nur welche mag das sein? Ich vermute mal, die gebundene.
  • "Blick ins Buch" und "Leseprobe" sind eigentlich auch ganz hilfreich. Amazon zeigt zwar regelmäßig andere Exemplare an, als man eigentlich angeklickt hat, weist aber immerhin (etwas unauffällig) darauf hin:
Quelle: http://www.amazon.de

Quelle: http://www.buch.de

All das ist nur eine kleine Auswahl. Aber es zeigt den Weg: hin zur Unbrauchbarkeit. So wie Gott erkannte, daß der Mensch ein Irrtum war, bleibt zu hoffen, daß irgendwann die neuen Götter auch erkennen, daß wir keine Werbung und Qualität wollen. Aber vielleicht liegt es auch am Menschen: er ist nicht perfekt. Wird Zeit, daß wir wieder jemanden aus dem Paradies verbannen - nur wen?

Samstag, 12. März 2016

Ich will die Mauer wieder haben

Es bleibt peinlich, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht. Millionen frieren, hungern, sind verängstigt, weil (demokratisch gewählte) Faschisten und nationale Volkshetzer in den deutschen und europäischen Reihen demagogische, bierseelige Stammtisch- und Latrinenparolen verbreiten, um sich zu profilieren und nach 70 Jahren denken, daß ihre bisher kaschierte nationalistische Fremdenfeindlichkeit und Volk-von-Gottes-Gnaden-Denke endlich wieder salonfähig ist.
Wen wundert's, daß die nationalistisch Verbohrten und die völkisch Verblödeten, eigentlich am dringendsten neues Blut in ihren Reihen bräuchten. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, wenn Länder, in denen solche Nazi-Politiker und Bürger leben, aussterben: "In den neuen Bundesländern sterben seit 1969 Jahr für Jahr mehr Leute, als geboren werden, in den alten Bundesländern ist das seit 1972 der Fall"[1]. Ich hoffe, das geht hier und im Osten schneller voran - dann ist endlich Lebensraum im Osten für Menschen, die es vielleicht würdigen.
Es ist ja auch nur der übliche Politiker-Irrsinn, daß man lieber einen Grenzzaun in jedem Land hochzieht, der Milliarden kostet, als daß man den Menschen für ein paar Millionen hilft.
Um den aktuellen Anne-Frank-Film frei zu zitieren: "Da, wo sieben Menschen satt werden, werden es auch acht." Oder:Da, wo 81,5 Millionen in Wohlstand leben, sollten es 92,9 Millionen (11,41 Millionen - das sind die gleichen 14 % wie im Hinterhaus) mehr auch können. Was sind angesichts dieser gigantischen Kapazität die real existierenden 1 Millionen Flüchtlinge?

Samstag, 6. Februar 2016

Unbezahlter Mitarbeiter bei Goolge werden

CAPTCHAs sind eine praktische Methode sicherzustellen, daß der Anwender ein Mensch ist und nicht irgendeine Software sich (automatisch) Zugang verschaffen will. Meistens handelt es sich dabei um irgendwelche sinnlosen Zeichen. Google dachte sich, daß man das Potential der zig-Tausend oder Millionen täglicher Abfragen auch sinnvoll nutzen kann. Ein Projekt von Google besteht darin, (alte) Bücher zu scannen und zu veröffentlichen. Damit die Texte durchsucht werden können, ist eine Schrifterkennung (OCR) notwendig. Diese scheitert sehr oft bei alten Vorlagen, weil die Schrifttypen sehr verschieden sind und die Vorlagen oft von schlechter Qualität oder verschmutzt sind. Menschen sind in der Lage, die Wörter trotzdem zu erkennen. In den Captchas wird deshalb ein unbekanntes Wort und ein bekanntest Wort angezeigt.

Der Benutzer gibt beide ein. Ist die Eingabe des bekannten Wortes korrekt, gilt der Benutzer über das Captcha als verifiziert und die Eingabe für das unbekannte Wort wird gespeichert. Das unbekannte Wort wird einer Vielzahl an Benutzern gezeigt. In der Datenbank entsteht so ein Sammlung von Eingaben. Das Wort, welches am häufigsten eingegeben wurde, dürfte mit relativ hoher Sicherheit das richtige sein. So können Tippfehler und andere Fehlerquellen minimiert werden. Durch die hohe Anzahl an Teilnehmern werden so relativ schnell viele Wörter erkannt und können voll automatisch in die Texterkennung übernommen werden.
Das ist eigentlich eine gute und sinnvolle Idee. Natürlich birgt die Nutzung von Google-Diensten wie immer die Gefahr, daß Google weitere Daten sammelt und Profile erstellt. Google kann jedes Captcha einer Anwendung zuordnen, da sich derjenige, der das Captcha anzeigen will, um den Nutzer zu überprüfen, für die Nutzung von reCaptcha bei Google eine Kennung besorgen muß.
Seit 2012 ging Google dazu über, auch gelegentlich Hausnummer anzuzeigen, die deren Streeview-Fahrzeuge aufgenommen haben. Das passierte aber nur gelegentlich und es war problemlos möglich, das jeweilige Captcha zu überspringen und wieder ein herkömmliches zu bekommen. Jetzt geht reCaptcha aber weiter und läßt massiv Straßenschilder bearbeiten. Es werden keine anderen Texte mehr präsentiert. Damit versucht Google seinen eigenen Streetview Dienst zu optimieren. Der Benutzer wird somit zum unbezahlten Mitarbeiter bei Google ohne daß die Allgemeinheit davon wirklich profitiert.

Montag, 21. Dezember 2015

Spendenkampagne nervt

Die Wikimedia Fördergesellschaft sammelt alljährlich Geld ein. Dazu wird bei jedem Besuch auf der Wikipedia-Webseite ein nerviges Banner eingeblendet.
Quelle: https://de.wikipedia.org/
Die Projekte sind werbefrei und finanzieren sich durch Spenden. Wobei ich mich schon frage, warum man immer wieder so viel Geld braucht und ob knapp acht Millionen Euro nicht ausreichen, daß man von den Zinsen "leben" kann. Ich will nicht spenden. Ich nutze die Wikipedia, wie wohl die meisten. Aber ich spende viel zeit, in dem ich Artikel erstelle, bearbeite und Bilder zur Verfügung stelle. Wer das nicht macht,sollte wirklich Geld spenden, denn sonst ist man ein Schmarotzer.

Wer Adblock Plus nutzt (und warum sollte man das nicht, auch wenn Bild dagegen wettert), kann sich schnell befreien, denn auch nach einer Geld-Spende wird man genervt, meldet man sich nicht an.

Einfach einen eigenen Filter erstellen: wikipedia.org##div#WMDE_Banner
ABP-Filter gegen Wikipedia Spendenkampagne 2015

Montag, 23. November 2015

Je suis Paris. Nous somme État Islamique

Die Terroranschläge am 13. November in Paris sind tragisch - das steht außer Frage. Sie reihen sich ein in eine Liste vieler anderer.

Kaum machten die ersten berichte ihr Runde, überschwemmte die sozialen Netze und Medien eine Welle der Solidaritätsbekundungen. Jeder fühlte sich berufen, ein "je suis Paris" oder #PeaceForParis zu twittern, Peacezeichen mit Eiffelturm weiterzuleiten, Bauwerke mit der Trikolore zu schmücken usw.

Aber vergessen wir da nicht etwas? Was ist mit den Toten, die im Namen Gottes hingerichtet wurden? Was mit den Menschen, die täglich in einem der zahllosen Kriege sterben? Wer denkt an die Menschen, die wegen Hunger, Krankheit usw. täglich sterben?
Für diese Menschen tragen wir Verantwortung. Wir haben diese Menschen abgeschlachtet, als wird der Welt unseren christlichen Glauben aufdrängen wollten, Wir führen die Kriege in den Ländern des Nahen Ostens oder in Afrika. Wenn wir sie nicht direkt führen, verdienen unsere Waffenschmieden daran. Wir leben im Überfluß und medizinischer Überversorgung von der wir mehr abgeben könnten.
Wenn in Ägypten mehr Menschen (224) als in Paris bei einem Flugzuganschlag sterben, sieht man nirgends russische oder ägyptische Flaggen oder hört Bekundungen wie "نحن شبه جزيرة سيناء". Als in der Türkei 102 Leute sterben und 500 verletzt wurden, wieviel Anteilnahme bekundeten wir da? Ernsthaft und global Anteil genommen haben wir vermutlich das letzte mal 2013 beim Boston Marathon oder bei 9/11.
Gibt es also Menschen, die mehr Wert sind? Mehr Wert, daß man um sie trauert, als um andere sinnlos gestorbene? Trifft einen das Schicksal des Nachbarn mehr, als das des Fremden? Dabei sollten uns Türkei und Ägypten doch kaum fremd sein. Wer hat nicht schon einmal in einem der Länder Urlaub gemacht oder macht es sogar regelmäßig? Reicht der Kulturaustausch, Land und Leute kennenlernen nur so weit, wie das billigste Pauschalreiseangebot uns bringt? Was ist mit dem Türken an der Ecke, bei dem wir unseren Döner kaufen? Verdient er keinen Zuspruch, wenn seine Landsleute massakriert werden?

Auch ich gehe nicht hin und kümmere mich. Ich bin wie die Masse: von den meisten Anschlägen, Attentaten und Tragödien bekomme ich nichts oder nur wenig mit. Man blendet aus. Um so verlogener empfinde ich diese nun aufflammende Solidarität, die kaum mehr als ein Alibi und mitschwimmen auf der Welle ist; medienwirksames und finanzielles Ausschlachten einer Tragödie. Mitgefühl, mit einem Staat der sich die Werte Liberté, Égalité, Fraternité auf die Fahnen geschrieben hat aber nur so weit praktiziert, wie es seinen Staatsdienern in den Kram paßt.
Was aber ist die erste oder zweite Reaktion dieses Staates, Deutschlands, der EU, der NATO, der Welt? Ein Gegenschlag. Gegen welchen Feind? Es ist der gleiche Gegner, den man nun schon seit Jahren erfolglos bekämpft. Man überzieht eine ganze Region mit Terror, um für die Freiheit zu kämpfen. Im brüderlichen Schulterschluß mit anderen freiheitsliebenden Staaten.

Der nächste Schritt ist der Ruf nach mehr Überwachung, mehr Kontrolle, mehr Rechte für staatliche Sicherheitskräfte. Dieses Paradigma wird spätestens seit 2001 in ewig gleicher Leier wiederholt. Wirklich gebracht hat es nichts. Es ist unmöglich, ein Land, eine Stadt oder ein einzelnes Haus gegen Terrorismus zu schützen, wenn der Angreifer nur willensstark genug ist. Wir können keine Sicherheit erzwingen. Anstatt so den Terrorismus zu bekämpfen, wird der Bürger zum Opfer und Ziel des Staates. Freiheit und Gleichheit wird geopfert, um mit Aktionismus ein irrationales Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und das dumme Wählervolk zu besänftigen. Vielleicht müssen wir einfach lernen, daß der Krieg, den wir die ganze Zeit in die Welt hinausgetragen haben, nun auch zu uns gekommen ist. Aber wird dürfen uns freuen: Im Nahen Osten, sterben jeden Tag deutlich mehr Menschen, als bei uns. Unsere behütete Welt ist weiterhin vergleichbar sicher und ungefährlich.

Die Frage ist auch: wer ist der eigentliche Feind? 130 Tote in Paris ist schrecklich. Wieviele Menschen starben wohl aufgrund von Terrorismus seit Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen weltweit? Sicher ein paar Tausend. Klar, es sind zu viele. Es wäre wünschenswert, wenn es diese nicht gäbe. Aber rechtfertigt diese Zahl nun, daß Grundrechte eingeschränkt werden, ein demokratisches Land einen dreimonatigen Ausnahmezustand ausruft, Ausgeh- und Versammlungsverbote verhängt werden? Ein anderes Land tagelang sich einigelt und das öffentliche Leben zum Erliegen kommt? Kaum eine kritische Stimme, keiner fragt nach der Verhältnismäßigkeit. Wieviel Elend in dieser Welt hätte man mit den dabei verbrannten Geldmitteln unmittelbar beseitigen können?

Wieviele Leute starben wohl letztes Jahr im Straßenverkehr? Wieviele an Alkohol- oder Zigarettenkonsum, Herzinfakt, Übergewicht? Wieviele Menschen wurden in den letzten Jahren einfach ermordet? Je nach Quelle und Jahr kommen so (vorsichtig gerechnet) um die 140.000 Tote pro Jahr alleine in Deutschland zusammen.
Sorry, aber von alleine diesen wenigen Todesursachen ausgehend, sind gerade einmal 0,09 % durch Terrorismus in Paris gestorben. Macht es einen Unterschied, wie man stirbt? Ob durch die Hand eines religiösen Fanatikers, eines x-beliebigen Mörders oder einer Multi-Milliarden-Euro Industrie, die an dem Verkauf von Autos, Zigaretten und Alkohol verdient? Mal abgesehen davon, daß der Staat, der den Terroristen bekämpft, einen Teil seines Staatshaushaltes mit Steuern (14,1 Milliarden Euro Tabaksteuer 2013) und Abgaben auf diese Tatwerkzeuge bestreitet. Es ist vollkommen legal, Menschen zu vergiften, es wird hingenommen, daß Menschen totgefahren werden. Das wird schnell als allgemeines Lebensrisiko abgetan. Oder Eigenverschulden. Kein mediales Aufschreien, kein weltweites regetwittere, über ein Unfallopfer oder einer weiteren Alkoholleiche. Kein Krieg den legalen Drogen, kein "Gegenschlag" Richtung Waffenlobby. Keine Rede von Verschärfung der Überwachung, Einschnitten in Grundrechte. Es ist also ungleich wahrscheinlicher, daß Sie aufgrund eines Unfalls, einer Schießerei mit legal gekauften Waffen in Privatbesitz oder ungesundem Lebenswandel sterben, als durch die Hand eines Terroristen. Vermutlich werden Sie auch eher vom Blitz beim Scheißen getroffen.

Abgesehen davon, was wäre eine Möglichkeit, wie man auf Terrorismus reagieren könnte und die nicht zu noch mehr Krieg führt? Vielleicht einfach denen helfen, die sich gegen Fanatiker stellen. Aber anstatt Flüchtlinge zu begrüßen, die Ihrerseits vor Terror, Gewalt und Armut fliehen, schreien wir Bürger und unsere Politiker unisono nach strengeren Kontrollen, schärferen Aufnahmeregeln, Abschiebung, Kontingenten. Menschen, die von den religiösen Fanatikern fliehen, könnten wir unsere Weltanschauung zeigen, Ihnen helfen zu verstehen, warum wir gegen Unterdrückung und Totalitarismus sind. Wie unser langer, steiniger, von Blut übersäter Weg zu Demokratie aussah - als wir in Namen unseres Glaubens oder anderer fanatischer Machtphantasien Menschen abgeschlachtet haben und Terror als das Mittel der Wahl ansahen. Wir dürfen Ihnen nicht unseren Glauben aufzwingen und sie bekehren wollen, aber wir können sie lehren. Das kostet viel weniger als Krieg führen und ist nachhaltiger.
Aber was machen wir stattdessen? Wir weisen sie ab und schicken Flüchtlinge zurück in ihre Heimat (unter anderem mit dem fadenscheinigen Argument, es könne sich ja ein Terrorist unter ihnen befinden und unentdeckt ins Land kommen. Klar, weil sie ja nicht gerade erst bewiesen haben, daß sie das gar nicht müssen). Wir treiben die Menschen also lieber direkt in die Arme der Demagogen, die Terroristen ausbilden und zu uns schicken. Somit unterstützen wir direkt den IS - wir sind der Islamische Staat. Anschließend bekämpfen wir den gesichtslosen Feind mit Hilflosigkeit mit mehr Aufwand, als es uns "gekostet" hätte die Flüchtlinge aufzunehmen, auszubilden und als Multiplikatoren für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit anzusehen. Wo würden die USA wohl heute stehen, ohne die Millionen von Wirtschaftsflüchtigen, die sich unter die Handvoll politisch-religiösen Emigranten mischten und das Land der tapferen voranbrachten?

Mittwoch, 11. November 2015

Warum sehe ich BLÖD.de nicht?

Im Web tobt ein neuer Kampf: Schwarz gegen Weiß. Werbeindustrie gegen Werbeverweigerer/Freibier vs. Kommerz.

Quelle: http://www.bild.de/wa/ll/bild-de/unangemeldet-42925516.bild.html
Auf der einen Seite stehen Anbieter, die sich ihren Webauftritt vergolden wollen, in dem sie Werbung präsentieren. Die Form der Werbung hat sich in den letzten Jahren immer stärker verändert und wurde zunehmend aggressiver.

Quelle: http://www.geo.de/

Anstatt eines statischen Bildes oder eines Textes (so, wie es bis vor kurzem Google noch vorgelebt hat), werden heutzutage meist viele Werbeflächen verkauft, die alle medialen Tricks nutzen. Dazu gehören animierte (Flash-) Videos, Layer, die sich in den Vordergrund schieben, Audio usw.

Auch Google überspannt den Bogen zunehmend (zumindest bei der Anzahl).
Immerhin sind es statische Elemente.
Quelle: https://www.google.de/#q=winterreifen

Zum einen stört das geblinke und getöne natürlich beim Studium der eigentlichen Seite, denn keiner geht auf so eine Webseite, um die Werbung zu sehen. Auch wenn einige Anbieter, den Besucher für dumm verkaufen wollen und 100% Werbung zeigen und das eigentliche Angebot nur am Rande erreichbar machen.

Quelle: http://www.gmx.net/


Die Werbung an sich könnte man ja vielleicht noch als Übel hinnehmen. Um Werbung aber effektiv verkaufen zu können und möglichst viel Nutzen (aus Sicht der Werbeindustrie) daraus zu ziehen, werden alle möglichen Techniken genutzt, um den Besucher (wieder-) zu erkennen. Das nennt sich Tracking.

25 gefundene Tracker auf einer einzelnen Webseite.
Diese Tracker stellen einen eklatanten und Eingriff in die Privatsphäre und den Datenschutz dar, den kein Mensch hinnehmen sollte oder muß. Selbst wenn man in seinem Browser nichts gegen die Werbung an sich unternimmt und nur gegen die Tracker vorgeht, in dem man sie mit einem Add-On wie Ghostery deaktiviert, wird man teilweise von den Webseiten ausgeschlossen und sieht dann den Adblocker-Hinweis (zum Beispiel bei Bild.de). Es geht also nicht nur darum, Werbung anzuzeigen, sondern auch, daß Nutzerverhalten zu protokollieren und zu analysieren. Denn dadurch können die Werbeeinnahmen maximiert werden.
Werbung in Printmedien und auf Plakaten ist statisch und anonym. In einer Zeitschrift wimmelt es von Anzeigen. Aber ich werde beim Lesen der Zeitschrift nicht belästigt und vor allem nicht (heimlich) beobachtet. Es werden keine Daten über mich irgendwo bei einem Anbieter (oder auf meinem PC) auf unbestimmte Zeit gespeichert und verkauft. Das ist ein wichtiger Unterschied, warum Werbung in einer Zeitschrift akzeptiert wird (obwohl man sogar für die Zeitschrift i. d. R. schon Geld bezahlt hat), während man sich dagegen im Web wehrt.

Ein weiteres Problem der multimedialen Werbung im Internet ist, daß sie sehr oft von Schadsoftware begleitet wird. Fehler in der Software, die für die Anzeige der Werbung erforderlich ist (z. B. Flash), strotzt vor Fehlern (weshalb es fast wöchentlich ein Update gibt). Der Werbeanbieter übernimmt aber keine Verantwortung dafür, wenn durch Mißbrauch seiner Werbung mir ein Virus oder ähnliches untergeschoben wird. Das ich mich gegen Techniken schütze, die mich persönlich gefährden, sollte wohl selbstverständlich sein und ist mein gutes Recht.

Die Anbieter von Webseiten mit Werbung halten natürlich dagegen und das meistens mit den gleichen Argumenten:
  • Der Inhalt der Webseite ("content") sei schließlich kostenlos zu nutzen, koste aber bei der Produktion Geld (Personal, Technik usw.)
  • Werbung sei die das bei Weitem am besten funktionierende universelle Geschäftsmodell im Internet.
Wenn ich den content nur noch zu sehen bekomme, in dem ich mit Werbung zugemüllt werde und persönliche Daten gesammelt und verkauft werden, ich Sicherheitsrisiken eingehen muß, dann ist der Inhalt nicht wirklich kostenlos, sondern es wird ein Preis verlangt, den ich nicht bereit bin, zu zahlen. Im Grunde ist das eine Gratis-Mentalität des Anbieters: Ich stelle meine Daten, meine Zeit, mein Leben gratis für seinen Profit zur Verfügung.
Das Internet wurde nicht für Geschäftsmodelle geschaffen, sondern für den freien Austausch von Informationen. Wer Geld verdienen will, sollte sich ein Betätigungsfeld suchen, bei dem er ein Produkt anbietet, für das andere auch (gerne) bereit sind, zu zahlen. Eine Möglichkeit sind Bezahlschranken. Das Problem mit denen ist, daß die meisten Anwender nicht bereit sind, für kostenlosen Inhalt zu bezahlen. Das Phänomen Internet sorgt nämlich dafür, daß (fast) alles, wofür man an einer Stelle bezahlen soll, an anderer für umsonst zu haben ist. Wer also für seinen content Geld verlangt, braucht wirklich einmaligen (guten) Inhalt. Ansonsten bleiben die Besucher der Seite einfach fern. Zumal oft genug auch nach einer solchen Schranke lästige Werbung angezeigt und Tracking eingesetzt wird.

Auch im Fernsehen begegnet uns Werbung. Bei den öffentlich-rechtlichen sogar, obwohl jeder Bürger schon dazu gezwungen wird, GEZ-Gebühren zu bezahlen. Bei den privaten Sendern ist es verständlich. Aber auch da kann ich bei einem Werbeblock wegzappen ohne, daß ich deshalb am sehen des restlichen Programms gehindert werden. Ein Grund, warum die Werbung innerhalb einer Sendung immer bizarre und penetrante Formen annimmt. Aber auch hier: mein Seh-verhalten ist anonym. Daran kann sich die Web-Werbung orientieren: Sie sollte nicht versuchen, daß monetäre Maximum auf Kosten der Besucher abzuschöpfen. Sie sollte sich mit dem Zufrieden geben, was ein Besucher bereit ist zu geben. Statische, unaufdringliche Werbung in angemessener Größe und ohne Tracking ist durchaus akzeptabel. Auch hier wird es Anwender geben, die diese unterdrücken. Aber dann ist das hinzunehmen, so wie das wegzappen im TV, denn es gibt genügend andere Anwender, die sich berieseln lassen.

Dienstag, 15. September 2015

Unsere Politiker: feiges, verlogenes Dreckspack

Dieser Sommer ist geprägt vom Flüchtlingsdrama. Warum die Leute fliehen, woher Sie kommen, was Sie (hier) wollen... All das ist vollkommen Scheißegal.

Es sind Menschen, die Hilfe benötigen!

Geht es um Pleitestaaten, Bankenkrisen, Pfründe, Steuerschlupflöcher usw, dann sind die Volksvertreter schnell bei der Sache und können sich einigen - EU-weit. Geht es um Menschenrechte, das Grundgesetz, Humanität, christliche Nächstenliebe, dann sind alle Parteien (selbst die, die sich sogar im Namen damit verlogenerweise schmücken) auf einmal unfähig.
Wir sind eins der reichsten Länder. Wir haben genug Platz. Massenweise stehen Kasernen und ähnliche Einrichtungen leer. Diese gehören dem Staat, bieten alles, was man für eine menschenwürdige Unterkunft benötigt und sind gut gesichert. Wir haben genug zu essen und zu trinken. Wir könnten jedem Menschen, der es bis nach Europa schafft, die Hand reichen und ihn ihn den Arm nehmen, ihm ein Dach über dem Kopf, ein Bett und Nahrung bieten. Frieden schenken.

Aber nein, da wird um Quoten gestritten, Grenzen werden dicht gemacht, Flüchtlinge kriminalisiert, schikaniert, diskriminiert, palavert, vertagt. All das, weil man sich um ein paar Euro streitet. Euros, die gerne für o. g. Zwecke, Kriege, Militär, schwachsinnige Subventionen usw. zum Fenster herausgeschmissen werden. Und trotz Massenüberwachung durch NSA, BND etc. und Frontex sind alle überrascht davon, daß auf einmal Hunderttausend Menschen nach Europa drängen - als wären sie überraschend vom Himmel gefallen und nicht schon seit Wochen unterwegs. Man stelle sich nur vor, wie leicht man in den Massen Terroristen verstecken kann - würde man es denn wollen, aber so ist eigentlich die Denkweise der Schlapphüte. Wieso dringt man dann in die Privatsphäre der eigenen Staatsbürger ein und mißachtet Grundrechte, wenn man nicht einmal in der Lage ist einen Exodus auf diesem Globus zu entdecken?

Es ist peinlich, ein Deutscher zu sein.

Nehmt endlich die Leute auf, kümmert Euch um sie und dann, wenn Ruhe in die Situation eingekehrt ist, kann man immer noch darüber nachdenken, wo man die Mitmenschen hin abschiebt, wieder los wird, seine rassistischen Triebe befriedigt oder sie doch als Chance ansieht und sein Image in der Welt gehörig aufpoliert.


 
Charlie Chaplin: Der große Diktator, Epilog

Schultz:
   Jetzt müssen Sie sprechen.
Friseur:
   Ich kann nicht.
Schultz:
   Sie müssen! Das ist unsere einzige Hoffnung.
Friseur:
   Hoffnung?…
   Es tut mir leid aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen, noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Haß und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen.
   Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert. Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht. Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen, von Mensch zu Mensch. Die erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden. Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören. Millionen verzweifelter Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Unschuldige zu quälen, und in Ketten zu legen. Allen denen die mich jetzt hören rufe ich zu: „Ihr dürft nicht verzagen!“ Auch das bittere Leid das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein. Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Haß. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß.
   Soldaten vertraut euch nicht Barbaren an, Unmenschen die euch verachten, und denen euer Leben nichts wert ist. Ihr seid für sie nur Sklaven. Ihr habt das zu tun, das zu glauben, das zu fühlen. Ihr werdet gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt, und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verehrten Subjekte. Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen, und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter, ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen! Bewahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und haßt nicht. Nur wer nicht geliebt wird haßt - nur wer nicht geliebt wird. Soldaten kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit.
   Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder in einer Gruppe von Menschen. Vergeßt nie, Gott liegt in euch allen, und ihr als Volk habt allein die Macht. Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen.
   Daher im Namen der Demokratie: Laßt und diese Macht nutzen! Laßt uns zusammen stehen! Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie euch versprachen, diese Verbrecher. Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben. Laßt uns diese Ketten sprengen! Laßt uns kämpfen für eine bessere Welt! Laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt, das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Nieder mit der Unterdrückung, dem Haß und der Intoleranz! Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit. In der die Vernunft siegt, in der Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereicht. Kameraden, im Namen der Demokratie: dafür laßt uns streiten!

Mittwoch, 15. Juli 2015

Das ist ja dämlich

Zwei aktuelle Werbespots treiben mich mal wieder an die Tasten.

Fangen wir mit den geldgeilen Leuten an, die noch immer nicht kapiert haben, daß nur wenige Leute mit Aktienhandel Geld verdienen. Der Dienstleister Ayondo wirbt jetzt damit, daß man in sein eigenes Portfolio nur die Top-Trader "reinzuziehen" braucht, und schon folgt man den "Experten". Dann werden deren Transaktionen automatisch die eigenen:
Das heißt, wenn Sie Gewinne machen, mache ich auch Gewinne?
Stimmt genau!
Ja, genau. Aber was der smarte Typ natürlich nicht sagt:
Das heißt, wenn Sie Verluste machen, mache ich auch Verluste?
Stimmt genauso!
Das ist ja genial! Au man, wie verblödet muß man eigentlich sein?

Der andere Spot wirbt mal wieder mit der tollen innovativen Leistung ... einer Werbeabteilung. Aufhänger und Kern der Werbeaussage ich natürlich, wie umweltfreundlich das neue Produkt doch ist. Die neuen Energizer EcoAdvanced kommen aus einer Alt-mach-neu-Kiste. Die neuen Batterien enthalten doch tatsächlich 3,8 bis 4% Alt-Batterien.
Ich kann es erst gar nicht glauben und suche nach einem Denkfehler bei mir. Aber es scheint wirklich so zu sein: Die werben damit, daß sie lächerlich wenig Recyclingmaterial verwenden. Laut Webseite lag der Anteil bisher bei 0%. Es geht nicht darum, daß die alten Batterien wieder aufgefrischt und neu etikettiert werden oder so. Nein, sie nehmen 4% des Schrott, der nach der Batteriesammlung, Sortierung und Trennung entsteht und machen daraus eine neue Batterie. Ja bitte, wozu schleppe ich da eigentlich meine Altbatterie zur Sammelbox, wenn aus dem Material nichts sinnvolles gemacht wird? Allein der Wasseranteil in einer Altbatterie ist ja größer. Nimmt man nur das Eisen, dann läge die Quote schon bei 19%. Ist doch traurig: die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien brüstet sich mit tollen Statistiken und dann wird aus einer Altbatterie keine neue. Sobald aber ein Hersteller von der Recyclingfirma eine marginale Menge Altteile aufkauft (und das vermutlich dann einfach in Form von Eisen einschmilzt oder das Elektrolyt auffrischt), macht sie damit Werbung und alle denken, daß sie nun etwas gutes für die Umwelt tun. Da wird die Stiftung aber viel zu kommunizieren haben, wenn sie jetzt den Leuten klar machen will, daß auch aus den bisher gesammelten Batterien (und weiterhin auch aus den Billigteilen) zu 90% wieder Rohstoffe gewonnen werden, die zwar nicht in Batterien landen aber dafür in anderen Dingen, für die ebenfalls keine Rohstoffe neu abgebaut werden mußten.

Sonntag, 14. Juni 2015

Bilden wir erst einmal einen Arbeitskreis

Früher kämpften Frauen um ihr Wahlrecht bei der Regierungswahl. Heute gehen die Kinder und Enkel dieser Frauen nicht mehr zur Bundestags-, Lankreis-, Bürgermeisterwahl usw. Auch die Männer, die vor nicht einmal einem Jahrhundert noch ihre Pfründe verteidigten, verweigern die Stimmabgabe.
Und wie reagiert eine Regierung, die offenbar jede Bodenhaftung und den Kontakt zum gemeinen Wahlvolk verloren hat? Sie fragt sich, warum das so ist und gründet eine Arbeitsgruppe, die klären soll, wieso die Wahlbeteiligung so gering ist (eine der Verlautbarungen geht in dir Richtung, daß das Wahlsystem zu kompliziert sei). So werden erst einmal Steuergelder (vermutlich im oberen sechsstelligen Bereich) verpulvert, obskure Ideen entwickelt und anschließend noch mehr Steuergelder vergeudet, um die "Ideen" umzusetzen. Soll ich mal raten? Briefwahl, Internetwahl, elektronische Wahlurnen, mehr Infomaterial, mehr "ich geh' wählen - du auch!"-Imagekampagnen, Wahlpflicht.

Liebe Politiker,
ich versuche es mal, euch so einfach wie möglich zu erklären, warum das Fußvolk nicht mehr wählen geht:
Der kleine Hase Paule hat Lust auf eine Pizza. An seinem Kühlschrank hängen verschiedene Flyer von Lieferdiensten, die alle "die beste Pizza", frische und super Preise versprechen. Auch in der Stadt sieht er immer wieder Werbung für tolle Pizzalieferdienste. Er hat nun die Qual der Wahl. Er hat sich schon mit Freunden und seiner Familie beratschlagt, welcher Lieferdienst denn der ist, der am ehesten alle Wünsche erfüllt. Hitzige Debatten in verqualmten Kneipen führten zu einem Entschluß und so greift er zum Telefon, wählt den auserkorenen Anbieter und bestellt eine Pizza Hawaii.
Natürlich muß er ein wenig warten aber dann kommt der Bote und bringt eine Pizza. In der Wartezeit hat er sich schon darauf gefreut, eine gute Wahl getroffen zu haben und erhofft sich nicht nur ein sättigendes Gefühl im Magen, sondern auch eine Gaumenfreude und damit einhergehende Verbesserung seines Lebens. Aber es ist keine Hawaii, sondern eine Margherita. Die hat er nicht gewählt aber bevor er hungert, schluckt er seinen Frust herunter und begnügt sich mit dem "Spatz in der Hand".

Tage später ist es wieder einmal so weit. Wieder gelüstet es ihm nach einer Lieferpizza. Er kann sich nun überlegen, ob er dem bisherigen Lieferdienst eine zweite Chance gibt oder ob er einen anderen Anbieter ausprobiert, in der Hoffnung, daß dieser seine Bedürfnisse ernst nimmt und liefert, was er verspricht. Paule entschließt sich für den gleichen Anbieter, bestellt wieder eine Hawaii. Der Lieferdienst verspricht wieder das blaue vom Himmel, daß es ihm leid tut, das er jetzt auf jeden Fall das versprochene liefert und das jeder Kunde ihm wichtig ist. Es kommt, wie es kommen muß: Wenig später scheinen alle Versprechen vergessen und es wird wieder eine Margherita geliefert.

Paule fühlt sich verschaukelt. Wieso hält der Lieferdienst nicht, was er verspricht? Also denkt er sich, daß er den Anbieter wechseln wird. Es gibt ja genügend Alternativen. Also bestellt er diesmal bei einem anderen Lieferanten seine begehrte Hawaii. Aber auch dieser Lieferdienst scheint seine vollmundigen Versprechen schon kurz nach Erhalt des Auftrages vergessen zu haben. Paule muß wieder an einer Margherita knabbern.

Nun ist Paule frustriert. Er denkt sich, daß die Pizzalieferdienste es anscheinend einfach nicht nötig haben, sich an ihre Werbeflyer und Versprechen zu halten. Hauptsache, sie haben einen Auftrag erhalten und das Geld eingestrichen. Also wird er diesmal aus Protest keine Pizza bestellen. Er entscheidet sich für Sushi. Er versteht zwar nicht alles, was der Sushilieferdienst da auf seinem Werbeflyer verspricht und so ganz mag er den Fisch auch nicht, aber wenn die etablierten Dienste nicht das machen, was sie versprechen, dann vielleicht die kleinen Anbieter. Nach der üblichen Wartezeit kommt wieder das böse Erwachen: Er bekommt wieder eine Pizza Margherita geliefert - dabei wollte er doch nicht einmal Pizza, egal welche, er wollte was Neues.

Paule ist lernfähig: es ist anscheinend völlig egal, was er wählt, er bekommt doch immer den gleichen Einheitsbrei. Kein Lieferdienst hat ein eigenes Profil und hält sich an seine vollmundigen Versprechen. Es ist völlig egal, was Paule wählt, er bekommt das, was ihm der Lieferdienst liefern will, daß was die meisten schlucken werden, auch wenn sie es eigentlich nicht wollten.

Paule zieht aus dem gelernten eine logische Konsequenz: er wählt nicht mehr einen Lieferdienst aus, sondern wirft die Flyer mit den (Aus-) Wahlversprechen weg, ignoriert die Werbung im Fernsehen und in der Stadt und holt sich eine Tiefkühlpizza Hawaii.

Später stellen die Lieferdienste fest, daß die Kunden ausbleiben. Immer weniger Leute wählen ihre Nummer und sie fragen sich, wieso das so ist. Also starten sie eine Umfrage, was der Grund dafür ist, machen noch auffälligere Werbung, versprechen jedem Kunden eine Freipizza, gehen sogar in Schulen und machen dort Werbung, bieten Online-Bestellungen, Bestell-Apps, einfachere Bestellabläufe usw. Das kostet die Lieferdienste viel Geld. Aber Paule fragt keiner. Der hat zwar mitbekommen, daß die Lieferdienste klagen aber es ist ihm inzwischen egal geworden. Er denkt sich nur, daß die Anbieter nur wieder so tun, als ob es sie interessieren würde, was die Kunden wollen. Fallen genügend wieder darauf herein, wird alles wieder so wie früher: Margherita-Einheitsbrei. Paule hat jetzt einen großen Vorrat TK Pizza Hawaii und erhofft sich keine Verbesserung seines Wohlbefindens seitens der Lieferdienste. In der Presse hat Paule auch gelesen, daß es eine Lieferdienstlobby gibt. Diese unternimmt alles, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen und die Lieferdienste vor Ort sind kaum mehr als willfähige Erfüllungsgehilfen. Ein weiterer Grund, warum der Pizza- Sushi-, Döner-, Chinalieferdienst & Co. immer mehr an Vertrauen verspielt hat.