Es ist halb sechs Uhr morgens. Enervierendes gekläffe, gejaule und gebelle dringt durch den Halbschlaf an mein Ohr. Dabei sind die Fenster geschlossen. Es ist leider kein Einzelfall in dieser Gegend. Andauern bellt irgendwo eine Töle. Beim Joggen oder Autoparken, bellt es einem aus dem Gebüsch entgegen, so daß man jedesmal kurz vor dem Herzinfarkt steht. Tagsüber dann halbstundenlang ohne Pause. Auf jedem Spielplatz werden Kinder und die Ruhezeiten reglementiert aber gegen den Hundelärm unternimmt keiner was.
Also rufe ich kurz nach 8 Uhr mal beim Ordnungsamt an. Die sollten doch dafür zuständig sein. Nach kurzer Schilderung dann ein kurzes Rechnen beim Gegenüber: Ja so gegen Dienstag können wir uns die Sache mal ansehen. Wie bitte? Heute ist Donnerstag. Warum denn erst in vier Tagen? Na das geht nach Priorität und die Fälle müssen in der Reihenfolge abgearbeitet werden. Ich hätte nicht gedacht, daß ich in einer solchen Metropole wohne, wo die mindestens 12 Mitarbeiter des Amtes (lt. Webseite) so mit Arbeit überhäuft sind. Aber es ist sicherlich einfacher, Falschparker aufzuschreiben ("Überwachung ruhender Verkehr" wie sich das dann so schön als Aufgabenbeschreibung für die Mitarbeiter nennt). Immerhin bringt das direkt Geld in die Kasse und ist rechtlich einfach zu begründen, denn wer falsch parkt, ist selber Schuld und handelt gegen das Gesetz. Einfache Logik.
Donnerstag, 25. April 2013
Samstag, 20. April 2013
Junges Holozän
Heute findet irgendwo in meinem "Dorf" ('tschuldigung lieber Ureinwohner: Stadt, aber es gelingt euch leider immer wieder, diesen Status zu widerlegen) und Umgebung eine Motorrallye statt. Ganz klangvoll, wenig phantasievoll und inflationär muß der Lokalpatriot, der sich seinerzeit allerdings aus Ermangelung des Automobils zu Fuß aufmachte, die Gegend zu erkunden, auch hier mal wieder als Namensgeber herhalten.
Mehr durch Zufall habe ich vor einigen Wochen von diesem Ereignis erfahren. Nicht etwa durch die Werbung des Veranstalter, sondern durch die negativen Schlagzeilen in der Presse, als es darum ging, daß die freiwilligen Feuerwehren sich nicht kostenlos für eine kommerzielle Veranstaltung vor den "Karren" spannen lassen wollen.
Nun gut, es ist Wochenende, die Sonne scheint und ich will mir Benzingeruch um die Nase wehen lassen. Stellt sich also die Frage, wann und wo ich die beste Aussicht auf das Renngeschehen habe. Also mal schnell die Veranstaltungskalender der regionalen Zeitungen konsultiert. Nichts. Gar nichts. Gutes Marketing. Also per Google den Veranstalter und dessen Homepage gefunden. Zuschauerinfos... "Alle Informationen zu den Zuschauerpunkten erhalten sie im Programmheft, das im Rallyezentrum Sportcenter [...] und an den Wertungsprüfungen ausliegt".
Klar, wir leben im Informationszeitalter. Da setze ich mich erst ins Auto, fahre durch das Dorf (Sorry: die Stadt) und hole mir so einen Flyer. Und das in einem Kuhkaff, in dem die Einwohner schon eine Wohnsiedlung, die knapp 1 Kilometer vom unmittelbaren Stadtzentrum entfernt aber weit innerhalb der Stadtgrenzen liegt, als weit entfernt, Randgebiet oder gar Außerhalb bezeichnen und bei einer 10 minütigen Fahrt von einem Ende der Stadt zum anderen über den weiten Weg stöhnen. Als (Ex-) Berliner habe ich da vielleicht eine andere Vorstellung von Entfernungen und zumutbaren Wegen im Alltag. Wieso wird diese Info nicht auf der Webseite des Veranstalters veröffentlicht? Ein PDF ist eine feine Sache. Oder soll ich gezwungen werden zum Sportcenter zu fahren, um so den Sponsor kennenzulernen (als ob irgendeiner im Umkreis von 10 Kilometern das Ding nicht kennen würde). Oder will der Veranstalter am Ende gar keine Zuschauer?
Es wäre ja auch nicht so frustrierend, wenn es sich um einen Einzelfall handeln würde. Aber irgendwie kommen die Organisatoren von Veranstaltungen hier alle aus dem Mustopf. Egal, um was es sich handelt: Keine Infos in der Presse, keine Infos am Straßenrand, keine Öffentlichkeitsarbeit, keine Infos im Internet. Die einzigen, die es richtig machen, sind die Discos: Massenhaft bunte Plakate an Laternen. Wenn die Stadt zum Maifest einlädt, hängt sie auch solche A2-großen Plakate auf. Von Profidesigner für teures Geld entworfen. So mit uninteressanten und nebensächlichen Informationen überfrachtet, daß ich im vorbeifahren die wesentlichen Fakten nicht einmal erkennen kann. Wenn die Dinger nur von Fußgängern entziffert werden können, dann braucht man sie auch nicht zur Straße gedreht aufzuhängen.
Heute findet auch das Bullenderby statt. Ein lustiges Seifenkistenrennen. Wir haben zwar keine Berge in der Mark, aber es geht schon. Eigentlich eine schöne Veranstaltung. Besucher, die nicht auch zu den Teilnehmern gehören, gibt es nur wenige. Warum wohl? Genau: Ich weiß nämlich weder wo, noch wann es stattfindet. In der Presse stand etwas. Aber nicht jeder liest die Zeitung (online). Der Veranstalter selbst hat eine Webseite. Google findet auch etwas. Im Google cache sieht das so aus:
Beim Veranstalter auf dessen Homepage sehe ich dann dies:
Auf der Homepage des anderen Mitveranstalters, kennt man das Ereignis erst gar nicht. Auch wenn man sich laut einem Flyer, der beim Deutschen Roten Kreuz (warum auch immer der dort angeboten wird) von Google gefunden wird, bei denen anmelden soll, möchte man aktiv mitmachen. Sehr informativ alles. Ich werde sicher mal vorbeischauen oder gar teilnehmen.
Ich frage mich, wieviele eigentlich sehenswerte Veranstaltungen an diesem Wochenende noch stattfinden, von denen ich gar nichts weiß und von denen ich dann vielleicht am Montag retrospektiv etwas lesen kann. Viel kann es nicht sein. Immerhin meldet die Webseite der Stadtverwaltung und die des Tourismusbüros der Region bei einer Veranstaltungabfrage, daß keinerlei Veranstaltungen für dieses Wochenende gefunden wurden (mal abgesehen von Dauerausstellungen). Gut, daß diese Information durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde. Das die Veranstaltungen zu klein sind, unbedeutend oder nicht von öffentlichem Interesse oder nicht durch Stadt und Land gefördert, dürfte nicht der Grund für die Leere des Kalenders sein. Auch das von der Stadt mitveranstaltete (bereits erwähnte) Maifest kennt der gleiche (von der Stadtverwaltung betriebene) Kalender nicht:
Gut, daß es wenigstens eine Pressemitteilung und eine Einladung gibt:
Wieviele Gäste und Touristen diesen Text wohl finden werden? Aber vielleicht will man ja auch gar nicht mehr Besucher begrüßen, als ohnehin kommen. Immerhin hat man gerade erst den Eintritt aus irgendwelchen Gründen erhöht. Man stelle sich nur vor, man würde den Eintritt senken, Werbung machen und auf Grund der stark steigenden Gästezahlen unterm Strich doch mehr Umsatz machen. Wäre doch für eine Behörde/ein aus öffentlichen Mitteln finanziertes Marketingunternehmen/eine Verwaltung ein völlig neues Konzept, mit dem vergreiste und in ihren Handlungen festgefahrene Betonköpfe nicht zurechtkommen können. Ach ja: Der Marketingfirma (dürfte wohl die stadteigene sein, wie sonst könnte man immer wieder ein so schlechtes Marketing betreiben und doch fest im Sattel sitzen?) würde ich gleich die Leviten lesen: Wie kann man in einem PDF den ganzen Text als Grafik einbinden? Das ist nicht nur unleserlich, es läßt sich auch nicht skalieren und kostet unnötig Speicherplatz. Weiterhin ist es nicht barrierefrei, was grob unhöflich und diskriminierend ist und auch nicht für die Traditionen einer Stadt spricht, die sich doch so gerne mit den Federn verstorbener Schriftsteller schmückt. Fontane hätte bestimmt keine Bilder von seinen Texten veröffentlicht, gäbe es damals schon diese Techniken. So gewinnt man weder einen Blumentopf noch spricht man seine Gäste positiv an.
"Alle" reden von Facebook, Twitter, SMS und Informationsüberangebot. Kaum ein Schritt, den die junge und mittlere Altersgruppe ohne ihr Handy und eine Kurznachricht an alle Freunde macht. Lauter belangloses Zeug. Aber interessante Fakten kommen gar nicht erst ins Netz.
Vor einigen Tagen stand in der Zeitung was über eine Seniorengruppe, die in an einem Computerkurs teilnimmt. Das interessierte mich. Natürlich gab es keine Webadresse zum Veranstalter aber GidF und schon war ich beim Internettreff Matrixx:
Wow, was für eine grottenschlechte Seite für ein Internet-Netzwerktreff. Ich wüßte ja auch gerne, wo sie denn geöffnet haben, wenn ich nicht gleich von der Seite abgeschreckt wäre. OK, ich bin fit im Internet (mich müssen und werden die wohl nicht als Kunden gewinnen). Also einfach mal die URI einkürzen und manuell zur Startseite kommen. Aber auch da finde ich außer belanglosen Marketingsprüchen keine Infos. Der Seniorenclub ist angeblich nicht einmal in meiner Stadt. Gut, daß Google Seiten findet, die der Betreiber nicht einmal selber zu kennen scheint (zumindest kommt man von dessen Webseiten nicht per Link dort hin). Aber mehr als wieder einen inhaltsleeren Text finde ich so auch nicht. Erstaunlich, wie die sechs Senioren, die sich laut Zeitungsbericht dort treffen, davon erfahren haben - Buschtrommeln?
Ein Blick auf die Webpräsenz der Freiwilligen Feuerwehr zeigt, daß deren aktuellste Meldung über ein Jahr alt ist. "Bilder folgen in den nächsten Tagen". Fragt sich, in welchen zeitlichen Dimension die so denken. Erdzeitgeschichtlich betrachtet, sind wir ja auch erst ein paar Sekunden existent. Was ist da schon ein Jahr? Hoffen wir, daß sie sich nicht ganz so viel Zeit lassen, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. Freiwillige Helfer suchen sie wohl keine - scheint genügend zu geben. Auch das THW vor Ort bemüht sich nicht überschwänglich um Nachwuchs:
Man bleibt wohl lieber unter sich oder existiert vielleicht auch gar nicht mehr, denn immerhin ist die letzte Ausbildung laut Terminseite auch schon mehr als ein Jahr her.
Die Gewerbetreibenden der Region nutzen auch jede Gelegenheit, mich als Kunde zu verlieren. Beispiele?
Ist das ein regionales Marketingproblem? Ossi-Mentalität (nach dem Motto Werbung ist nicht notwendig, es gibt eh nichts zu kaufen und das was es gibt, kennen alle)? Oder einfach kein Interesse? Dabei kostet Werbung und Öffentlichkeitsarbeit vor allem im Internet kein oder nur wenig Geld und erreicht ein breites Publikum. Aber natürlich nur, wenn die Seiten gepflegt werden, aktuell sind und ansprechend seriös gestaltet sind. Ansonsten darf ich mich natürlich auch nicht wundern, wenn der Besucherzähler sich nicht dreht, weil kein Mensch mehr als zweimal sich zu einem verirrt, findet er doch sowieso keine Neuigkeiten.
Mal ein paar Hinweise:
Nachtrag:
Zufällig kam ich dann doch beim Sportcenter vorbei. Flyer fand ich nicht so schnell. Also einen der Organisatoren angesprochen. Der teilte mir mit, daß aus dem Programm so ein Geheimnis gemacht wird, weil sonst die Teilnehmer zu viel trainieren würden. Klar, wenn ich erfahre, wo ich als Zuschauer wann stehen sollte, kennen die Fahrer gleich die ganze Strecke. Und wann sie losfahren sollen, erfahren sie sicher auch erst kurz zuvor. Aber im Rennbüro, da würde ich die Infos bekommen. Das Büro ist drinne, hinten durch, dann rechts, durch den langen Gang, links, rechts, am Ende. Eins-fünfzig soll ich dann noch dafür bezahlen. Und tschüß! Meine Tochter drückt derweil meine Hand ganz doll. Als Zeichen dafür, daß ich ihr peinlich bin, wenn ich gleich ausfallend werden sollte und ich mich zusammenreißen möge. Wieso soll ich dafür bezahlen, daß ich erfahre, wo ich als Zuschauer einen guten Platz habe? Finanziert das den Sport? Wahrscheinlich handelt es sich bei einer Motorrennveranstaltung um ein soziales Projekt finanziell schwachgestellter Mitbürger. Ich frage mich, ob ich als Sponsor nicht vielleicht etwas enttäuscht bin, wenn am Streckenrand zwar meine Plakatwerbung steht, aber kein Zuschauer mangels Anwesenheit sie sieht. Oder wieviel Umsatz man mit Bratwurst und Bier bei dem schönen Wetter machen könnte - vorausgesetzt es ist jemand da, der den Weg zum Zuschauerpunkt gefunden hat.
Nachtrag II (24.4.13):
Die Stadtverordneten stimmten darüber ab, ob sie die Bürger nicht über Neuigkeiten und Veranstaltungstermine per Twitter informieren wollen. Gute Idee: Ich werde mich anmelden. Da kann ich sicher sein, nie eine Nachricht zu bekommen.
Nachtrag III (30.10.13):
In wenigen Tagen findet mal wieder der Martinimarkt statt. Als Neuruppiner kommt man nicht umhin, davon Kenntnis zu erlangen. An der Werbung kann es aber nicht liegen. Nirgends in der Stadt sind Plakate zu sehen, kein Terminkalender kennt das Fest und nennt Details wie zum Beispiel Eröffnungsveranstaltung, Öffnungszeiten, Parkplatzmöglichkeiten (gerade beim herrschenden Baustellenchaos sinnvoll). Und obwohl der Markt angeblich eine überregionale Bedeutung hat ("von Berlin bis Ostsee"), sieht die Werbung in anderen Städten wie Wittstock, Kyritz, Oranienburg oder gar Berlin genau so dürftig aus. Der Gipfel der traurigen Negativbeispiele stellt die Stadtseite im Web dar: Seit Wochen gibt es eine mickrige Presseerklärung auf der "Details zum Martinimarkt in den nächsten Tagen" folgen sollen.
Die Tage sind tatenlos verstrichen. Wen wundert's da, daß der Veranstaltungskalender auf der gleichen Seite mit noch weniger Informationsgehalt daherkommt. Der Chef des Stadtmarketings Bubl schwelgt derweil selbstverliebt in Ausschweifungen zum Flair des Marktes und begründet den verhinderten Wachstum, trotz Nachfrage seitens der Schausteller, mit fehlender Kaufkraft in der Region. Wenn man die kaufkräftige Umgebung der armen Region nicht ins Boot holt, mag das sein. Als Schausteller würde ich mich ärgern, denn immerhin zahlen die Standmiete und die sollte auch fürs Marketing genutzt werden. In der Abendschau des rbb wird bei Ausflugstips fürs Wochenende der Markt ebenso wenig erwähnt, wie im Videotext.
Immerhin gibt es jetzt bei der Presseerklärung auch einen Flyer zu bestaunen. Mal wieder als Grafik. Unleserlich, nicht skalierbar, nicht barrierefrei - unmöglich.
Am Straßenrand tauchen dann doch noch Plakate auf: Langweilige Gestaltung, deprimierende Farben, unterbelichtete Amateurfotos und ohne viel nützlichen Inhalt:
Auf der angegebenen Webseite findet man nicht wirklich Infos zum Markt. Fragt sich also, ist das mit städtischen Geldern finanzierte (Schleich-) Werbung für eine GmbH, die Veranstaltung oder das (unausgegorene) Stadtmarketing?
So reiht sich auch diese Veranstaltung in eine blamable Reihe von schlecht vermarkteten Events in der möchtegern Kulturstadt.
Mehr durch Zufall habe ich vor einigen Wochen von diesem Ereignis erfahren. Nicht etwa durch die Werbung des Veranstalter, sondern durch die negativen Schlagzeilen in der Presse, als es darum ging, daß die freiwilligen Feuerwehren sich nicht kostenlos für eine kommerzielle Veranstaltung vor den "Karren" spannen lassen wollen.
Nun gut, es ist Wochenende, die Sonne scheint und ich will mir Benzingeruch um die Nase wehen lassen. Stellt sich also die Frage, wann und wo ich die beste Aussicht auf das Renngeschehen habe. Also mal schnell die Veranstaltungskalender der regionalen Zeitungen konsultiert. Nichts. Gar nichts. Gutes Marketing. Also per Google den Veranstalter und dessen Homepage gefunden. Zuschauerinfos... "Alle Informationen zu den Zuschauerpunkten erhalten sie im Programmheft, das im Rallyezentrum Sportcenter [...] und an den Wertungsprüfungen ausliegt".
Klar, wir leben im Informationszeitalter. Da setze ich mich erst ins Auto, fahre durch das Dorf (Sorry: die Stadt) und hole mir so einen Flyer. Und das in einem Kuhkaff, in dem die Einwohner schon eine Wohnsiedlung, die knapp 1 Kilometer vom unmittelbaren Stadtzentrum entfernt aber weit innerhalb der Stadtgrenzen liegt, als weit entfernt, Randgebiet oder gar Außerhalb bezeichnen und bei einer 10 minütigen Fahrt von einem Ende der Stadt zum anderen über den weiten Weg stöhnen. Als (Ex-) Berliner habe ich da vielleicht eine andere Vorstellung von Entfernungen und zumutbaren Wegen im Alltag. Wieso wird diese Info nicht auf der Webseite des Veranstalters veröffentlicht? Ein PDF ist eine feine Sache. Oder soll ich gezwungen werden zum Sportcenter zu fahren, um so den Sponsor kennenzulernen (als ob irgendeiner im Umkreis von 10 Kilometern das Ding nicht kennen würde). Oder will der Veranstalter am Ende gar keine Zuschauer?
Es wäre ja auch nicht so frustrierend, wenn es sich um einen Einzelfall handeln würde. Aber irgendwie kommen die Organisatoren von Veranstaltungen hier alle aus dem Mustopf. Egal, um was es sich handelt: Keine Infos in der Presse, keine Infos am Straßenrand, keine Öffentlichkeitsarbeit, keine Infos im Internet. Die einzigen, die es richtig machen, sind die Discos: Massenhaft bunte Plakate an Laternen. Wenn die Stadt zum Maifest einlädt, hängt sie auch solche A2-großen Plakate auf. Von Profidesigner für teures Geld entworfen. So mit uninteressanten und nebensächlichen Informationen überfrachtet, daß ich im vorbeifahren die wesentlichen Fakten nicht einmal erkennen kann. Wenn die Dinger nur von Fußgängern entziffert werden können, dann braucht man sie auch nicht zur Straße gedreht aufzuhängen.
Heute findet auch das Bullenderby statt. Ein lustiges Seifenkistenrennen. Wir haben zwar keine Berge in der Mark, aber es geht schon. Eigentlich eine schöne Veranstaltung. Besucher, die nicht auch zu den Teilnehmern gehören, gibt es nur wenige. Warum wohl? Genau: Ich weiß nämlich weder wo, noch wann es stattfindet. In der Presse stand etwas. Aber nicht jeder liest die Zeitung (online). Der Veranstalter selbst hat eine Webseite. Google findet auch etwas. Im Google cache sieht das so aus:
Beim Veranstalter auf dessen Homepage sehe ich dann dies:
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| http://www.estaruppin.de/projekte/jugendsozialarbeit/lindow/bullenderby |
Ich frage mich, wieviele eigentlich sehenswerte Veranstaltungen an diesem Wochenende noch stattfinden, von denen ich gar nichts weiß und von denen ich dann vielleicht am Montag retrospektiv etwas lesen kann. Viel kann es nicht sein. Immerhin meldet die Webseite der Stadtverwaltung und die des Tourismusbüros der Region bei einer Veranstaltungabfrage, daß keinerlei Veranstaltungen für dieses Wochenende gefunden wurden (mal abgesehen von Dauerausstellungen). Gut, daß diese Information durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde. Das die Veranstaltungen zu klein sind, unbedeutend oder nicht von öffentlichem Interesse oder nicht durch Stadt und Land gefördert, dürfte nicht der Grund für die Leere des Kalenders sein. Auch das von der Stadt mitveranstaltete (bereits erwähnte) Maifest kennt der gleiche (von der Stadtverwaltung betriebene) Kalender nicht:
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| http://www.neuruppin.de/kultur-tourismus/tourismus/veranstaltungs-kalender.html |
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| http://www.neuruppin.de/verwaltung-politik/veroeffentlichungen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail/article/03-05052013-einladung-zum-mai-und-hafenfest-neuruppin.html |
"Alle" reden von Facebook, Twitter, SMS und Informationsüberangebot. Kaum ein Schritt, den die junge und mittlere Altersgruppe ohne ihr Handy und eine Kurznachricht an alle Freunde macht. Lauter belangloses Zeug. Aber interessante Fakten kommen gar nicht erst ins Netz.
Vor einigen Tagen stand in der Zeitung was über eine Seniorengruppe, die in an einem Computerkurs teilnimmt. Das interessierte mich. Natürlich gab es keine Webadresse zum Veranstalter aber GidF und schon war ich beim Internettreff Matrixx:
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| http://www.stattwerke.de/Homepage_MME/Matrixx.htm |
Ein Blick auf die Webpräsenz der Freiwilligen Feuerwehr zeigt, daß deren aktuellste Meldung über ein Jahr alt ist. "Bilder folgen in den nächsten Tagen". Fragt sich, in welchen zeitlichen Dimension die so denken. Erdzeitgeschichtlich betrachtet, sind wir ja auch erst ein paar Sekunden existent. Was ist da schon ein Jahr? Hoffen wir, daß sie sich nicht ganz so viel Zeit lassen, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. Freiwillige Helfer suchen sie wohl keine - scheint genügend zu geben. Auch das THW vor Ort bemüht sich nicht überschwänglich um Nachwuchs:
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| http://www.ov-neuruppin.thw.de/mitmachen.php?oesid=ORUP |
Die Gewerbetreibenden der Region nutzen auch jede Gelegenheit, mich als Kunde zu verlieren. Beispiele?
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| Gut, daß am linken Rand der Text Aktions-Angebote nervig blinkt. Hätte ich beinahe verpaßt. http://www.fleischerei-duelfer.de/angebote.php |
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| Ich habe es gewagt, auf eins der leckeren Produktfotos am oberen Rand zu klicken (s. vorherigen Screenshot). http://www.fleischerei-duelfer.de/error.php?404 |
| ||
| Wer die verwursteten Seiten (oben) produtziert hat? Mein Browser warnt mich zum Glück vor denen. |
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| Gut, daß die mir auch den Browser empfehlen, der mich vor ihnen warnt. http://www.arndt-webdesign.de/ |
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| Wir haben Ende April. Weihnachten ist knapp vier Monate vorbei. Aber es kommt ja wieder, dann braucht man nur aus der 12 'ne 13 zu machen. http://www.villa-romantica-neuruppin.de/ |
Ist das ein regionales Marketingproblem? Ossi-Mentalität (nach dem Motto Werbung ist nicht notwendig, es gibt eh nichts zu kaufen und das was es gibt, kennen alle)? Oder einfach kein Interesse? Dabei kostet Werbung und Öffentlichkeitsarbeit vor allem im Internet kein oder nur wenig Geld und erreicht ein breites Publikum. Aber natürlich nur, wenn die Seiten gepflegt werden, aktuell sind und ansprechend seriös gestaltet sind. Ansonsten darf ich mich natürlich auch nicht wundern, wenn der Besucherzähler sich nicht dreht, weil kein Mensch mehr als zweimal sich zu einem verirrt, findet er doch sowieso keine Neuigkeiten.
Mal ein paar Hinweise:
- Wer nicht wirbt, stirbt
- 100 DIN A2 farbige Plakate kosten im Offsettdruck keine €40,-. 5 mm Sperrholzplatten sind für um die €7,-/m² zu erhalten. Aus einem Quadratmeter Holzplatte kann man vier Plakatflächen schneiden, die dann am Straßenrand aufgehangen werden können. Das Holz kann ich sogar nächstes mal wiederverwenden. Für 50 Plakate die ich im Landkreis verteile, kostet das dann gerade mal €90,- an Material (inkl. Leim und Bindedraht).
- Beim Ordnungsamt muß die Anbringung genehmigt werden. Pro Plakat und Tag werden laut Sondernutzungsgebührensatzung €0,12/Plakat fällig. 14 Tage kosten die 50 Plakate also €84,-. Die Gebühr kann theoretisch sogar vom Amt erlassen werden.
- Ein hochwertiges 2 x 1 Meter großes Werbeplakat aus PVC-Plane kostet weniger als €30,-
- Eine Bratwurst kostet im EK um die €0,50. Für €1,50 geht sie über den Tresen. Bleibt also ein Gewinn von etwa 70 Cent netto. Nach dem Verkauf von 277 Stück wären die Werbekosten für die Plakataktion (€194,-) also wieder drin. Nimmt man noch Bier und Softdrinks mit in die Rechnung geht's schneller.
- Eine einfache Internetpräsenz kostet keine €5,- im Monat. Da ist dann auch schon ein einfaches (aber funktionierendes) Design dabei und ein CMS, bei dem man nur noch seine Daten bequem vom Browser aus eingeben kann - ganz ohne Fachkenntnisse. Aktuell halten, muß man es aber selber. Ist ein Aufwand von wenigen Minuten pro Monat. Dafür kann man dann aktuelle Infos schnell bereitstellen (Öffnungszeiten, Adresse, Kontakt, Krankheitsausfall) Aktionen und Produkte bewerben und wird von Google & Co. gefunden. Und wer gefunden wird, wird auch besucht und macht Umsatz.
- Jede Zeitungsredaktion lebt davon, über Events zu berichten. Also rechtzeitig denen eine Presseinformation per Fax zustellen. Ansprechpartner benennen und vor allem: alle für Besucher wichtigen Infos angeben und nicht im eigenen Selbstlob suhlen.
- Bei den ganzen Veranstaltungskalendern muß man sich melden. Die kommen nicht auf einen zu und betteln um Infos. Dafür ist der Eintrag kostenlos und in der breiten Fläche wirksam. Es gibt auch noch gedruckte Veranstaltungskalender mit Tradition. Auch wenn das lokale Projekt traurigerweise wohl nach kurzer Zeit schon wieder gestorben ist. Vermutlich, weil kein Veranstalter sich bei denen gemeldet hat.
Nachtrag:
Zufällig kam ich dann doch beim Sportcenter vorbei. Flyer fand ich nicht so schnell. Also einen der Organisatoren angesprochen. Der teilte mir mit, daß aus dem Programm so ein Geheimnis gemacht wird, weil sonst die Teilnehmer zu viel trainieren würden. Klar, wenn ich erfahre, wo ich als Zuschauer wann stehen sollte, kennen die Fahrer gleich die ganze Strecke. Und wann sie losfahren sollen, erfahren sie sicher auch erst kurz zuvor. Aber im Rennbüro, da würde ich die Infos bekommen. Das Büro ist drinne, hinten durch, dann rechts, durch den langen Gang, links, rechts, am Ende. Eins-fünfzig soll ich dann noch dafür bezahlen. Und tschüß! Meine Tochter drückt derweil meine Hand ganz doll. Als Zeichen dafür, daß ich ihr peinlich bin, wenn ich gleich ausfallend werden sollte und ich mich zusammenreißen möge. Wieso soll ich dafür bezahlen, daß ich erfahre, wo ich als Zuschauer einen guten Platz habe? Finanziert das den Sport? Wahrscheinlich handelt es sich bei einer Motorrennveranstaltung um ein soziales Projekt finanziell schwachgestellter Mitbürger. Ich frage mich, ob ich als Sponsor nicht vielleicht etwas enttäuscht bin, wenn am Streckenrand zwar meine Plakatwerbung steht, aber kein Zuschauer mangels Anwesenheit sie sieht. Oder wieviel Umsatz man mit Bratwurst und Bier bei dem schönen Wetter machen könnte - vorausgesetzt es ist jemand da, der den Weg zum Zuschauerpunkt gefunden hat.
Nachtrag II (24.4.13):
Die Stadtverordneten stimmten darüber ab, ob sie die Bürger nicht über Neuigkeiten und Veranstaltungstermine per Twitter informieren wollen. Gute Idee: Ich werde mich anmelden. Da kann ich sicher sein, nie eine Nachricht zu bekommen.
Nachtrag III (30.10.13):
In wenigen Tagen findet mal wieder der Martinimarkt statt. Als Neuruppiner kommt man nicht umhin, davon Kenntnis zu erlangen. An der Werbung kann es aber nicht liegen. Nirgends in der Stadt sind Plakate zu sehen, kein Terminkalender kennt das Fest und nennt Details wie zum Beispiel Eröffnungsveranstaltung, Öffnungszeiten, Parkplatzmöglichkeiten (gerade beim herrschenden Baustellenchaos sinnvoll). Und obwohl der Markt angeblich eine überregionale Bedeutung hat ("von Berlin bis Ostsee"), sieht die Werbung in anderen Städten wie Wittstock, Kyritz, Oranienburg oder gar Berlin genau so dürftig aus. Der Gipfel der traurigen Negativbeispiele stellt die Stadtseite im Web dar: Seit Wochen gibt es eine mickrige Presseerklärung auf der "Details zum Martinimarkt in den nächsten Tagen" folgen sollen.
![]() |
| http://www.neuruppin.de/verwaltung-politik/veroeffentlichungen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail/article/3110-10112013-einladung-zum-358-neuruppiner-martinimarkt.html |
Die Tage sind tatenlos verstrichen. Wen wundert's da, daß der Veranstaltungskalender auf der gleichen Seite mit noch weniger Informationsgehalt daherkommt. Der Chef des Stadtmarketings Bubl schwelgt derweil selbstverliebt in Ausschweifungen zum Flair des Marktes und begründet den verhinderten Wachstum, trotz Nachfrage seitens der Schausteller, mit fehlender Kaufkraft in der Region. Wenn man die kaufkräftige Umgebung der armen Region nicht ins Boot holt, mag das sein. Als Schausteller würde ich mich ärgern, denn immerhin zahlen die Standmiete und die sollte auch fürs Marketing genutzt werden. In der Abendschau des rbb wird bei Ausflugstips fürs Wochenende der Markt ebenso wenig erwähnt, wie im Videotext.
Immerhin gibt es jetzt bei der Presseerklärung auch einen Flyer zu bestaunen. Mal wieder als Grafik. Unleserlich, nicht skalierbar, nicht barrierefrei - unmöglich.
![]() |
| http://www.neuruppin.de/fileadmin/dateien/bilder/Pressemitteilungen/Martinimarkt_Flyer_2013.jpg |
Auf der angegebenen Webseite findet man nicht wirklich Infos zum Markt. Fragt sich also, ist das mit städtischen Geldern finanzierte (Schleich-) Werbung für eine GmbH, die Veranstaltung oder das (unausgegorene) Stadtmarketing?
So reiht sich auch diese Veranstaltung in eine blamable Reihe von schlecht vermarkteten Events in der möchtegern Kulturstadt.
Sonntag, 14. April 2013
Monopoly oder Lotto spielen?
McDonald’s veranstaltet mal wieder ihr Monopoly Spiel. Auf den verschiedenen Verpackungen befinden sich unterschiedlich viele Aufkleber, die dann gegen einen Direktgewinn eingetauscht werden können oder von denen mehrere (verschiedene) gesammelt werden müssen, um einen der Hauptgewinne einzustreichen.
Am einfachsten einzulösen sind die Sofortgewinne, die es in Form von "Millionen leckerer McDonald's Produkte" [1] gibt. Also ein Eis, ein Cheesburger usw. Einfach an der Kasse den Sticker abgeben und sich weiter überfressen (Salate oder andere gesunde Sachen gibt's dabei AFAIK nicht). Wieviele es dieser Gewinne gibt, sagt der Burgerbrater nicht.
Dann gibt es an die 106 Millionen von - ich nenne es mal - Scheingewinnen: Gutscheine für Handyverträge, Poster, Erlebnisveranstaltungen, Werkstattgutscheine, Reisevergünstigungen. Diese "Gewinne" sind nur Gutscheine auf einen Rabatt. Also muß ich beim Anbieter ein (überteuertes?) Produkt kaufen, um den Gutschein nutzen zu können. Selbst wenn nur Versandkosten berechnet werden, ist der Gewinn nicht umsonst und in der Masse ist anzunehmen, daß der Anbieter sogar seinen Verlust gegen Null fahren kann. Mal abgesehen davon, daß er kostenlos an meine kostbaren Daten kommt. Ein Adressenhändler will dafür Geld haben. Bei Lovefilm kann ich (auf den ersten Blick) 45 Tage Filme kostenlos downloaden. Ganz ohne Kosten. Tolles Ding von denen. Wie hoch der reale Wert davon wohl ist? Ich denke, die Lizenzgebühren für die Filme sind für den Anbieter vernachlässigbar, denn er wird kaum welche bezahlen müssen, denn es sind wohl eher ältere Filme, die da angeboten werden und keine Blockbuster. Und der Vertrag mit den Verleihfirmen wird entsprechend ausgestaltet sein. Ach ja: Hinter Lovefilm steckt Amazon. Der zweitgrößte Datenkrake nach Google. Welche Interessen die wohl bei der Gewinnauslobung verfolgen? Und wer nicht aufpaßt, hat am Ende einen Jahresvertrag für irgendwas an der Backe, sollte der Vertrag aus dem Gewinn nicht rechtzeitig gekündigt werden.
Rechnen wir diesen ganzen "Müll" mal von den Gewinnen ab, bleiben 5.190 echte Preise (vom Kleingewinn chinesischen Elektromülls bis hin zu Autos und Weltraumflug - wobei vermutlich nur der billigere Flug auf 61 km verlost wird, was streng genommen noch Erdatmosphäre und nicht Weltraum ist, aber so genau sind die Preise bei McDonald's und den Partnern alle nicht beschrieben).
So kommen wir zum Thema: 2011 Tag fanden "durchschnittlich mehr als 2,76 Millionen Gäste den Weg in die Restaurants" [2]. Die Aktion läuft 35 Tage [3]. Gehen wir davon aus, daß sich die Besucherzahlen von 2011 in 2013 nicht verschlechtert haben (während der Spielzeit sind sie vermutlich eher sogar höher), dann haben 5.286,6 Millionen Menschen sich etwas beim MäcDoof gekauft. Es ist natürlich schwer zu bestimmen, wieviele Sticker dabei in Umlauf kommen. Je nach Menü gibt es irgendwas zwischen drei und neun Stickern. Aber ich setzte die Rechnung mal ganz vortielhaft an: Jeder Kunde kauft nur einen Softdrink mit drei Stickern. Wobei einer davon für die dämlichen Scheingewinne abgeht. Verbleiben also 10,6 Milliarden Sticker, die einen Gewinn bedeuten können. Die Rechnung ist eigentlich noch etwas komplizierter, denn man muß ja mehrere Sticker sammeln (ganze "Straßen" etc.). Aber gehen wir mal davon aus, daß jeder dieser Sticker einem der Hauptgewinne entspricht, denn die meisten Sticker sind die millionenfach in Umlauf gebrachten uninteressanten Straßen und die findet man meistens als Abfall auf den Tabletts in den Abräumwagen. Vom Kauf vermeintlich seltener Straßen bei ebay und Co sollte man übrigens die Finger lassen. Die Chance auf einen Gewinn stehen damit also 1:0,000.000.981.727. Das bedeutet, die Chance auf einen Gewinn stehen nur ein wenig besser als beim Lottospiel mit 6 Richtigen und richtiger Superzahl und 0,000.000.715.11 % Gewinnwahrscheinlichkeit, bei einem Einsatz von knapp 2 Euro für den Spielschein. Ohne die Superzahl stehen die Chancen sogar deutlich besser bei 0,000.006.436.0 % und das bedeutet im Schnitt ein Gewinn von 466.127,20 € und nicht nur ein billiger Kopfhörer oder Lautsprecher. In Wirklichkeit sind die Gewinnchancen bei Mäc natürlich noch wesentlich schlechter, denn auch die Kunden aus Österreich und Luxemburg spielen mit und es werden sicherlich mehr Sticker unter das Volk gebracht, als nur die auf einer Cola.
Von Betrug bei MacDonald's Monopoly kann man also sicher nicht sprechen, denn es gibt ja was zu Gewinnen. Ob man die meisten Preise haben will? Wohl eher nicht. Ob die meisten (Schein-) Preise eingelöst werden? Unwahrscheinlich. Ob das Gewinnspiel die Fettleibigkeit steigert? Mit Sicherheit. Ob viele Kunden durch das Spiel verleitet werden und nicht nur zu viel essen werden, sondern in eine leichte Spielsucht verfallen? Ich glaube schon.
Am einfachsten einzulösen sind die Sofortgewinne, die es in Form von "Millionen leckerer McDonald's Produkte" [1] gibt. Also ein Eis, ein Cheesburger usw. Einfach an der Kasse den Sticker abgeben und sich weiter überfressen (Salate oder andere gesunde Sachen gibt's dabei AFAIK nicht). Wieviele es dieser Gewinne gibt, sagt der Burgerbrater nicht.
Dann gibt es an die 106 Millionen von - ich nenne es mal - Scheingewinnen: Gutscheine für Handyverträge, Poster, Erlebnisveranstaltungen, Werkstattgutscheine, Reisevergünstigungen. Diese "Gewinne" sind nur Gutscheine auf einen Rabatt. Also muß ich beim Anbieter ein (überteuertes?) Produkt kaufen, um den Gutschein nutzen zu können. Selbst wenn nur Versandkosten berechnet werden, ist der Gewinn nicht umsonst und in der Masse ist anzunehmen, daß der Anbieter sogar seinen Verlust gegen Null fahren kann. Mal abgesehen davon, daß er kostenlos an meine kostbaren Daten kommt. Ein Adressenhändler will dafür Geld haben. Bei Lovefilm kann ich (auf den ersten Blick) 45 Tage Filme kostenlos downloaden. Ganz ohne Kosten. Tolles Ding von denen. Wie hoch der reale Wert davon wohl ist? Ich denke, die Lizenzgebühren für die Filme sind für den Anbieter vernachlässigbar, denn er wird kaum welche bezahlen müssen, denn es sind wohl eher ältere Filme, die da angeboten werden und keine Blockbuster. Und der Vertrag mit den Verleihfirmen wird entsprechend ausgestaltet sein. Ach ja: Hinter Lovefilm steckt Amazon. Der zweitgrößte Datenkrake nach Google. Welche Interessen die wohl bei der Gewinnauslobung verfolgen? Und wer nicht aufpaßt, hat am Ende einen Jahresvertrag für irgendwas an der Backe, sollte der Vertrag aus dem Gewinn nicht rechtzeitig gekündigt werden.
Rechnen wir diesen ganzen "Müll" mal von den Gewinnen ab, bleiben 5.190 echte Preise (vom Kleingewinn chinesischen Elektromülls bis hin zu Autos und Weltraumflug - wobei vermutlich nur der billigere Flug auf 61 km verlost wird, was streng genommen noch Erdatmosphäre und nicht Weltraum ist, aber so genau sind die Preise bei McDonald's und den Partnern alle nicht beschrieben).
So kommen wir zum Thema: 2011 Tag fanden "durchschnittlich mehr als 2,76 Millionen Gäste den Weg in die Restaurants" [2]. Die Aktion läuft 35 Tage [3]. Gehen wir davon aus, daß sich die Besucherzahlen von 2011 in 2013 nicht verschlechtert haben (während der Spielzeit sind sie vermutlich eher sogar höher), dann haben 5.286,6 Millionen Menschen sich etwas beim MäcDoof gekauft. Es ist natürlich schwer zu bestimmen, wieviele Sticker dabei in Umlauf kommen. Je nach Menü gibt es irgendwas zwischen drei und neun Stickern. Aber ich setzte die Rechnung mal ganz vortielhaft an: Jeder Kunde kauft nur einen Softdrink mit drei Stickern. Wobei einer davon für die dämlichen Scheingewinne abgeht. Verbleiben also 10,6 Milliarden Sticker, die einen Gewinn bedeuten können. Die Rechnung ist eigentlich noch etwas komplizierter, denn man muß ja mehrere Sticker sammeln (ganze "Straßen" etc.). Aber gehen wir mal davon aus, daß jeder dieser Sticker einem der Hauptgewinne entspricht, denn die meisten Sticker sind die millionenfach in Umlauf gebrachten uninteressanten Straßen und die findet man meistens als Abfall auf den Tabletts in den Abräumwagen. Vom Kauf vermeintlich seltener Straßen bei ebay und Co sollte man übrigens die Finger lassen. Die Chance auf einen Gewinn stehen damit also 1:0,000.000.981.727. Das bedeutet, die Chance auf einen Gewinn stehen nur ein wenig besser als beim Lottospiel mit 6 Richtigen und richtiger Superzahl und 0,000.000.715.11 % Gewinnwahrscheinlichkeit, bei einem Einsatz von knapp 2 Euro für den Spielschein. Ohne die Superzahl stehen die Chancen sogar deutlich besser bei 0,000.006.436.0 % und das bedeutet im Schnitt ein Gewinn von 466.127,20 € und nicht nur ein billiger Kopfhörer oder Lautsprecher. In Wirklichkeit sind die Gewinnchancen bei Mäc natürlich noch wesentlich schlechter, denn auch die Kunden aus Österreich und Luxemburg spielen mit und es werden sicherlich mehr Sticker unter das Volk gebracht, als nur die auf einer Cola.
Von Betrug bei MacDonald's Monopoly kann man also sicher nicht sprechen, denn es gibt ja was zu Gewinnen. Ob man die meisten Preise haben will? Wohl eher nicht. Ob die meisten (Schein-) Preise eingelöst werden? Unwahrscheinlich. Ob das Gewinnspiel die Fettleibigkeit steigert? Mit Sicherheit. Ob viele Kunden durch das Spiel verleitet werden und nicht nur zu viel essen werden, sondern in eine leichte Spielsucht verfallen? Ich glaube schon.
Freitag, 29. März 2013
SpongeBob Schwammkopf - oder die Kunst zu jammern, zu schulmeistern und schlechtes Brot zu essen
Wußten Sie schon, daß in zehn Jahren keine Handwerksbäcker mehr existieren sollen? Wir essen hauptsächlich nur noch industriell hergestelltes Brot und Backwaren aus der Fabrik, die am Fließband gebacken und abgepackt werden oder den Supermarkt als "Teiglinge" erreichen, wo sie dann zum Endprodukt fertiggebacken werden? Wohlgemerkt: fertig- und nicht aufgebacken, wie die Branche stets betont.
Klar, das Innungsrecht schreibt vermutlich auch dem Großbäcker mit steriler Fließbandproduktion vor, daß er mindestens einen Handwerkmeister beschäftigt. So wird aus Industrieware ein Handwerksprodukt. Fast so gut gemogelt, wie die TK Steinofenpizza, die nie wirklich auf einem Stein gelegen hat. Wissen Sie wie der Bäcker bei Kamps und Co. aussieht, dem Sie über die Schulter schauen können? Es ist die gleiche Kraft, die Morgens aufschließt, dann die Teiglinge aus der Tiefkühltruhe oder dem Trolly holt, am Ofen das richtige Programm einstellt, Ihnen die Sachen in die Tüte packt, das Geld kassiert und abends den Boden schrubbt. Da es sich um keine geschützte Berufsbezeichnung handelt, darf sich Hinz und Kunz so nennen.
Die Medien berichten immer wieder darüber (und deshalb gehe ich davon aus, daß Sie die Eingangsfrage auch bejahen konnten), daß wir Deutsche, die wir doch so stolz auf unsere unübersichtlich große Vielzahl an Backwaren sind, hinter denen sich die Amis mit ihrem schlabberigen Weißbrot nur verstecken können, immer mehr zum Bäckereisterben beitragen, weil wir nur noch billige Produkte in uns hineinstopfen. Im Discounter bekomme ich das Pfund schnittfestes Mehl für unter einem Euro und es hält sich locker sechs Wochen. Weil es aber viel erlebnisreicher wirkt, wenn ich als Kunde mir selbst meine Tüte packe, hat jetzt selbst Lidl auf Pseudo-Frische SB-Theken umgestellt. Aus der Kassiererin wurde über Nacht so auch noch eine, dem Handwerk verschriebene, Premiumbäckerin, der ich beim bestücken des Heißluftofens über die Schulter schauen kann. Nebeneffekt: es riecht herrlich nach frischem Brot im Laden.
Ich bin mir bewußt, wie chemisch aufgepeppt die Backwaren sind und daß es bestimmt einen gesundheitlichen Unterschied zwischen Industriebrot und traditionellem gibt. Allergien durch Enzyme und Unverträglichkeiten bei der Verdauung sind längst bekannt. Jahrelang lebte ich in einem Haus, in dem ein Bäcker seinen Betrieb hatte. Der hat selbst gebacken: Tüte auf, Salz und Wasser drauf, umgerührt und ab in den Ofen. Aber mit Handwerk und Tradition hatte der schon vor mehr als zwanzig Jahren nichts mehr am Hut. In den Papiertonnen landeten die leeren Mehlsäcke und auf denen stand das Rezept drauf, an das der "Bäcker" sich nur halten mußte. So ein Mehlsack ist auf den ersten Blick nicht gerade auffällig. Aber eigentlich sollte da ein Gefahrstoffzeichen drauf - sieht dann nur doof aus. Aber in der Tüte ist nicht etwa nur Mehl drin. Eine endlose Liste an Zutaten, die dann als Hilfsmittel deklariert sind, ist schon fertig untergemischt.
Kostproben gefällig, wie die Industrie diese Mehlmischungen (sogenannte Vormischungen) und Hilfsstoffe anpreist?
Wollen Sie jetzt auch Bäcker werden? Kein Problem, denn die Mühlenbetriebe liefern natürlich nicht nur die hochwertigen Rohstoffe, sondern auch gleich die Anleitung, wie sie diese zu einem Einheitsprodukt verarbeiten müssen. Für leckere Roggenbrötchen nehme man:
Das Geheimnis des Erfolges liegt jetzt nicht mehr in der Kunst des Handwerkers, sondern in den Fertigkeiten der Chemielaboranten, welche die 2 kg Backhilfsmittel Rustikal 20% (auf 10 kg Mehl) entwickelt haben. Oder Sie shoppen einfach bei einem TK Teiglinghersteller und seinen 600 Artikeln. Dann machen Sie sich nicht einmal mehr die Hände schmutzig.
Und ich als Verbraucher? Gerne würde ich ein gutes Brot kaufen. Auch etwas mehr Geld würde ich gerne ausgeben. Aber ich bekomme es einfach nicht mehr. Nirgends in meiner Gegend gibt es einen Bäcker, der noch wirklich nur mit traditionellen Rohstoffen und jahrzehntealtem Sauerteig backt. Vielleicht gibt es noch einen Biobäcker. Aber Bio heißt noch lange nicht, ohne trickreiche Hilfsmittel, die sind alle Bio, da gibt es keinen Zweifel. Und ob der Zucker von glücklichen Rüben stammt, das Salz koscher abgebaut wurde und das Fett handgeschöpft wurde oder nicht, ist mir egal. Ist der Kunde nun an dem Bäckersterben und dem Rückgang von Qualität und Vielfalt Schuld oder der Anbieter? Wenn ich sehe, daß der "Bäcker" (bzw. dessen Verkaufsmitarbeiterinnen) vor Ort sich montags einen Ruhetag und mittags eine Pause gönnen kann, dann frage ich mich, ob ich für seine Produkte nicht noch immer zu viel bezahle oder ob er einfach nicht weiß, was er mit der vielen Zeit anfangen soll, die er Dank der vielen Helferlein aus dem Labor eingespart hat.
Die Kamps Backstuben stehen als moderne Premium Bäckereien für erlebbare Frische und Handwerklichkeit. Sie sind echte Erlebnisbäckereien, in denen unsere Kunden dem Bäcker direkt über die Schulter schauen können.
Zitat: Kamps GmbH
Klar, das Innungsrecht schreibt vermutlich auch dem Großbäcker mit steriler Fließbandproduktion vor, daß er mindestens einen Handwerkmeister beschäftigt. So wird aus Industrieware ein Handwerksprodukt. Fast so gut gemogelt, wie die TK Steinofenpizza, die nie wirklich auf einem Stein gelegen hat. Wissen Sie wie der Bäcker bei Kamps und Co. aussieht, dem Sie über die Schulter schauen können? Es ist die gleiche Kraft, die Morgens aufschließt, dann die Teiglinge aus der Tiefkühltruhe oder dem Trolly holt, am Ofen das richtige Programm einstellt, Ihnen die Sachen in die Tüte packt, das Geld kassiert und abends den Boden schrubbt. Da es sich um keine geschützte Berufsbezeichnung handelt, darf sich Hinz und Kunz so nennen.
Die Medien berichten immer wieder darüber (und deshalb gehe ich davon aus, daß Sie die Eingangsfrage auch bejahen konnten), daß wir Deutsche, die wir doch so stolz auf unsere unübersichtlich große Vielzahl an Backwaren sind, hinter denen sich die Amis mit ihrem schlabberigen Weißbrot nur verstecken können, immer mehr zum Bäckereisterben beitragen, weil wir nur noch billige Produkte in uns hineinstopfen. Im Discounter bekomme ich das Pfund schnittfestes Mehl für unter einem Euro und es hält sich locker sechs Wochen. Weil es aber viel erlebnisreicher wirkt, wenn ich als Kunde mir selbst meine Tüte packe, hat jetzt selbst Lidl auf Pseudo-Frische SB-Theken umgestellt. Aus der Kassiererin wurde über Nacht so auch noch eine, dem Handwerk verschriebene, Premiumbäckerin, der ich beim bestücken des Heißluftofens über die Schulter schauen kann. Nebeneffekt: es riecht herrlich nach frischem Brot im Laden.
Ich bin mir bewußt, wie chemisch aufgepeppt die Backwaren sind und daß es bestimmt einen gesundheitlichen Unterschied zwischen Industriebrot und traditionellem gibt. Allergien durch Enzyme und Unverträglichkeiten bei der Verdauung sind längst bekannt. Jahrelang lebte ich in einem Haus, in dem ein Bäcker seinen Betrieb hatte. Der hat selbst gebacken: Tüte auf, Salz und Wasser drauf, umgerührt und ab in den Ofen. Aber mit Handwerk und Tradition hatte der schon vor mehr als zwanzig Jahren nichts mehr am Hut. In den Papiertonnen landeten die leeren Mehlsäcke und auf denen stand das Rezept drauf, an das der "Bäcker" sich nur halten mußte. So ein Mehlsack ist auf den ersten Blick nicht gerade auffällig. Aber eigentlich sollte da ein Gefahrstoffzeichen drauf - sieht dann nur doof aus. Aber in der Tüte ist nicht etwa nur Mehl drin. Eine endlose Liste an Zutaten, die dann als Hilfsmittel deklariert sind, ist schon fertig untergemischt.
Kostproben gefällig, wie die Industrie diese Mehlmischungen (sogenannte Vormischungen) und Hilfsstoffe anpreist?
Dies gewährleistet eine gute Fließfähigkeit bei gleichzeitiger Stabilität des Teiggerüstes.
Zitat: Kampffmeyer Mühlen GmbH (einer der größten Mühlenbetriebe)
Vormischungen verschiedener Rohstoffe straffen und vereinfachen den Produktionsprozess. KAMPFFMEYER Food Innovation deckt, vom Fertigmehl bis hin zum Konzentrat, die gesamte Bandbreite der Convenience-Stufen ab. Fertigmehle und Konzentrate beinhalten hochwirksame Zutaten, die sich positiv auf Verarbeitungsparameter, Gärstabilität, Gebäckvolumen, Gebäckfrischhaltung und Geschmack auswirken.
Das traditionelle Verfahren zur Herstellung von aufgeschlagenen Massen ist zeitintensiv, kompliziert und führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis. [...] Der geringere Zeitaufwand bei der Herstellung und die Reduzierung des Ei-Anteiles verringern außerdem die Herstellungskosten.
Zitat: Info PDF zu EMCE Sponge (So nennt sich das Emulgatorpulver und deswegen mußte der Einwohner von Bikini Bottom für die Überschrift herhalten) Mühlenchemie GmbH & Co. KG
Wollen Sie jetzt auch Bäcker werden? Kein Problem, denn die Mühlenbetriebe liefern natürlich nicht nur die hochwertigen Rohstoffe, sondern auch gleich die Anleitung, wie sie diese zu einem Einheitsprodukt verarbeiten müssen. Für leckere Roggenbrötchen nehme man:
Weizenmehl Type 550Und mache:
Roggenmehl Type 1150
Rustikal 20%
Hefe
Wasser
Knetzeit: 5 Min. langsam, 4 Min. schnell
Teigtemperatur: 24-26 °C
Teigruhe: 10-30 Min.
Backtemperatur: Brötchentemperatur
Backzeit: betriebsüblich
Zitat: Hemelter Mühle
Das Geheimnis des Erfolges liegt jetzt nicht mehr in der Kunst des Handwerkers, sondern in den Fertigkeiten der Chemielaboranten, welche die 2 kg Backhilfsmittel Rustikal 20% (auf 10 kg Mehl) entwickelt haben. Oder Sie shoppen einfach bei einem TK Teiglinghersteller und seinen 600 Artikeln. Dann machen Sie sich nicht einmal mehr die Hände schmutzig.
Und ich als Verbraucher? Gerne würde ich ein gutes Brot kaufen. Auch etwas mehr Geld würde ich gerne ausgeben. Aber ich bekomme es einfach nicht mehr. Nirgends in meiner Gegend gibt es einen Bäcker, der noch wirklich nur mit traditionellen Rohstoffen und jahrzehntealtem Sauerteig backt. Vielleicht gibt es noch einen Biobäcker. Aber Bio heißt noch lange nicht, ohne trickreiche Hilfsmittel, die sind alle Bio, da gibt es keinen Zweifel. Und ob der Zucker von glücklichen Rüben stammt, das Salz koscher abgebaut wurde und das Fett handgeschöpft wurde oder nicht, ist mir egal. Ist der Kunde nun an dem Bäckersterben und dem Rückgang von Qualität und Vielfalt Schuld oder der Anbieter? Wenn ich sehe, daß der "Bäcker" (bzw. dessen Verkaufsmitarbeiterinnen) vor Ort sich montags einen Ruhetag und mittags eine Pause gönnen kann, dann frage ich mich, ob ich für seine Produkte nicht noch immer zu viel bezahle oder ob er einfach nicht weiß, was er mit der vielen Zeit anfangen soll, die er Dank der vielen Helferlein aus dem Labor eingespart hat.
Donnerstag, 10. Januar 2013
Wirtschaftsankurbler
Seit wohl an die zehn Jahre läuft auf meinem PC Windows XP. Inzwischen (nach der einen oder anderen unumgänglichen Neuinstallation) läuft alles wie es soll und ich habe das System im Griff. Hartnäckig habe ich mich gegen Vista gestemmt und auch Windows 7 kam mir lange nur als virtuelles System auf die Platte - auch wenn einer meiner Bekannten, mich öfter schon mal auf die Seite des bösen ziehen wollte. Den Anfangshype um Windows 8 habe ich milde lächelnd an mir vorrüberziehen lassen.
Doch nun ist Schluß mit lustig: Der Support von Microsoft für Windows XP endet nächstes Jahr. Das heißt, es gibt keine Updates und vor allem sicherheitskritische Lücken bleiben offen. Ein gefundenes Fressen für Viren und Malware, denn vor allem in Firmen wird man sich noch länger gegen ein Update von Windows stemmen. Die Kosten sind enorm und vor allem laufen viele professionelle Programme nur unter Windows XP oder noch älter. Ganz zu schweigen von den vielen Geräten auf denen Windows (XP) als embedded System läuft und eine Umstellung viel Aufwand bedeutet (auch wenn es bedenklich sein mag, wenn man an virenverseuchte Medizinprodukte wie Dosierpumpen, Dialysegeräte oder Aissistenzsysteme im Fahrzeug denkt). Sobald eine Lücke entdeckt wird, für die es keinen Patch mehr gibt, werden sich die "Hacker" darüber hermachen.
Nun gut, also muß langsam was aktuelleres her. Windows 8 ist zwar ganz neu und toll, schick und bis Ende Januar auch für unter 30,- Euro zu haben, doch mit den beiden wechselnden Oberflächen will ich nicht kämpfen. Ich denke, die 8er Version wird wie Vista schon als unbrauchbare Zwischenlösung in der Kiste verschwinden und bald schon abgelöst werden. Also Windows 7 - auch wenn es eigentlich schon wieder ein wenig veraltet ist.
Nicht so ganz informiert, installiere ich eine 7er Version in der Annahme (ich meine es auch so gelesen zu haben), daß dabei meine bisherigen Einstellungen von XP beibehalten werden. Weit gefehlt. Alles weg. Gut, daß ich meine wirklich wichtigen Daten auf anderen Partitionen/Festplatten habe. So hat man wenigstens ein frisches, "schlankes" System und den vermeintlichen Spaß, (mal wieder) alles neu installieren und konfigurieren zu dürfen. Irgendwie fehlte mir aber auch die Frage, ob ich eine 32 oder 64-Bit Version installieren möchte. Ich habe einen neuen Prozessor und viel RAM, da machen 64-Bit Sinn. Also noch mal installieren, besser aufpassen. Nichts da. Also erst einmal eine 64-Bit Installation besorgen. Klappt doch. Dann noch alle Updates über den Updateassistenten besorgen: Das dauert, sind es doch so an die 1 GB neue Daten. Und der Assistent muß auch noch immer wieder neu angestoßen werden. Denn er erkennt zwar, daß zwar ein Update vorhanden ist, aber schaut nach dessen Installation nicht automatisch nach, ob nicht noch ein weiteres Update (sozusagen für das zuvor geladene Update) existiert. Auch das kennen wir ja schon seit Windows xx.
Irgendwann habe ich dann auch alle anderen Tools so weit wieder eingerichtet, daß es an den Feinschliff gehen kann. Den Windows Explorer und das Startmenü kann man dank Classic Shell wieder so einrichten, daß sie auch brauchbar sind und einen erfahrenen Anwender nicht für dumm verkaufen. Aber als es an den Drucker geht, wird es traurig.
Richtig traurig. So traurig, daß mir der Typ, der mich schon immer zu Windows 7 bekehren wollte, mir ein Paket Taschentücher eines unbekannten Softwaredistributors schenkt: "Weine nicht, wenn XP Dir fehlt". Und wie ich weine!
Ich habe u. a. einen HP LJ 1010. Der tut seit ca. fünf Jahren und fast 34.000 Seiten (das ist immerhin ein Papierturm mit einer Höhe von 3,6 m) unentwegt seinen Dienst zuverlässig. Toner ist billig zu haben und das Gerät hat auch nur um die hundert Euro gekostet.
Was will man mehr erwarten? Vielleicht, daß es auch einen Treiber für Windows 7 gibt? Oder wenigstens der alte von XP funktioniert? Es gibt keinen und auch keine echte Alternative. HP sagt sich wohl, daß ein Drucker, der fünf Jahre seinen Dienst tat, nun ersetzt werden soll. Vermutlich sollte er sowieso nie solange durchhalten. Und wenn schon die geplante Obsoleszenz nicht geklappt hat, dann wenigstens durch die Treiber-Hintertür. Es gibt zwar den Trick, einen anderen Treiber zu nutzen, aber der hilft nur bedingt, denn nach dem drucken einiger Seiten produziert der Drucker eine Fehlermeldung im Ausdruck. Dann hilft nur aus- und einschalten des Gerätes. Da ich aber gewerblich regelmäßig viel drucke, kommt das für mich nicht wirklich in Frage. Was bleibt: Ich muß mir einen neuen Drucker kaufen und der alte wandert in den Müll, obwohl er eigentlich noch gut ist. Klar werde ich ihn bei ebay verticken. Aber da wird nicht viel bei rauskommen. Und der Hersteller hat sein Ziel erreicht: mehr Umsatz. Und obwohl das so ist, kaufe ich wieder einen HP. Denn das Nachfolgemodell (welches fast genauso aussieht und vermutlich auch die gleiche Technik enthält, nur dessen Treiber eben nicht mit dem alten Drucker funktioniert) ist wieder billig und vor allem auch der Toner. Und es ist ja nicht so, daß andere Hersteller besseren Service liefern würden.
Doch nun ist Schluß mit lustig: Der Support von Microsoft für Windows XP endet nächstes Jahr. Das heißt, es gibt keine Updates und vor allem sicherheitskritische Lücken bleiben offen. Ein gefundenes Fressen für Viren und Malware, denn vor allem in Firmen wird man sich noch länger gegen ein Update von Windows stemmen. Die Kosten sind enorm und vor allem laufen viele professionelle Programme nur unter Windows XP oder noch älter. Ganz zu schweigen von den vielen Geräten auf denen Windows (XP) als embedded System läuft und eine Umstellung viel Aufwand bedeutet (auch wenn es bedenklich sein mag, wenn man an virenverseuchte Medizinprodukte wie Dosierpumpen, Dialysegeräte oder Aissistenzsysteme im Fahrzeug denkt). Sobald eine Lücke entdeckt wird, für die es keinen Patch mehr gibt, werden sich die "Hacker" darüber hermachen.
Nun gut, also muß langsam was aktuelleres her. Windows 8 ist zwar ganz neu und toll, schick und bis Ende Januar auch für unter 30,- Euro zu haben, doch mit den beiden wechselnden Oberflächen will ich nicht kämpfen. Ich denke, die 8er Version wird wie Vista schon als unbrauchbare Zwischenlösung in der Kiste verschwinden und bald schon abgelöst werden. Also Windows 7 - auch wenn es eigentlich schon wieder ein wenig veraltet ist.
Nicht so ganz informiert, installiere ich eine 7er Version in der Annahme (ich meine es auch so gelesen zu haben), daß dabei meine bisherigen Einstellungen von XP beibehalten werden. Weit gefehlt. Alles weg. Gut, daß ich meine wirklich wichtigen Daten auf anderen Partitionen/Festplatten habe. So hat man wenigstens ein frisches, "schlankes" System und den vermeintlichen Spaß, (mal wieder) alles neu installieren und konfigurieren zu dürfen. Irgendwie fehlte mir aber auch die Frage, ob ich eine 32 oder 64-Bit Version installieren möchte. Ich habe einen neuen Prozessor und viel RAM, da machen 64-Bit Sinn. Also noch mal installieren, besser aufpassen. Nichts da. Also erst einmal eine 64-Bit Installation besorgen. Klappt doch. Dann noch alle Updates über den Updateassistenten besorgen: Das dauert, sind es doch so an die 1 GB neue Daten. Und der Assistent muß auch noch immer wieder neu angestoßen werden. Denn er erkennt zwar, daß zwar ein Update vorhanden ist, aber schaut nach dessen Installation nicht automatisch nach, ob nicht noch ein weiteres Update (sozusagen für das zuvor geladene Update) existiert. Auch das kennen wir ja schon seit Windows xx.
Irgendwann habe ich dann auch alle anderen Tools so weit wieder eingerichtet, daß es an den Feinschliff gehen kann. Den Windows Explorer und das Startmenü kann man dank Classic Shell wieder so einrichten, daß sie auch brauchbar sind und einen erfahrenen Anwender nicht für dumm verkaufen. Aber als es an den Drucker geht, wird es traurig.
Richtig traurig. So traurig, daß mir der Typ, der mich schon immer zu Windows 7 bekehren wollte, mir ein Paket Taschentücher eines unbekannten Softwaredistributors schenkt: "Weine nicht, wenn XP Dir fehlt". Und wie ich weine!
Ich habe u. a. einen HP LJ 1010. Der tut seit ca. fünf Jahren und fast 34.000 Seiten (das ist immerhin ein Papierturm mit einer Höhe von 3,6 m) unentwegt seinen Dienst zuverlässig. Toner ist billig zu haben und das Gerät hat auch nur um die hundert Euro gekostet.
Was will man mehr erwarten? Vielleicht, daß es auch einen Treiber für Windows 7 gibt? Oder wenigstens der alte von XP funktioniert? Es gibt keinen und auch keine echte Alternative. HP sagt sich wohl, daß ein Drucker, der fünf Jahre seinen Dienst tat, nun ersetzt werden soll. Vermutlich sollte er sowieso nie solange durchhalten. Und wenn schon die geplante Obsoleszenz nicht geklappt hat, dann wenigstens durch die Treiber-Hintertür. Es gibt zwar den Trick, einen anderen Treiber zu nutzen, aber der hilft nur bedingt, denn nach dem drucken einiger Seiten produziert der Drucker eine Fehlermeldung im Ausdruck. Dann hilft nur aus- und einschalten des Gerätes. Da ich aber gewerblich regelmäßig viel drucke, kommt das für mich nicht wirklich in Frage. Was bleibt: Ich muß mir einen neuen Drucker kaufen und der alte wandert in den Müll, obwohl er eigentlich noch gut ist. Klar werde ich ihn bei ebay verticken. Aber da wird nicht viel bei rauskommen. Und der Hersteller hat sein Ziel erreicht: mehr Umsatz. Und obwohl das so ist, kaufe ich wieder einen HP. Denn das Nachfolgemodell (welches fast genauso aussieht und vermutlich auch die gleiche Technik enthält, nur dessen Treiber eben nicht mit dem alten Drucker funktioniert) ist wieder billig und vor allem auch der Toner. Und es ist ja nicht so, daß andere Hersteller besseren Service liefern würden.
Mittwoch, 19. Dezember 2012
Es Weihnachtet ... mal wieder völlig überraschend
Möchten Sie Kurierdienstfahrer sein? Jetzt, wenige Tage vor Weihnachten? Bei diesem Wetter (Schnee, Glätte, Matsch, Dunkelheit)? Ich nicht! Um so mehr habe ich Mitleid mit den Paketzustellern, die mir Sendungen bringen und Pakete bei mir abholen, die ich als Onlineshopbetreiber verschicke. Jeden Tag kommen sie später und später am Abend erst vorbei. Bemüht, die Hektik nicht zu sehr den Kunden merken zu lassen, fällt es ihnen doch zusehend schwer, zwei Worte zu wechseln und das digitale Quittiergerät nicht schon nach der halben Unterschrift wieder zurückzuziehen. Wenn dann mal wieder eine Reportage [1], [2], [3] über die schlechten Arbeitsbedingungen läuft, halten wir alle kurz mal Inne und Bemitleiden diese Arbeiter.
Das dabei der größte Logistiker weltweit trotz staatlicher Subvention (allein schon die - in der Branche einmalige - Befreiung von der Mehrwertsteuer dürfte Millionen Euro ausmachen - und trotzdem sind die Preise bei DHL mit die höchsten der Branche), erstaunt dann zwar, trotzdem glauben viele Leute daran, daß man bei GLS, Hermes, DPD etc. noch schlechter dran ist und als Shopbetreiber höre ich oft genug von Kunden, die unbedingt per DHL ihre Ware bekommen wollen, weil da der Service etc. doch so gut ist. Ich frage mich immer welcher, denn UPS und Hermes unternehmen beispielsweise mehrere Zustellversuche und nicht nur einen, nach dem ich dann das Paket zu altkaiserlich-bürokratischen Öffnungszeiten irgendwo in einer Filiale abholen muß.
Um meine Kurierfahrerin ein wenig über die anstehenden Feiertage zu entlasten, plane ich meine Abholaufträge so, daß sie nicht noch am 24.12. oder 31.12. bei mir aufschlagen muß, sondern vielleicht erst einen Werktag später. Die Folge wird sein, daß die Ware der Kunden vielleicht vor und über die Feiertage etwas verzögert abgearbeitet wird. Da ich keine lebenswichtigen Produkte vertreibe, denke ich, daß damit jeder kein Problem haben sollte (und wenn doch: kaufe woanders, mir egal).
Trotzdem erhalte ich Anfragen, in denen die Kunden drängeln und fragen, ob sie denn die Ware noch vor Heiligabend bekommen würden. Nein. Allein schon bis die Bezahlung eingeht, dauert es 1-2 Tage und der Transport nimmt mindestens einen Tag in Anspruch. Zwei bis drei sind bei normalen Sendungen schon ohne erhöhtes Versandvolumen ("nach Angaben der Post verdreifacht sich jedes Jahr vor Weihnachten das Paketaufkommen"[Quelle:stern.de]) normal.
Die Versandhandelindustrie heizt den Hype um kurze Lieferzeiten immer mehr an und zeigt sogar minutengenau, bis wann ich welche Ware zu welchen Konditionen doch noch pünktlich bis zum Fest bekommen kann. Wer wohl dafür sorgen wird? Genau: der ausgebeutete und Anfang des Jahres noch bemitleidete Kurierfahrer, der dann sogar am heiligen (GG Art. 140) Sonntag bei DHL arbeiten darf/muß/kann/will). Was ist wohl heiliger? Die Kirche, das Grundgesetz oder der Paketkunde? Oder anders gefragt: Wer bzw. was ist (uns) wichtiger? Wieso gibt es eigentlich gegen die Sonntagzustellung keinen Aufschrei durch die Kirche wie sonst beim überflüssigen Ladenschlußgesetz? Oder ist es wichtiger, daß wir der Geburt "des" Heilandes mit einem reich gedeckten Gabentisch gedenken, als daß wir den Zustellern ermöglichen, am Sonntag zu beten (oder was man als Antichrist sonst so am Sonntag machen soll, wenn man nicht arbeitet)?
Aber ist es wirklich notwendig, daß ich am 23.12. noch meine Weihnachtsgeschenke bestelle und erwarte, daß sie pünktlich ankommen? Schon seit dem Sommer wissen wir doch, daß Weihnachten (bald) kommt und wir Süßkram wie zu Kriegszeiten horten müssen (Dominosteine waren vorgestern doch tatsächlich bei Kaufland komplett ausverkauft. Die Kassiererin meinte, da wird wohl auch nichts mehr nachkommen. Klasse Logistik und perfekte Erziehung der Kunden: der Kunde räumt das Lager rechtzeitig leer und verlagert die Lagerung zu sich nach Hause - noch besser und preiswerter als Just-In-Time, der Handel bekommt einen kostenlosen Kredit, da die Rechnungen für die Weihnachtsware sicher erst im Frühjahr fällig sind, und im Geschäft verbleiben keine Reste und es ist am 1.1. Platz für die Osterhaasen). Wieso kaufen wir dann nicht auch unsere Geschenke so rechtzeitig, daß sie in aller Ruhe eintreffen können?
Das dabei der größte Logistiker weltweit trotz staatlicher Subvention (allein schon die - in der Branche einmalige - Befreiung von der Mehrwertsteuer dürfte Millionen Euro ausmachen - und trotzdem sind die Preise bei DHL mit die höchsten der Branche), erstaunt dann zwar, trotzdem glauben viele Leute daran, daß man bei GLS, Hermes, DPD etc. noch schlechter dran ist und als Shopbetreiber höre ich oft genug von Kunden, die unbedingt per DHL ihre Ware bekommen wollen, weil da der Service etc. doch so gut ist. Ich frage mich immer welcher, denn UPS und Hermes unternehmen beispielsweise mehrere Zustellversuche und nicht nur einen, nach dem ich dann das Paket zu altkaiserlich-bürokratischen Öffnungszeiten irgendwo in einer Filiale abholen muß.
Um meine Kurierfahrerin ein wenig über die anstehenden Feiertage zu entlasten, plane ich meine Abholaufträge so, daß sie nicht noch am 24.12. oder 31.12. bei mir aufschlagen muß, sondern vielleicht erst einen Werktag später. Die Folge wird sein, daß die Ware der Kunden vielleicht vor und über die Feiertage etwas verzögert abgearbeitet wird. Da ich keine lebenswichtigen Produkte vertreibe, denke ich, daß damit jeder kein Problem haben sollte (und wenn doch: kaufe woanders, mir egal).
Trotzdem erhalte ich Anfragen, in denen die Kunden drängeln und fragen, ob sie denn die Ware noch vor Heiligabend bekommen würden. Nein. Allein schon bis die Bezahlung eingeht, dauert es 1-2 Tage und der Transport nimmt mindestens einen Tag in Anspruch. Zwei bis drei sind bei normalen Sendungen schon ohne erhöhtes Versandvolumen ("nach Angaben der Post verdreifacht sich jedes Jahr vor Weihnachten das Paketaufkommen"[Quelle:stern.de]) normal.
![]() |
| Quelle: http://www.amazon.de/gp/gift-central/holiday-shipping |
Die Versandhandelindustrie heizt den Hype um kurze Lieferzeiten immer mehr an und zeigt sogar minutengenau, bis wann ich welche Ware zu welchen Konditionen doch noch pünktlich bis zum Fest bekommen kann. Wer wohl dafür sorgen wird? Genau: der ausgebeutete und Anfang des Jahres noch bemitleidete Kurierfahrer, der dann sogar am heiligen (GG Art. 140) Sonntag bei DHL arbeiten darf/muß/kann/will). Was ist wohl heiliger? Die Kirche, das Grundgesetz oder der Paketkunde? Oder anders gefragt: Wer bzw. was ist (uns) wichtiger? Wieso gibt es eigentlich gegen die Sonntagzustellung keinen Aufschrei durch die Kirche wie sonst beim überflüssigen Ladenschlußgesetz? Oder ist es wichtiger, daß wir der Geburt "des" Heilandes mit einem reich gedeckten Gabentisch gedenken, als daß wir den Zustellern ermöglichen, am Sonntag zu beten (oder was man als Antichrist sonst so am Sonntag machen soll, wenn man nicht arbeitet)?
Aber ist es wirklich notwendig, daß ich am 23.12. noch meine Weihnachtsgeschenke bestelle und erwarte, daß sie pünktlich ankommen? Schon seit dem Sommer wissen wir doch, daß Weihnachten (bald) kommt und wir Süßkram wie zu Kriegszeiten horten müssen (Dominosteine waren vorgestern doch tatsächlich bei Kaufland komplett ausverkauft. Die Kassiererin meinte, da wird wohl auch nichts mehr nachkommen. Klasse Logistik und perfekte Erziehung der Kunden: der Kunde räumt das Lager rechtzeitig leer und verlagert die Lagerung zu sich nach Hause - noch besser und preiswerter als Just-In-Time, der Handel bekommt einen kostenlosen Kredit, da die Rechnungen für die Weihnachtsware sicher erst im Frühjahr fällig sind, und im Geschäft verbleiben keine Reste und es ist am 1.1. Platz für die Osterhaasen). Wieso kaufen wir dann nicht auch unsere Geschenke so rechtzeitig, daß sie in aller Ruhe eintreffen können?
Dienstag, 23. Oktober 2012
Blase 3.0
Wissen Sie noch, was im Jahr 2000 geplatzt ist? Keiner hat's kommen sehen, alle waren mit dabei, jeder hatte auf einmal Aktien und dann wollte keiner wahr haben, daß man bei Aktien nicht nur gewinnen kann.
Einfach ausgedrückt war damals das Problem, daß man nicht mit Luft Geld verdienen kann. Wer im Internet oder mit neuen Medien Geld verdienen will, benötigt content - Inhalt, ein Produkt, irgendwas. Nur mit Werbung und clicks (1:05) kann man sich nicht finanzieren und irgendwann bricht ein Schneeballsystem nun mal zusammen.
Zwölf Jahre später haben wir das alles schon wieder vergessen und wir träumen von der schnellen Karriere im Netz ([1], [2], [3], [4]). Pubertierende Kids und Teenager produzieren Selbstdarstellungen und unbekannte selbsternannte oder von unbekannten als solche ernannte "Internetpioniere", "Blogger-Pabste" oder "Klassensprecher" (11:50) wollen mitreden. Wer nicht selber kreativ ist, spielt Fan und jubelt vom Rand aus. Das ganze wird dann auf YouTube (6 Mio. neue Filmminuten/Tag), Twitter (300 Mio. neue Beiträge/Tag) und Facebook (0,7 Mio. neue Nutzer/Tag) in die Welt hinaus posaunt.
Dabei ist die Zukunft schon angessagt: "Social media, bunt, sprunghaft, unkontrollierbar" (0:18). Auch der "Pabst" sollte es besser wissen, hat seine eigene Dotcom-Blasen-Werbeagentur lediglich ein gutes Jahr bestehen können, bevor sie nicht etwa einfach geschlossen wurde, sondern gleich pleite gehen mußte. Denn wie lange wollen sich wohl Jugendliche anschauen, wie sich ihre Klassenkameraden oder "Vorbilder" prostituieren, bevor sie selber auch mitmachen wollen? Schließlich kann man doch bei YouTube toll verdienen - so toll, daß keiner sich traut zu sagen, wie viel. Keiner der Selbstdarsteller ist investigativ genug, um sich zu trauen, mal die eigene "Karriere" zu risikieren und zu sagen, wieviel er gemäß seines Knebelvertrages verdient.
Und bei Facebook und twitter? Hier geht es mehr um die Selbstdarstellung und das Bedürfnis jedem mitteilen zu wollen, daß man gerade auf dem Klo sitzt oder einen Kaffee trinkt. Will das wirklich auf Dauer einer wissen? Kurzfristig ist das bestimmt lustig und die neue Technik verführerisch. Aber es wird kommen, daß wir uns wünschen, mal nicht alles über den anderen zu wissen und auch nicht unter druck stehen, allen die eigene Welt in kurzen Intervallen mitteilen zu müssen.
Auch wer denkt, das geht ewig so weiter. Wie denn? All diese Angebote kosten Geld, sehr viel Geld. Und das muß verdient werden. Arbeitskraft, Technik und Bandbreite müssen mit harter Währung erkauft werden. Und der vermeintliche "Inhalt" soll ja auch an die Nerds vergütet werden - solange sie noch mitmachen. Aber wer bezahlt denn für dies alles? Werbepartner und Data-Mining Firmen. Das hat schon bei Blase 1.0 nicht auf Dauer geklappt. Aber diesmal? Bestimmt. Wir müssen nur alle daran glauben: ganz doll.
Und was machen die Selbstdarsteller in ein paar Jahren? Die Videos, Tweets und Facebookeinträge werden sich nie wieder löschen lassen. Zukünftige Arbeitgeber werden sich freuen, denn so brauchen sie gar keinen Lebenslauf mehr. Egal, wie erfolgreich die Schule abgeschlossen wurde und egal wie seriös das Bewerbungsfoto aussieht: bei Youtube kann ich den Bewerber mit herunter gelassener Hose sehen, seine Sprachkenntnisse in Wort und Schrift sind - positiv ausgedrückt - erbärmlich und seine Weltanschauung paßt auch nicht zur Firma. Willkommen bei Hartz 5.0.
Sollen die doch machen was sie wollen. Was mich wirklich daran stört? So viel vergeudetes Potenzial. Im web gibt es so viele Projekte, die freiwillige Mitarbeiter suchen.
Nur als Beispiel: Viele lassen sich inzwischen mit dem Navi von kostenlosen Karten des OpenStreetMap Projekts führen und jeder kennt die Wikipedia. Jeder liest darin, wenn er was wissen will. Kaum einer schreibt noch was. Dabei ist es wirklich so einfach. Hier muß man sich nicht einmal anmelden und einen Daten-Striptease hinlegen, bevor man mitmachen darf. Wer will, kann aber. Und weiß nicht jeder irgendwas zu einem Thema? Hat nicht jeder ein Foto von irgendwas? Alles wird gesucht. Es reicht schon einen Artikel ein klein wenig zu ergänzen - nur ein Detail, was bisher vielleicht fehlt oder nicht optimal dargestellt wird. Oder ein Foto zu einem Thema. Vor kurzem lief mal wieder ein Aufruf, Baudenkmäler zu fotografieren. Bei den meisten handelt es sich um Wohnhäuser. Hier wohnt jemand, der nur vor die Tür hätte treten müssen. Von jedem Sandwich, das die Leute essen, machen sie Fotos für Facebook. Ein Foto vom eigenen Haus oder dem Denkmal im Park vor der Tür oder einer Sehenswürdigkeit im Urlaubsland schafft keiner. Schade. Wikipedia und Co. leben nicht von Werbung. Sie leben vom sinnvollen Mitmachen und bringen der Allgemeinheit nur Vorteile. Aber das scheint langweilig zu sein, da es ja nicht der Selbstdarstellung dient. Und es ist so viel bequemer nur zu konsumieren und sich darüber zu freuen, daß andere was aufbauen, als einen eigenen kleinen Teil dazu beizutragen - das kann wirklich jeder und sollte auch jeder, der ein solches Angebot nutzt. Beim nächsten Spendenaufruf für so ein Projekt kann man dann auch getrost nicht spenden, denn die investierte Arbeitszeit dürfte höherwertig sein, als jede Summe, die man geben würde.
Einfach ausgedrückt war damals das Problem, daß man nicht mit Luft Geld verdienen kann. Wer im Internet oder mit neuen Medien Geld verdienen will, benötigt content - Inhalt, ein Produkt, irgendwas. Nur mit Werbung und clicks (1:05) kann man sich nicht finanzieren und irgendwann bricht ein Schneeballsystem nun mal zusammen.
Zwölf Jahre später haben wir das alles schon wieder vergessen und wir träumen von der schnellen Karriere im Netz ([1], [2], [3], [4]). Pubertierende Kids und Teenager produzieren Selbstdarstellungen und unbekannte selbsternannte oder von unbekannten als solche ernannte "Internetpioniere", "Blogger-Pabste" oder "Klassensprecher" (11:50) wollen mitreden. Wer nicht selber kreativ ist, spielt Fan und jubelt vom Rand aus. Das ganze wird dann auf YouTube (6 Mio. neue Filmminuten/Tag), Twitter (300 Mio. neue Beiträge/Tag) und Facebook (0,7 Mio. neue Nutzer/Tag) in die Welt hinaus posaunt.
Dabei ist die Zukunft schon angessagt: "Social media, bunt, sprunghaft, unkontrollierbar" (0:18). Auch der "Pabst" sollte es besser wissen, hat seine eigene Dotcom-Blasen-Werbeagentur lediglich ein gutes Jahr bestehen können, bevor sie nicht etwa einfach geschlossen wurde, sondern gleich pleite gehen mußte. Denn wie lange wollen sich wohl Jugendliche anschauen, wie sich ihre Klassenkameraden oder "Vorbilder" prostituieren, bevor sie selber auch mitmachen wollen? Schließlich kann man doch bei YouTube toll verdienen - so toll, daß keiner sich traut zu sagen, wie viel. Keiner der Selbstdarsteller ist investigativ genug, um sich zu trauen, mal die eigene "Karriere" zu risikieren und zu sagen, wieviel er gemäß seines Knebelvertrages verdient.
Und bei Facebook und twitter? Hier geht es mehr um die Selbstdarstellung und das Bedürfnis jedem mitteilen zu wollen, daß man gerade auf dem Klo sitzt oder einen Kaffee trinkt. Will das wirklich auf Dauer einer wissen? Kurzfristig ist das bestimmt lustig und die neue Technik verführerisch. Aber es wird kommen, daß wir uns wünschen, mal nicht alles über den anderen zu wissen und auch nicht unter druck stehen, allen die eigene Welt in kurzen Intervallen mitteilen zu müssen.
Auch wer denkt, das geht ewig so weiter. Wie denn? All diese Angebote kosten Geld, sehr viel Geld. Und das muß verdient werden. Arbeitskraft, Technik und Bandbreite müssen mit harter Währung erkauft werden. Und der vermeintliche "Inhalt" soll ja auch an die Nerds vergütet werden - solange sie noch mitmachen. Aber wer bezahlt denn für dies alles? Werbepartner und Data-Mining Firmen. Das hat schon bei Blase 1.0 nicht auf Dauer geklappt. Aber diesmal? Bestimmt. Wir müssen nur alle daran glauben: ganz doll.
Und was machen die Selbstdarsteller in ein paar Jahren? Die Videos, Tweets und Facebookeinträge werden sich nie wieder löschen lassen. Zukünftige Arbeitgeber werden sich freuen, denn so brauchen sie gar keinen Lebenslauf mehr. Egal, wie erfolgreich die Schule abgeschlossen wurde und egal wie seriös das Bewerbungsfoto aussieht: bei Youtube kann ich den Bewerber mit herunter gelassener Hose sehen, seine Sprachkenntnisse in Wort und Schrift sind - positiv ausgedrückt - erbärmlich und seine Weltanschauung paßt auch nicht zur Firma. Willkommen bei Hartz 5.0.
Sollen die doch machen was sie wollen. Was mich wirklich daran stört? So viel vergeudetes Potenzial. Im web gibt es so viele Projekte, die freiwillige Mitarbeiter suchen.
Nur als Beispiel: Viele lassen sich inzwischen mit dem Navi von kostenlosen Karten des OpenStreetMap Projekts führen und jeder kennt die Wikipedia. Jeder liest darin, wenn er was wissen will. Kaum einer schreibt noch was. Dabei ist es wirklich so einfach. Hier muß man sich nicht einmal anmelden und einen Daten-Striptease hinlegen, bevor man mitmachen darf. Wer will, kann aber. Und weiß nicht jeder irgendwas zu einem Thema? Hat nicht jeder ein Foto von irgendwas? Alles wird gesucht. Es reicht schon einen Artikel ein klein wenig zu ergänzen - nur ein Detail, was bisher vielleicht fehlt oder nicht optimal dargestellt wird. Oder ein Foto zu einem Thema. Vor kurzem lief mal wieder ein Aufruf, Baudenkmäler zu fotografieren. Bei den meisten handelt es sich um Wohnhäuser. Hier wohnt jemand, der nur vor die Tür hätte treten müssen. Von jedem Sandwich, das die Leute essen, machen sie Fotos für Facebook. Ein Foto vom eigenen Haus oder dem Denkmal im Park vor der Tür oder einer Sehenswürdigkeit im Urlaubsland schafft keiner. Schade. Wikipedia und Co. leben nicht von Werbung. Sie leben vom sinnvollen Mitmachen und bringen der Allgemeinheit nur Vorteile. Aber das scheint langweilig zu sein, da es ja nicht der Selbstdarstellung dient. Und es ist so viel bequemer nur zu konsumieren und sich darüber zu freuen, daß andere was aufbauen, als einen eigenen kleinen Teil dazu beizutragen - das kann wirklich jeder und sollte auch jeder, der ein solches Angebot nutzt. Beim nächsten Spendenaufruf für so ein Projekt kann man dann auch getrost nicht spenden, denn die investierte Arbeitszeit dürfte höherwertig sein, als jede Summe, die man geben würde.
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Höhlenmenschen
Ich kann es nicht mehr hören: Wir sollen als Privatmenschen Energie sparen, den CO2-Ausstoß verringern und das ganze auch noch mit der Umlage zur Förderung von erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) teuer bezahlen, während die Industrie sich aus der Verantwortung ziehen kann.
Ich bin renitent: Ich kaufe bei ebay verbotene konventionelle 100-Wattglühbirnen, mein PC läuft den ganzen Tag und ich werde ganz bestimmt nicht andauernd alle Stecker aus der Steckdose ziehen, um für ein paar Cent Standby-Strom zu sparen (übrigens ein Paradebeispiel dafür, wie dämlich derartige Auflistungen sein können: schon mal überlegt, was mit einem Anrufbeantworter passiert, wenn Sie den Standby-Strom sparen wollen?). Ach ja: ich fahre ein Auto - kein sparsames, kein kleines, eins das mir Freude macht.
Es sollte sich doch auch bis in den letzten Winkel herumgesprochen haben, daß die Energiesparlampe eine einzige Lüge ist: Die Herstellung kostet mehr Energie, Der Müll ist dank Quecksilber hochgiftiger Sondermüll und sparen wird man mit einer Lampe erst dann, wenn diese mehrere Stunden am Stück leuchtet. Die angeblich lange Lebenszeit ist nämlich nur dann vorhanden, wenn sie nicht oft ein- und ausgeschaltet wird. Also in Werkshallen, Büroräumen oder bei der Außenbeleuchtungen durchaus sinnvoll - im Privathaushalt ganz und gar nicht! Das häufige Schalten kann die Funzel nämlich gar nicht leiden und geht dann schneller kaputt als jede Billigbirne - und hat mehr in der Anschaffung gekostet und erfordert auch noch eine energiereiche Entsorgung (zum Sondermüll bringen!). Und das eine Energiesparlampe mit der Zeit an Helligkeit verliert (bei gleichbleibender Stromaufnahme) sagt die Industrie auch nicht, wenn sie vollmundig den Verbraucher belügt und ihr Mantra betet "Eine gute Energiesparlampe leuchtet mindestens so lange wie 10 konventionelle Glühbirnen."
Und jetzt sollen auch noch mehr oder weniger selbsternannte Energieberater mich informieren? Wiedereinmal wird Steuergeld auf der einen Seite zum Fenster hinausgeschmissen, um an anderer Stelle (weniger) zu sparen. Genügt es nicht, daß man das ganze permanent als "News" im Fernsehen aufgetischt bekommt? Als ob irgendwer das noch nicht schon mehrmals gesehen hätte.
Dabei wäre es doch so einfach: Wenn alle Bundesbürger Stanbystrom sparen würden, könnte man doch angeblich 1,5 bis 2 Kernkraftwerke sparen. Wieviel kann man dann erst sparen, wenn wir alle noch mehr Lemminge spielen und kollektiv Selbstmord begehen? Das wäre mal effektvolle Energiepolitik: 100 % aller Energie einsparen, den CO2-Ausstoß (bis auf die Faulgase bei der Verwesung - aber die könnte ja eine andere Nation für ihre Biogasanlagen nutzen - oder besser noch gleich für Soylent Green) auf Null fahren - alles toll.
Es ist übrigens eine Halbwahrheit, daß man auch nur ein einziges Kraftwerk einsparen könnte: Die Kraftwerke sind nämlich für die Grundlast notwendig. Wenn man die 1-2 Kraftwerke abschaffen würde, würde der Fernseher nämlich weiter dunkel bleiben, wenn man ihn dann anschaltet, da nicht mehr genügend Strom für alle da ist. Man könnte höchstens ein paar Windräder und Solarpanels abschaffen - aber das will sicher keiner laut sagen, wo wir mit den kostentreibenden Dingern gerade erst anfangen unsere Landschaft zu pflastern - mit Steuergeldern subventioniert, da nicht von sich aus tragfähig, wie die Pleitewelle gerade erst deutlich zeigte.
Wer wirklich was für die Umwelt tun will, sollte sich ernsthaft mal mit dem Einsatz von Wasserstoff beschäftigen.
Der Kragen platzt mir dann aber, wenn mal wieder ein Fernsehbericht läuft und der "Energieberater" der Reporterin inbrünstig erklärt, daß es "virtuelles Wasser" (7:38) gibt und ihr (und natürlich primär dem Zuschauer) ein schlechtes Gewissen einredet, wenn er damit dann selbst das Kaffeetrinken madig macht.
Also für mich ist es jetzt klar: Leben ist Luxus den wir uns nicht mehr leisten können. Am besten, wir ziehen alle wieder in unsere Höhlen zurück und pflücken Beeren (aber nicht zu viele). Für mich ist das nichts: Ich will den Alltag wenigstens ein wenig Genießen und nicht permanent ein schlechtes Gewissen haben. Ich bin konsequent und spare jetzt 100 %: Tschüß!
Ich bin renitent: Ich kaufe bei ebay verbotene konventionelle 100-Wattglühbirnen, mein PC läuft den ganzen Tag und ich werde ganz bestimmt nicht andauernd alle Stecker aus der Steckdose ziehen, um für ein paar Cent Standby-Strom zu sparen (übrigens ein Paradebeispiel dafür, wie dämlich derartige Auflistungen sein können: schon mal überlegt, was mit einem Anrufbeantworter passiert, wenn Sie den Standby-Strom sparen wollen?). Ach ja: ich fahre ein Auto - kein sparsames, kein kleines, eins das mir Freude macht.
Es sollte sich doch auch bis in den letzten Winkel herumgesprochen haben, daß die Energiesparlampe eine einzige Lüge ist: Die Herstellung kostet mehr Energie, Der Müll ist dank Quecksilber hochgiftiger Sondermüll und sparen wird man mit einer Lampe erst dann, wenn diese mehrere Stunden am Stück leuchtet. Die angeblich lange Lebenszeit ist nämlich nur dann vorhanden, wenn sie nicht oft ein- und ausgeschaltet wird. Also in Werkshallen, Büroräumen oder bei der Außenbeleuchtungen durchaus sinnvoll - im Privathaushalt ganz und gar nicht! Das häufige Schalten kann die Funzel nämlich gar nicht leiden und geht dann schneller kaputt als jede Billigbirne - und hat mehr in der Anschaffung gekostet und erfordert auch noch eine energiereiche Entsorgung (zum Sondermüll bringen!). Und das eine Energiesparlampe mit der Zeit an Helligkeit verliert (bei gleichbleibender Stromaufnahme) sagt die Industrie auch nicht, wenn sie vollmundig den Verbraucher belügt und ihr Mantra betet "Eine gute Energiesparlampe leuchtet mindestens so lange wie 10 konventionelle Glühbirnen."
Und jetzt sollen auch noch mehr oder weniger selbsternannte Energieberater mich informieren? Wiedereinmal wird Steuergeld auf der einen Seite zum Fenster hinausgeschmissen, um an anderer Stelle (weniger) zu sparen. Genügt es nicht, daß man das ganze permanent als "News" im Fernsehen aufgetischt bekommt? Als ob irgendwer das noch nicht schon mehrmals gesehen hätte.
Dabei wäre es doch so einfach: Wenn alle Bundesbürger Stanbystrom sparen würden, könnte man doch angeblich 1,5 bis 2 Kernkraftwerke sparen. Wieviel kann man dann erst sparen, wenn wir alle noch mehr Lemminge spielen und kollektiv Selbstmord begehen? Das wäre mal effektvolle Energiepolitik: 100 % aller Energie einsparen, den CO2-Ausstoß (bis auf die Faulgase bei der Verwesung - aber die könnte ja eine andere Nation für ihre Biogasanlagen nutzen - oder besser noch gleich für Soylent Green) auf Null fahren - alles toll.
Es ist übrigens eine Halbwahrheit, daß man auch nur ein einziges Kraftwerk einsparen könnte: Die Kraftwerke sind nämlich für die Grundlast notwendig. Wenn man die 1-2 Kraftwerke abschaffen würde, würde der Fernseher nämlich weiter dunkel bleiben, wenn man ihn dann anschaltet, da nicht mehr genügend Strom für alle da ist. Man könnte höchstens ein paar Windräder und Solarpanels abschaffen - aber das will sicher keiner laut sagen, wo wir mit den kostentreibenden Dingern gerade erst anfangen unsere Landschaft zu pflastern - mit Steuergeldern subventioniert, da nicht von sich aus tragfähig, wie die Pleitewelle gerade erst deutlich zeigte.
Wer wirklich was für die Umwelt tun will, sollte sich ernsthaft mal mit dem Einsatz von Wasserstoff beschäftigen.
Der Kragen platzt mir dann aber, wenn mal wieder ein Fernsehbericht läuft und der "Energieberater" der Reporterin inbrünstig erklärt, daß es "virtuelles Wasser" (7:38) gibt und ihr (und natürlich primär dem Zuschauer) ein schlechtes Gewissen einredet, wenn er damit dann selbst das Kaffeetrinken madig macht.
Also für mich ist es jetzt klar: Leben ist Luxus den wir uns nicht mehr leisten können. Am besten, wir ziehen alle wieder in unsere Höhlen zurück und pflücken Beeren (aber nicht zu viele). Für mich ist das nichts: Ich will den Alltag wenigstens ein wenig Genießen und nicht permanent ein schlechtes Gewissen haben. Ich bin konsequent und spare jetzt 100 %: Tschüß!
Sonntag, 30. September 2012
Unnütz, unpraktisch und teuer
2009 wurden ca. 210.000 t Getränkekartons produziert. Diese Menge ergibt einen Pro-Kopf-Verbrauch von 2,5 kg im Jahr in Deutschland. Ein 1,5 l Karton wiegt etwa 45 g. Gehe ich von einem durchschnittlichen Gewicht von 40 g (0.00004 t) aus, wurden ca. 5.250.000.000 Kartons hergestellt.
Früher war so eine Kiste quadratisch, praktisch, gut. Wer sie öffnen wollte, klappte eine Ecke hoch und riß oder schnitt ein Stück ab. Damit es beim Ausschütten zu keinem Unterdruck kommt und der Inhalt schwallartig hinaus schwappt, wurde ein Loch in die andere Hälfte der Oberseite gestochen.
Und dann kam die angeklebte Ausschüttöffnung.
Seit dem drehen die Leute die Kappe ab und hoffen, daß dabei die innere Siegelfolie abreißt und sie dann den Inhalt ausschütten können. Oft genug reißt die Folie aber nicht ab und man hat zwar den Deckel in der Hand, muß aber trotzdem noch ein Loch hineinbohren. Anschließen schwappt dann die Flüssigkeit schwallartig ins Glas und es kleckert auf den Tisch, weil kein Druckausgleich entsteht, wenn man nicht gerade langsam mikroskopisch kleine Mengen auskippen will. Ein Loch sticht aber keiner mehr rein - ist ja irgendwie uncool. Oder kommen dann Bakterien oder andere Gifte hinein, die der Schraubverschluß abhalten könnte? Oder ist der Verschluß so dicht, daß man die offene Verpackung dann legen kann oder nicht mehr senkrecht tragen muß? Kurzzeitig gab es mal einen Aufreißverschluß, der lang genug war, um auch Luft beim Ausschütten in die Packung kommen zu lassen und der keine Siegelfolie innen brauchte und immer auf ging. Aber der ist irgendwie wieder verschwunden. Geblieben sind die Drehverschlüsse.
Gut, was soll's: Ich schneide meine Kartons wie früher auf. Sollen die anderen doch machen, was sie wollen.
Aber wieso sieht ein Getränkekarton eigentlich aus, wie er aussieht?
Schuld ist der Extremwert: Bei minimaler Verpackungsmenge bietet die Kartonform den maximalen Rauminhalt. Außerdem passen die Kartons gut in Kisten, die genau auf eine Europalette gestapelt werden können. So wird kein Platz beim Transport und im Lager verschenkt.
Mit dem Schraubverschluß ist das aber nicht mehr der Fall. Jeder Karton ist jetzt unnütze ca. 11 mm höher. Und es entsteht eine große Fläche (fast die ganze Oberseite) Luft beim Transport wenn Kisten übereinander stehen. Und das Gewicht eines jeden Kartons nimmt auch zu. Ca. 2,5 g wiegt eine Kappe. Sagen wir im Schnitt (weil auch nicht überall eine drauf ist) 2,0 g. Das summiert sich auf gut 10.000 t Plastikmüll!
Ein optimal verbrauchsarmer Lkw verheizt etwa 0,8 Liter Diesel auf 100 Tonnenkilometern (die wenigsten Lkw sind so gut - aber egal). Das heißt, um lediglich all die Verschlüsse lächerliche 100 km zu transportieren (und das ist sicherlich nur ein klitzekleiner Bruchteil dessen, was so ein Getränkekarton und ein Verschluß unterwegs ist), werden pro Jahr 8.000 l Diesel verbrannt. Zusätzlich werden 20,5 Gramm CO2-Emissionen je Tonne Nutzlast und Kilometer erzeugt. Also 20,5 t C02 für 100 km.
Und das alles für einen unnützen und im Grunde unpraktischen Gegenstand. Gut, daß wir da so umweltbewußt sind und wenigstens 63 % von dem Müll dem Recycling zuführen (wo es aber nicht etwa vollständig wiederverwendet wird - auch wenn die Industrie und Abfallwirtschaft uns das gerne einreden möchte) und der Plastikdeckel weitere 100 km durch die Welt gefahren wird: unter erneutem Einsatz von 8.000 l Diesel und 20,5 t CO2.
Früher war so eine Kiste quadratisch, praktisch, gut. Wer sie öffnen wollte, klappte eine Ecke hoch und riß oder schnitt ein Stück ab. Damit es beim Ausschütten zu keinem Unterdruck kommt und der Inhalt schwallartig hinaus schwappt, wurde ein Loch in die andere Hälfte der Oberseite gestochen.
Und dann kam die angeklebte Ausschüttöffnung.
Seit dem drehen die Leute die Kappe ab und hoffen, daß dabei die innere Siegelfolie abreißt und sie dann den Inhalt ausschütten können. Oft genug reißt die Folie aber nicht ab und man hat zwar den Deckel in der Hand, muß aber trotzdem noch ein Loch hineinbohren. Anschließen schwappt dann die Flüssigkeit schwallartig ins Glas und es kleckert auf den Tisch, weil kein Druckausgleich entsteht, wenn man nicht gerade langsam mikroskopisch kleine Mengen auskippen will. Ein Loch sticht aber keiner mehr rein - ist ja irgendwie uncool. Oder kommen dann Bakterien oder andere Gifte hinein, die der Schraubverschluß abhalten könnte? Oder ist der Verschluß so dicht, daß man die offene Verpackung dann legen kann oder nicht mehr senkrecht tragen muß? Kurzzeitig gab es mal einen Aufreißverschluß, der lang genug war, um auch Luft beim Ausschütten in die Packung kommen zu lassen und der keine Siegelfolie innen brauchte und immer auf ging. Aber der ist irgendwie wieder verschwunden. Geblieben sind die Drehverschlüsse.
Gut, was soll's: Ich schneide meine Kartons wie früher auf. Sollen die anderen doch machen, was sie wollen.
Aber wieso sieht ein Getränkekarton eigentlich aus, wie er aussieht?
Schuld ist der Extremwert: Bei minimaler Verpackungsmenge bietet die Kartonform den maximalen Rauminhalt. Außerdem passen die Kartons gut in Kisten, die genau auf eine Europalette gestapelt werden können. So wird kein Platz beim Transport und im Lager verschenkt.
Mit dem Schraubverschluß ist das aber nicht mehr der Fall. Jeder Karton ist jetzt unnütze ca. 11 mm höher. Und es entsteht eine große Fläche (fast die ganze Oberseite) Luft beim Transport wenn Kisten übereinander stehen. Und das Gewicht eines jeden Kartons nimmt auch zu. Ca. 2,5 g wiegt eine Kappe. Sagen wir im Schnitt (weil auch nicht überall eine drauf ist) 2,0 g. Das summiert sich auf gut 10.000 t Plastikmüll!
Ein optimal verbrauchsarmer Lkw verheizt etwa 0,8 Liter Diesel auf 100 Tonnenkilometern (die wenigsten Lkw sind so gut - aber egal). Das heißt, um lediglich all die Verschlüsse lächerliche 100 km zu transportieren (und das ist sicherlich nur ein klitzekleiner Bruchteil dessen, was so ein Getränkekarton und ein Verschluß unterwegs ist), werden pro Jahr 8.000 l Diesel verbrannt. Zusätzlich werden 20,5 Gramm CO2-Emissionen je Tonne Nutzlast und Kilometer erzeugt. Also 20,5 t C02 für 100 km.
Und das alles für einen unnützen und im Grunde unpraktischen Gegenstand. Gut, daß wir da so umweltbewußt sind und wenigstens 63 % von dem Müll dem Recycling zuführen (wo es aber nicht etwa vollständig wiederverwendet wird - auch wenn die Industrie und Abfallwirtschaft uns das gerne einreden möchte) und der Plastikdeckel weitere 100 km durch die Welt gefahren wird: unter erneutem Einsatz von 8.000 l Diesel und 20,5 t CO2.
Samstag, 30. Juni 2012
Bildungslücken
Mal was erfreuliches: Google entzückt immer wieder mit lustigen Designs für ihr Logo ("Doodle" im Fachjargon genannt) - passend zu diversen Anlässen. Manchmal sind diese auch animiert und dann wirklich geeignet, Bildungslücken auf ganz unaufdringliche Weise zu schließen. Es erfreut mich dann sogar noch mehr, wenn ich dabei auf Themen treffe, von denen ich denke, dass sich dafür kaum einer interessiert und Dank Doodle nun Millionen Leute inspiriert werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Wer kennt nicht die Frage (auch von Kindern), ob ein Pferd im Galopp zu irgendeinem Zeitpunkt alle vier Hufe in der Luft hat. Wer aber weiß, wie die Frage beantwortet wurde und womit?
Sind Sie schon älter als 30? Dann kennen Sie Pac-Man noch "in echt". Es wird Zeit, sich mal wieder was auf die Ohren zu geben und den Kampf gegen die Verfolger etc. anzutreten. 256 Level warten!
Wer Musik mag, kann sich an einer Elektrogitarre austoben und sogar den Song speichern und weitergeben. Wer noch nie was von einer Moog gehört hat, der kann nun mal ausprobieren, wie viele Klänge man aus einer mehr oder weniger simplen Schwingung erzeugen kann.
Der neuste Geniestreich widmet sich einem wirklich abstrakten Thema: der Turingmaschine. Sie wissen nicht, was das ist? Nun, im Grunde sitzen Sie gerade vor dem Nachfolger. Drücken Sie auf Play und programmieren Sie die Anweisungsfolge so, daß auf dem Speicherband der rechts oben gezeigte Code entsteht. Dieser entspricht den ASCII-Buchstaben für das Wort "Google". Ihnen stehen folgende Operatoren zur Verfügung:
Wer kennt nicht die Frage (auch von Kindern), ob ein Pferd im Galopp zu irgendeinem Zeitpunkt alle vier Hufe in der Luft hat. Wer aber weiß, wie die Frage beantwortet wurde und womit?
Sind Sie schon älter als 30? Dann kennen Sie Pac-Man noch "in echt". Es wird Zeit, sich mal wieder was auf die Ohren zu geben und den Kampf gegen die Verfolger etc. anzutreten. 256 Level warten!
Wer Musik mag, kann sich an einer Elektrogitarre austoben und sogar den Song speichern und weitergeben. Wer noch nie was von einer Moog gehört hat, der kann nun mal ausprobieren, wie viele Klänge man aus einer mehr oder weniger simplen Schwingung erzeugen kann.
Der neuste Geniestreich widmet sich einem wirklich abstrakten Thema: der Turingmaschine. Sie wissen nicht, was das ist? Nun, im Grunde sitzen Sie gerade vor dem Nachfolger. Drücken Sie auf Play und programmieren Sie die Anweisungsfolge so, daß auf dem Speicherband der rechts oben gezeigte Code entsteht. Dieser entspricht den ASCII-Buchstaben für das Wort "Google". Ihnen stehen folgende Operatoren zur Verfügung:
- Ändere den Wert an der aktuellen Position in 0/1/(Leer)
- Gehe eine Position nach Links/Rechts. Dazu wird das Speicherband in die gegenläufige Richtung bewegt.
- Vergleich mit 1/0/Leer. Wenn Vergleich wahr, dann folge den alternativen Befehlen
- Schleife. Springe an die markierte Stelle zurück.
Dienstag, 12. Juni 2012
Darf ich oder darf ich nicht?
Der zweitschwachsinnigste Text im Internet nimmt in emails immer mehr Verbreitung. Zuerst einmal der überflüssigste (ist nicht steigerbar, ich weiß):
Mit dem Urteil vom 12. September 1998 - 312 0 58/98 - „Haftung für Links“ hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Dieses kann - so das Landgericht - nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten der von mir verlinkten Seiten.Wer hat den Satz nicht schon mal auf einer Webseite gelesen. Wie im Internet üblich, wird einfach alles blind kopiert- cut and paste macht's möglich. Daß es bei dem "Hamburger Urteil" um etwas anderes geht, scheint kaum einer zu bemerken. Das ist nicht neu und wer will, findet auch zahlreiche Texte im Web, die sich über die falsch informierten Webmaster mehr oder weniger lustig machen.
Auch nicht ganz neu ist der zweite unnütze Text:
Das befindet sich am Ende der email. Also habe ich die mail schon sehr ausführlich lesen müssen, um bis hierhin zu gelangen. Aber mal abgesehen davon, daß die Stelle falsch gewählt ist (wenn, müßte der Text am Anfang stehen), kann ich ja gar nicht richtig reagieren und die mail löschen, denn es ist mir ja verboten, die mail und damit die Löschanweisung zu lesen, sollte ich nicht der richtige Empfänger sein. Sollte ich sie löschen, gestehe ich ja ein, sie gelesen zu haben - fast schon ein Schuldeingeständnis. Also ist die mail auf Ewig dazu verdammt, meinen Posteingang zu verstopfen. Zumal mir ja der anderweitige Gebrauch der mail auch Untersagt ist. Also ist auch das geforderte Löschen untersagt. Zumal (auch wenn das noch immer viele Leute nicht wissen) beim Löschen die mail kopiert wird (nämlich in den Papierkorb - mal abgesehen davon, was alles im Dateisystem damit passiert) und das ist ja auch verboten worden.Diese E-Mail beinhaltet Informationen, die vertraulich oder nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein könnten. Sollten Sie nicht der designierte Empfänger sein, ist das Lesen, Kopieren, Weiterleiten sowie anderweitiger Gebrauch des Inhalts dieser E-Mail untersagt. Sie werden gebeten, diese E-Mail unverzüglich zu löschen.
Anstatt sich mit derartigen, vermutlich durch blödsinnige US-amerikanische Gesetzesauslegungen inspirierte ("Vorsicht, Kaffee ist heiß") Texte zu blamieren, sollten die Firmen viel lieber mal die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zum Impressum in ihre email aufnehmen. Diese fehlen nämlich noch immer oft (so auch bei UPS, von denen obiges exemplarische Zitat stammt).
Sonntag, 10. Juni 2012
Kreisende Geier
Kennen Sie noch Fahrkartenschalter? Früher gab es die an jeder U-Bahnstation und jedem (Fernreise-) Bahnhof. Heute zockt die DB jeden Fahrgast mit einer Bearbeitungs-/Beratungs-/Servicegebühr von bis zu fünf Euro ab, wenn man am Schalter sein Ticket holen will und die Verkaufsbuden sind verwaist. Heute sind viele der Kartenverkäufer wohl arbeitslos, denn die Bahn hat es geschafft, Kunden zu vergraulen, die nicht Online kaufen können/wollen und die anderen wurden zwangsweise in das Umerziehungslager namens "Onlinebuchung" geschickt. Oder man darf sich durch kryptische Zonenmodelle hangeln - auf einem schlecht justierten und durch häufiges angrabbeln halb defekten Touchscreen.
Nun steht seit einigen Jahren die nächste Revolution an, die wieder Arbeitslose produziert und den Kunden zum Mitarbeiter im Unternehmen macht. Bisher in Deutschland noch eher selten, aber im Ausland doch schon öfter anzutreffen, sind SB-Kassen. Anstatt einer professionellen Kraft das Scannen in Rekordgeschwindigkeit zu überlassen (nach dem mit Aldi auch der letzte Vertreter des Preiseintippens umgestellt hat), greift der Kunde selbst zur Pistole und kassiert sich selber ab. Der Vorteil für den Kunden? Keiner. Es dauert länger da man nicht geübt ist und den Barcode auf der Verpackung erst einmal suchen muß (davon was passiert, wenn der Barcode mal wieder im System fehlt, wie es ja auch nach mehr als 35 Jahren Strichcode fast bei jedem Einkauf vorkommt, wollen wir gar nicht reden). Und dann muß man sich auch noch durch das oft grottenschlechte Bedienmenü des Terminals quälen. Das es schneller geht, glaubt man nur, weil man aktiv ist, statt nur die Ware im Einkaufswagen zu deponieren. Trotzdem erproben die großen Handelsketten das System mit Begeisterung, denn so können wieder Personalkosten gesenkt werden. Und nur darum geht es oder fällt irgendwem ein anderes Argument ein? Nur was habe ich davon? Sinken die Preise dann oder dauert es länger bis zur nächsten "Preisanpassung" nach oben, gibt es mehr Service?
Mir bleibt vorerst einmal der Spaß am elektronischen Spielkram. Und meine Tochter kann gleich mal in ein aussterbendes Berufsfeld hineinschnuppern. Also nichts wie ran an die "Expresskassen" beim schwedischen Möbelhaus.
Aber kaum steht man da, schleicht sich eine Kassenaufsicht an einen heran und weicht nicht mehr von der Seite. Dein Kind ist ganz fasziniert von den roten und grünen Lichtern und piepsen, wenn der Strichcode erkannt wurde. Die genialen Kassensystemprogrammierer haben zwar eine rudimantäre Funktion vergessen, um zu sagen, man hat einen Artikel gleich mehrfach, aber das ist ja kein Problem, scannt man halt den gleichen Artikel mehrmals, ohne die anderen anzurühren. Aber der Cleverness mißtraut die Aufsicht und schiebt sich auffallend unauffällig noch näher und schielt in die Tasche (die man übrigens schon weit vor dem Kassenbereich hätte leeren müssen, um dann den gesammelten Kleinkram vermutlich im Arm zur Kasse zu tragen, was aber den Vorteil hätte, daß die Anschleicherin besser sehen kann). Ups, da haben wir doch glatt einen Artikel zweimal gescannt, aber nur einen dabei. Na das sollte so ein Hightechsystem schnell ("expreßartig") regeln können. Also "Storno" anklicken. Aber nein, das geht ja nicht, da muß erst die Kassenaufsicht Ihre Magnetkarte durchziehen und einen Bon für sich ausdrucken. Aber natürlich erst, nach einem gründlichen Verhör, warum man denn den Artikel stornieren will. Scheint ein suspektes Verhalten zu sein. Anschließend wird der Artikel dann weggenommen, weil man ihn ja stornieren wollte. Ja, das heißt aber nicht, daß ich ihn nicht mitnehmen will, er ist doch schon einmal gebucht. Falsche Antwort, jetzt wird das Verhör intensiver, wo ist er denn schon gebucht, man möge das bitte auf dem Terminal zeigen. Von so viel Mißtrauen genervt versuche ich nebenbei dann noch in Ruhe meinem Kind den Unterschied zwischen einem Storno und einer Buchung klarzumachen. Ab jetzt ist man ganz verdächtig und die anderen Aufsichtskräfte samt offenbarem Oberaufseher (vier Kassen, drei Aufseher in Ikeagelb und ein Oberaufseher in Zivil) beäugen den weiteren Vorgang argwöhnisch. Ob der Oberaufseher in Zivil einer Sicherheitsfirma angehört, der sich heroisch vor den voll bepackten Einkaufswagen wirft, sollte man es wagen Ikea zu betrügen? Oder warum trägt der immer kein Ikea-Shirt und steht noch weiter weg, ohne daß er verheimlichen kann, was seine Aufgabe ist? Vielleicht sind es auch alte Stasimitarbeiter - die waren auch immer so unauffällig. Langsam wird aus dem Scannerspiel ein Ärgernis bei dem man sich nur noch Unwohl fühlt, weil die Aufsicht einen auf die Pelle rückt und man jetzt bloß keinen Fehler mehr machen will. Andere SB-Kassenanbieter kontrollieren übrigens auch. Ohne geht es wohl nicht. Aber das läuft dann wenigstens unaufdringlicher ab, in dem einfach alle Waren gewogen werden oder anschließend eine Aufsicht einen schnellen Blick auf den Kassenbon und den Einkaufswagen wirft. Wer mal in der Metro eingekauft hat, der weiß, wie fit diese Leute sind und den Wert eines Einkaufswagens ziemlich gut abschätzen können, ohne jeden Artikel abzuhaken. Kurz vor dem Finale dann aber der GAU. Da haben wir es wieder: wir haben das eine Brett aus dem riesigen Stapel Einlegeböden erwischt, welches keinen Code aufgedruckt hat. Und nun? Hilfe durch die Aufsicht? Nicht doch. Ratlos werden Listen gewälzt, zieht man sich zurück und kommt dann irgendwann zurück mit einer Artikelnummer. Inzwischen habe ich die anderen Teile bezahlt und spiele aus Langeweile mit dem Scanner. Piep! Wieder was gescannt. Jetzt ist aber aus mit lustig! So geht das ja nicht, werde ich zurechtgewiesen.
Ja, ich schäme mich, wie kann ich nur. Ist doch ein Storno wie wir wissen so eine komplizierte Sache und die vier Kräfte sind doch schon so überfordert mit dem Spionieren und Preis fürs Brett sondieren. Wo sind nur die netten fröhlichen Leute aus den Werbespots und Werbeaufstellern, die uns alle zu einer Ikea-Family machen wollen und mich duzen? Eine bemitleidenswerte Familie, in der so viel Mißtrauen herrscht. Aber jetzt geht's weiter, hier ist der Code, noch mal zwölf Euro bitte. Nein, das Teil kostet nur sieben! Kann nicht sein, der Kollege hat es doch ausgedruckt. Ja, aber ich weiß es auch, ich habe es aus dem Regal genommen, ich habe zuvor im Internet nachgeschaut, meine Tochter hat fein säuberlich Regalplatz, Artikelnummer und Preis mit einem dieser netten kleinen Bleistifte auf einen Merkzettel geschrieben (nach dem wir übrigens unseren Spaß an einem Infoterminal hatten, an dem es auch einen Scanner gab - hier zum Glück ohne Aufsicht, wer weiß ob wir nicht längst des schnöden Hochregallagers verwiesen worden wären, hätten die uns dabei zugesehen) und all unsere Angaben weichen von denen des allwissenden Kollegen ab. Langes hin und her, der Kollege muß per se Recht haben. Dem Kunden ist zu mißtrauen, wie uns ja nun bereits vorgelebt wurde. Also hole ich mir wutschnaubend ein neues Brett und zahle sieben Euro an einer Bummelkasse (oder wie nennt man die nicht-Expresskassen jetzt?) mit Kassiererin (bei der so wenig Andrang herrscht, daß Sie nebenbei noch die Regale in ihrem Bereich sortieren konnte, bevor Sie mich nett begrüßte und sich zu ihrer Kasse begab). Das geht schneller! Und wenn ich gewollt hätte, hätte ich mir auch noch die Zeit für einen kurzen Schwatz oder gar Flirt nehmen können (wäre ich nicht noch immer so auf expressartigen 180). Mit den Kontrollkräften will ich bestimmt nicht quatschen oder flirten und irgendwann werden auch die wegrationalisiert sein.
Nun steht seit einigen Jahren die nächste Revolution an, die wieder Arbeitslose produziert und den Kunden zum Mitarbeiter im Unternehmen macht. Bisher in Deutschland noch eher selten, aber im Ausland doch schon öfter anzutreffen, sind SB-Kassen. Anstatt einer professionellen Kraft das Scannen in Rekordgeschwindigkeit zu überlassen (nach dem mit Aldi auch der letzte Vertreter des Preiseintippens umgestellt hat), greift der Kunde selbst zur Pistole und kassiert sich selber ab. Der Vorteil für den Kunden? Keiner. Es dauert länger da man nicht geübt ist und den Barcode auf der Verpackung erst einmal suchen muß (davon was passiert, wenn der Barcode mal wieder im System fehlt, wie es ja auch nach mehr als 35 Jahren Strichcode fast bei jedem Einkauf vorkommt, wollen wir gar nicht reden). Und dann muß man sich auch noch durch das oft grottenschlechte Bedienmenü des Terminals quälen. Das es schneller geht, glaubt man nur, weil man aktiv ist, statt nur die Ware im Einkaufswagen zu deponieren. Trotzdem erproben die großen Handelsketten das System mit Begeisterung, denn so können wieder Personalkosten gesenkt werden. Und nur darum geht es oder fällt irgendwem ein anderes Argument ein? Nur was habe ich davon? Sinken die Preise dann oder dauert es länger bis zur nächsten "Preisanpassung" nach oben, gibt es mehr Service?
Mir bleibt vorerst einmal der Spaß am elektronischen Spielkram. Und meine Tochter kann gleich mal in ein aussterbendes Berufsfeld hineinschnuppern. Also nichts wie ran an die "Expresskassen" beim schwedischen Möbelhaus.
| Expresskasse. Quelle: Ikea |
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| Wohnen und kaufen darf man, leben und Spaß haben besser nicht. Quelle: Werbespot Ikea |
Ja, ich schäme mich, wie kann ich nur. Ist doch ein Storno wie wir wissen so eine komplizierte Sache und die vier Kräfte sind doch schon so überfordert mit dem Spionieren und Preis fürs Brett sondieren. Wo sind nur die netten fröhlichen Leute aus den Werbespots und Werbeaufstellern, die uns alle zu einer Ikea-Family machen wollen und mich duzen? Eine bemitleidenswerte Familie, in der so viel Mißtrauen herrscht. Aber jetzt geht's weiter, hier ist der Code, noch mal zwölf Euro bitte. Nein, das Teil kostet nur sieben! Kann nicht sein, der Kollege hat es doch ausgedruckt. Ja, aber ich weiß es auch, ich habe es aus dem Regal genommen, ich habe zuvor im Internet nachgeschaut, meine Tochter hat fein säuberlich Regalplatz, Artikelnummer und Preis mit einem dieser netten kleinen Bleistifte auf einen Merkzettel geschrieben (nach dem wir übrigens unseren Spaß an einem Infoterminal hatten, an dem es auch einen Scanner gab - hier zum Glück ohne Aufsicht, wer weiß ob wir nicht längst des schnöden Hochregallagers verwiesen worden wären, hätten die uns dabei zugesehen) und all unsere Angaben weichen von denen des allwissenden Kollegen ab. Langes hin und her, der Kollege muß per se Recht haben. Dem Kunden ist zu mißtrauen, wie uns ja nun bereits vorgelebt wurde. Also hole ich mir wutschnaubend ein neues Brett und zahle sieben Euro an einer Bummelkasse (oder wie nennt man die nicht-Expresskassen jetzt?) mit Kassiererin (bei der so wenig Andrang herrscht, daß Sie nebenbei noch die Regale in ihrem Bereich sortieren konnte, bevor Sie mich nett begrüßte und sich zu ihrer Kasse begab). Das geht schneller! Und wenn ich gewollt hätte, hätte ich mir auch noch die Zeit für einen kurzen Schwatz oder gar Flirt nehmen können (wäre ich nicht noch immer so auf expressartigen 180). Mit den Kontrollkräften will ich bestimmt nicht quatschen oder flirten und irgendwann werden auch die wegrationalisiert sein.
Donnerstag, 31. Mai 2012
Sex sells
Vor ein paar Tagen habe ich noch bei meiner favorisierten PC-Redaktion darüber gelesen, wie sich der Autor darüber echauffierte, daß eine Firma mit halbnackten Tatsachen Werbung macht. Als ob das was neues wäre oder jemand noch verwerflich finden würde. Dabei sind nackte Tatsachen (erst ab 18!) im Internet nun wirklich leicht zu finden.
Heute schreibt dann die Redaktion des gleichen Hauses etwas über die zu den Sommerferien gültigen neuen Mobilfunktarife. Keine große kreative Leistung ist wohl dabei, den Artikel mit einem sommerlichen Foto zu illustrieren - wie wäre es mit der Teilansicht einer hübschen Frau im Bikini (plus Handy als Alibi)?
Heute schreibt dann die Redaktion des gleichen Hauses etwas über die zu den Sommerferien gültigen neuen Mobilfunktarife. Keine große kreative Leistung ist wohl dabei, den Artikel mit einem sommerlichen Foto zu illustrieren - wie wäre es mit der Teilansicht einer hübschen Frau im Bikini (plus Handy als Alibi)?
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| Quelle: http://www.heise.de/ |
Sonntag, 26. Februar 2012
Weil 99,99 % der Internetnutzer dumm sind, muß ich mich beugen und Gläserner Bürger sein
Drastisch, aber leider ist es so: Alles, wirklich alles, was man im Internet macht, hinterläßt Spuren und kann (automatisch) analysiert werden. Emails gehören auch dazu. Jede mail, die man verschickt, wird über viele Computer im Internet weitergeleitet - und das im Klartext, also als lesbarer Text. In Schurkenstaaten und Diktaturen geht man ja davon aus oder hört es auch andauernd, daß die Regime den Bürgern auf die Finger schauen und alles mitlesen und auswerten und dann unliebsame Bürger wegsperren etc. Aber hätten Sie gewußt, daß auch die demokartische BRD zu den "Schurkenstaaten" zu zählen ist? Klar, gegen ACTA auf die Straße zu gehen ist schon gutbürgerlich normal. Aber wie wäre es mal damit, vor der eigenen Haustür zu schauen? Emails können und werden von der Bundesregierung bzw. den Geheimdiensten mitgelesen und ausgewertet: Deutsche Geheimdienste überwachten 2010 mehr als 37 Millionen E-Mails und Datenverbindungen.
Wie immer werden jetzt die meisten Nutzer sagen: "Na und? Ich habe ja nichts zu verbergen". Und: "Wenn so Kriminelle gefangen werden, ist das doch gut."
So fängt es an. Und irgendwann kommt das Erwachen und keiner kann mehr zurückrudern. Bradbury und Orwell lassen grüßen.
Dabei ist es ganz einfach: Ein anständiges Emailprogramm wie z. B. Thunderbird und Enigmail OpenPGP (oder von mir aus auch Outlook, wenn's denn sein muß) nutzen und dort PGP installieren. Damit kann man dann jede Email ohne Mehraufwand signieren (stellt sicher, daß die Nachricht nicht nachträglich manipuliert wurde) oder verschlüsseln (und zwar so gut, daß wirklich keiner das Ding mehr lesen kann außer der richtige Empfänger). Das ist wirklich ein Kinderspiel und jede verschlüsselte Email zeigt den Schnüfflern, daß man sich nicht ausspionieren läßt. Übrigens: Wirklich gefährliche Kriminelle wird man nicht durch wahllosen mitlesen von Emails, in denen das Wort "Bombe" oder "Krieg" steht, finden, denn die Bösewichte wissen genau, was PGP leistet und nutzen das dann auch.
Dumm an der Sache ist nur: Wenn keiner mitmacht, dann hilft mir das als informierter und sensibilisierter Bürger fast gar nichts. Denn wenn ich meine Emails verschlüsseln möchte, dann muß der Empfänger die auch entschlüsseln können. Und wenn der nicht mitmacht, dann geht das nicht. Also bin ich dazu gezwungen, unverschlüsselte Mails zu schreiben, weil alle anderen zu faul/doof/unsensibel/uninformiert und unqualifiziert sind, sich um ihre Grundrechte und ureigenen Interessen zu kümmern.
Und solange das mit der Verschlüsselung mangels Beteiligung nicht klappt, ist die PGP Signierung schon ein guter Schritt. Das übt, wie man PGP installiert und einsetzt und zeigt jedem, wie leicht es ist, mitzumachen, denn eine Signierte Email sieht so aus und kann an jeden gesendet werden, auch wenn der kein PGP nutzt:
Ich bin dafür, daß alle Leute, die nicht PGP nutzen, keine Emails mehr schreiben dürfen - zu ihrem eigenen Schutz. Schließlich werde ich auch so oft gezwungen Dinge zu tun, die ich nicht will, weil sie ja für mich so wichtig sind und ich so doof bin, das einzusehen, so daß die Nichteinhaltung unter Strafe gestellt ist, obwohl ich nur mich persönlich gefährden würde (Anschnallen im Auto/Flugzeug, Rettungsübungen auf einer Kreuzfahrt, keine Drogen usw.).
Also, worauf warten Sie? Mitmachen und Emails im ersten Schritt mit PGP signieren.
Wie immer werden jetzt die meisten Nutzer sagen: "Na und? Ich habe ja nichts zu verbergen". Und: "Wenn so Kriminelle gefangen werden, ist das doch gut."
So fängt es an. Und irgendwann kommt das Erwachen und keiner kann mehr zurückrudern. Bradbury und Orwell lassen grüßen.
Dabei ist es ganz einfach: Ein anständiges Emailprogramm wie z. B. Thunderbird und Enigmail OpenPGP (oder von mir aus auch Outlook, wenn's denn sein muß) nutzen und dort PGP installieren. Damit kann man dann jede Email ohne Mehraufwand signieren (stellt sicher, daß die Nachricht nicht nachträglich manipuliert wurde) oder verschlüsseln (und zwar so gut, daß wirklich keiner das Ding mehr lesen kann außer der richtige Empfänger). Das ist wirklich ein Kinderspiel und jede verschlüsselte Email zeigt den Schnüfflern, daß man sich nicht ausspionieren läßt. Übrigens: Wirklich gefährliche Kriminelle wird man nicht durch wahllosen mitlesen von Emails, in denen das Wort "Bombe" oder "Krieg" steht, finden, denn die Bösewichte wissen genau, was PGP leistet und nutzen das dann auch.
Dumm an der Sache ist nur: Wenn keiner mitmacht, dann hilft mir das als informierter und sensibilisierter Bürger fast gar nichts. Denn wenn ich meine Emails verschlüsseln möchte, dann muß der Empfänger die auch entschlüsseln können. Und wenn der nicht mitmacht, dann geht das nicht. Also bin ich dazu gezwungen, unverschlüsselte Mails zu schreiben, weil alle anderen zu faul/doof/unsensibel/uninformiert und unqualifiziert sind, sich um ihre Grundrechte und ureigenen Interessen zu kümmern.
Und solange das mit der Verschlüsselung mangels Beteiligung nicht klappt, ist die PGP Signierung schon ein guter Schritt. Das übt, wie man PGP installiert und einsetzt und zeigt jedem, wie leicht es ist, mitzumachen, denn eine Signierte Email sieht so aus und kann an jeden gesendet werden, auch wenn der kein PGP nutzt:
Die Signatur stört also nicht und je mehr Leute mitmachen, desto leichter fällt es dann auch verschlüsselte Mails zu verschicken.-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE----- Hash: SHA1 Hier steht die eigentliche Email-----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.11 (MingW32) iEYEARECAAYFAk9KvUkACgkQ2AP4QMqw24CFGACgtDxkg8YFECPdW68qGflIAWfx tEUAmgPOPRlBECzVzUZiSlIW7F802B0R =yFEl -----END PGP SIGNATURE-----
Ich bin dafür, daß alle Leute, die nicht PGP nutzen, keine Emails mehr schreiben dürfen - zu ihrem eigenen Schutz. Schließlich werde ich auch so oft gezwungen Dinge zu tun, die ich nicht will, weil sie ja für mich so wichtig sind und ich so doof bin, das einzusehen, so daß die Nichteinhaltung unter Strafe gestellt ist, obwohl ich nur mich persönlich gefährden würde (Anschnallen im Auto/Flugzeug, Rettungsübungen auf einer Kreuzfahrt, keine Drogen usw.).
Also, worauf warten Sie? Mitmachen und Emails im ersten Schritt mit PGP signieren.
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